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Minderjährig und schwanger — aus dem Leben von Carmenza

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Kolumbien ist ein Land mit vielen Kontrasten. Das trifft auf die Landschaft zu, genauso wie auf die Menschen. Es gibt Kolumbianer auf der Sonnenseite des Lebens und es gibt Kolumbianer die die Schattenseiten ihres Landes sehr gut kennengelernt haben. Bei der von viventura unterstützten Stiftung „Esperanza de Vivir“ für schwangere Mädchen in Bogota habe ich die heute 22 jährige Carmenza kennengelernt. Sie hat mir ihre Lebensgeschichte erzählt. Die Erlebnisse von Carmenza spiegeln auf eindrucksvolle Weise gravierende gesellschaftliche Probleme Kolumbiens wieder. Carmenza steht stellvertretend für ein Problem, das seit Generationen die kolumbianische Gesellschaft betrifft, das der schwangeren Minderjährigen. Ich möchte gerne die Geschichte von Carmenza erzählen, da sie mich sehr beeindruckt hat und viele Parallelen enthält zu anderen Lebensgeschichten, die mir Bewohner von „Esperanza de Vivir“ erzählt haben.

Vor 6 Jahren war Carmenza 16 Jahre alt. Als Spross einer farbigen Großfamilie hatte sie keine leichte Kindheit. Die Eltern mussten sehen wie sie selber über die Runden kamen. Zeit für die Familie oder Erziehnung, das war damals — und ist es manchmal auch heute noch — eine Seltenheit. Die Hoffnung auf ein besseres Leben lag für Carmenza in der Hauptstadt Bogota und so sahen und sehen es viele andere Bewohner Kolumbiens für sich selber auch.

Eines Tages glaubte Carmenza die Möglichkeit zu haben, ein neues, besseres Leben zu beginnen. Bekannte aus der Hauptstadt berichteten ihr von einem Studium in Bogota. Das wollte Carmenza machen. Sie sammelte das Geld für den Bus und begab sich auf die 18 Stunden lange Reise in die kolumbianische Hauptstadt. Angekommen, war die Ernüchterung groß. Die Bekannten waren nicht aufzutreiben und Carmenza kannte niemanden in der Stadt, die damals 6 Millionen Einwohner hatte. Sie hatte kein Geld und landete auf der Straße.

Einsam, hungrig und auf der Suche nach Zuneigung lernte sie Pedro kennen Es war das erste Mal seit langem, dass ihr jemand Aufmerksamkeit schenkte. Offenherzig und vertrauensseelig verliebte sich die gutaussehende Minderjährige. „Finalmente no ha sido buena persona“ fügte Carmenza hinzu. – Im Nachhinein betrachtet war er kein guter Mensch — .
Als Carmenza schwanger wurde schmiss ihr Freund sie kurzerhand aus der Wohnung. Entsprechend groß war die Enttäuschung, denn jetzt hatte Pedro sein wahres Gesicht gezeigt. Carmenza merkte, dass sie nur ausgenutzt worden war. Schwanger und auf der Straße – wahrlich keine guten Zukunftsaussichten. Nach einigen Wochen auf der Straße lernte sie einen Arzt kennen, der ihr eine Stelle als Putzfrau in seinem Haus anbot. Ohne Bezahlung, aber für Unterkunft und Essen.

Trotz ihrer Schwangerschaft arbeite sie von morgens bis nachts. Geschätzt wurde Carmenza im Haushalt des Arztes nicht. Sie wurde als Negerin und Nichtsnutz beschimpft. Im fünften Monat schwanger eskalierte die Situation und Carmenza landete wieder auf der Straße.

Hier fand sie ihr ehemaliger Freund und Vater des ungeborenen Kindes. Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung. Pedro schlug brutal auf die schwangere Carmenza ein. Schwer verletzt, mit einer großen blutenden Platzwunde auf der Stirn und einigen Prellungen blieb das schwangere Mädchen auf der Straße liegen, während Pedro aus Angst vor der Polizei flüchtete.
Carmenza konnte sich aufrappeln und ihre Wunden selber versorgen. Eine große Narbe auf der Stirn ist geblieben und erinnert an das Vergangene

Einige Tage später suchte sie Hilfe in einer Polizeistation. Die Polizisten wollten helfen und suchten einen Platz für die Schwangere in einem Mädchen Heim.
Die Bemühungen gestalteten sich allerdings als sehr schwierig, jedes angefragte Heim war belegt und keiner hatte einen Platz frei für Carmenza. Schließlich nahm eine im Zentrum von Bogota gelegene Stiftung für schwangere Mädchen Carmenza auf.

Das Heim „Esperanza de Vivir“ – „Lebenshoffnung“ — bietet Platz für 16 Mädchen, betreut von 3 Mitarbeiterinnen. Für Carmenza war die Aufnahme in diesem Heim eine 180 Grad Wendung in ihrem bisherigen Leben. Zum ersten Mal in den letzten Jahren erhielt sie Zuwendung ohne Hintergedanken. In den anderen Heimbewohnern fand sie Freundinnen in ähnlicher Lage, im Gespräch mit den anderen Bewohnern und den Betreuern konnte sie sich austauschen.

Die Schwangerschaft war jetzt nicht länger ein großes Problem, das die Angst vor Arbeitslosigkeit, Schläge des Ex-Freundes und Zukunftsorgen mit sich brachte. Carmenza merkte, dass die Schwangerschaft auch die Chance auf ein neues Leben bot, Perspektiven mit sich bringt und Carmenza lernte zum ersten Mal das Gefühl der Freude auf das erwartete Baby kennen. Ziele und Werte, die „Esperanza de Vivir“ den jungen Müttern mitgeben möchte.

Nach der Geburt konnte Carmenza noch 6 Monate im Haus der Stiftung bleiben, in dieser Zeit schafften es die Mitarbeiter von „Esperanza de Vivir“ eine Arbeitsstelle als Hausangestellte und eine Wohnung bei einer Familie, die sie gut behandelt, zu finden. Heute, erzählt Carmenza mit einem Lachen, lebe sie mit ihrem mittlerweile 2 Jahre alten Sohn Jason ein Leben, das sich grundlegend von ihrem Vorigen unterscheide. Ihr neues Leben ist zwar auch weit von einem Leben im Wohlstand entfernt, aber sie lebt mit ihrem Sohn, hat eine Arbeitsstelle, bei der sie bezahlt wird, außerdem hat sie das Studium begonnen, wegen dem sie ursprünglich nach Bogota gekommen war. Das wichtigste aber ist: Carmenza ist nicht mehr auf fremde Hilfe mit zweideutigem Hintergrund angewiesen.

Noch immer hat Carmenza Kontakt zu den Mitarbeitern von „Esperanza de Vivir“ und einige ehemalige Bewohner sind ihre Freunde geworden.

Das viventura Büro Bogota unterstützt „Esperanza de Vivir“ in vielfältiger Weise, ebenfalls ist es möglich Freiwilligen Dienste in dieser Stiftung zu absolvieren. Weitere Infos unter : www.viventura.de/mailer.php?viMemberID=-160

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