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Dia del Mar in Bolivien: Unsere Sehnsucht nach Meer

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„Ans Meer, ans Meer, ans Meer … denn bald kehrt Bolivien zurück ans Meer, ans Meer. Antofagasta!“ So sangen alle Kinder und Jugendlichen auch an diesem 23. März im Chor, am „Dia del Mar“ – dem Tag des Meeres, an dem wir Bolivianer uns daran erinnern, wie wir einst unseren Zugang zum Pazifischen Ozean verloren haben.

Der 23. März ist ein wichtiger Termin im bolivianischen Kalender, denn die Geschichte erinnert uns daran, wie einige Menschen mutig bei der Verteidigung unseres Staatsgebietes ihr Leben verloren. Und obwohl die „Guerra del Pacifico“, der Pazifische Krieg, unser Los als Binnenland besiegelte, haben wir Bolivianer nie die Hoffnung aufgegeben, zu unseren Stränden zurückzukehren.

Jedes Jahr gedenkt die bolivianische Bevölkerung dem Beginn des Krieges zwischen Bolivien, Chile und Peru, einem Krieg in dessen Verlauf Bolivien die Pazifikküste zwischen dem Fluss Loa im Norden bis zum Taltal-Fluss im Süden und die dazwischen befindlichen Orte Tocopilla, Cobija, Mejillones, Antofagasta, Calama, Caracoles und einen Teil der Atacama-Wüste an Chile verlor. Bolivien wurde ein eingeschlossenes Land, ohne Seehäfen in der Mitte des Kontinentes liegend.

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Die Gedenkfeiern zum „Dia del Mar“ sind bunt und vielfältig. Die gesamte Bevölkerung nimmt daran teil. Am auffallendsten sind die landesweiten Paraden und Defilées sämtlicher Schüler des Landes.

Der Pazifische Krieg fand zwischen dem 14. Februar 1879 und dem 26. Mai 1880 statt. Es wurde jedoch der 23. März als Gedenktag festgehalten zu Ehren des Todes von Don Eduardo Abaroa, eines der Helden dieses Krieges, welcher lieber starb als sich zu ergeben. Er sagte den hierzulande berühmten Satz: „Ich soll mich ergeben? Das soll eure Großmutter tun!“ gefolgt von einem ebenfalls hier berühmten Kraftausdruck, den wir lieber nicht wiedergeben. 😉

Jeden 23. März, früh am Morgen, füllen sich Boliviens Straßen mit Mädchen und Jungen in blitzsauberen, perfekt sitzenden Schuluniformen. Sie tragen hunderte blaue Fahnen, Wimpel und Abzeichen, die das bolivianische Meer symbolisieren. Staatsbeamte führen die Paraden an.

In La Paz finden die Feierlichkeiten auf der Plaza Abaroa statt, benannt nach ebenjenem Helden. Die umliegenden Straßenzüge sind voll von Schulkindern und Angestellten der staatlichen Institutionen. Die Staatsoberen beginnen mit einer feierlichen Messe zu Ehren der Seelen der im Krieg Gefallenen, danach versammeln sich Autoritäten und Schüler an der Plaza Abaroa und zum Klang der Musikkapellen startet die Gedenkfeier. Als erstes spricht der Präsident, gefolgt von einer langen Liste an Rednern die alle ihre Reden mit dem tiefen und immer wiederholten Wunsch überladen, an den von den Chilenen eroberten Küstenstreifen zurückzukehren. Alle Redner gebrauchen den in Bolivien berühmten Satz: „Das Meer gehört uns von Rechts wegen, es zurückzuerlangen ist eine Pflicht“. Jahr für Jahr sorgen diese Worte dafür, dass die Zeit die kollektive Sehnsucht nach dem Meer nicht auslöscht.

Diese von außen betrachtet bizarren Reden erreichen natürlich am eigentlichen Ziel gemessen wenig. Der Zugang zum Pazifik dürfte durch ein Paar tief empfundene Worte kaum wiederhergestellt werden. Eher werden durch diese Reden die noch naiven Herzen unserer Kinder mit Ehrfurcht vor nationalen Märtyrern, nationaler Hingabe und einem unterschwelligen Verlustgefühl gefüllt.

Ein weiterer Nebeneffekt des „Dia del Mar“: Die Anwohner rund um um die Plaza Abaroa können sich darüber freuen, dass Bezirks- und Stadverwaltung ab Anfang März ihre Gebäude und Straßen regelmäßig herausputzen, um sie zum 23. März vorzeigbar zu haben. Der Rest der Stadt kommt viel zu selten in diesen Genuss.

Bolivianische Politiker haben unzählige Male versucht, Abkommen zu schließen, die uns wieder ungehinderten Zugang zu unserer ehemaligen Küste gewähren sollen. Diese Ansinnen sind seitens der Chilenen bisher noch immer zurückgewiesen worden. Viele bolivianische Regierungen haben die Gespräche mit unserem Nachbarland zu vertiefen gesucht. Sogar Erdgaslieferungen oder die Bewässerung der Atacama-Wüste sollten gegen Küstenstützpunkte eingetauscht werden. Einziger Lichtblick bisher: die Organisation der „Gemeinschaft Amerikanischer Staaten“ hat 1979 offiziell anerkannt, dass Boliviens maritimer Konflikt mit Chile den gesamten amerikanischen Kontinent angeht und nicht nur die Bolivianer.

Sobald die letzten Politikerworte verklungen sind, marschieren die Schulkinder an der Rednertribüne und dem kranzgeschmückten Denkmal Eduardo Abaroas vorbei. Eine Armeekapelle spielt währenddessen pathetische Hymnen und Marschmusik.

Warum bloß ist der Verlust des Meers in den Gedanken der Bolivianer auch 128 Jahre nach Kriegsende noch so präsent? Natürlich trauern wir den Reichtümern an Rohstoffen wie Guano, Silber und Kupfer nach, die heute Chile nutzt. Aber vor allem ist in unserem kollektiven Bewusstsein die Vorstellung verankert, dass uns mit dem Zugang zu Seehäfen auch eine entscheidende Entwicklungsalternative vorenthalten wurde, die unser Nachbarland Chile reich machte. Bolivianische Exportware kann heutzutage nur im schwer erreichbaren Hafen von Arica eingeschifft werden. Der Verlust des Meers ist damit eine hervorragende politische und gesellschaftliche Projektionsfläche für alle Unbill eines der ärmsten Länder Südamerikas.

Obwohl wir bis jetzt nur wenige Schritte zum Meer gemacht haben: Wir hoffen unverwandt weiter, dass wir eines Tages wieder bolivianischen Meeressand unter den Füßen spüren können!

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Der Autor:

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