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Homosexuelle in Chile: Wahre Zauberer

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Graciela Carrasco Berríos wurde auf dem Weg zur ihrer Arbeit im Stadteil Maipu, Santiago de Chile, grausam zusammengeschlagen. Die 54jährige erlitt einen Schädelbruch und erlag später ihren Verletzungen. Ihr einziges Vergehen – sie war transsexuell und lebte von der Prostitution.

Die Situation sexueller Minderheiten in Chile ist prekär und Homosexualität ein Tabuthema. Der Hass auf Homosexuelle oder Transsexuelle ist auch im 21. Jahrhundert gesellschaftlich tief verankert. Allein in den letzten Wochen starben in Chile zwei Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung. Ein Ende des Kampfes um Gleichberechtigung ist nicht in Sicht.

Bei einer Veranstaltung der hiesigen Universität treffe ich Rolando Jiménez, Präsident der Organisation Movilh („Movimento de Integración y Liberación Homosexual“ – Bewegung zur Integration und Befreiung Homosexueller), die sich für die Rechte sexueller Minderheiten in Chile einsetzt. Rolando kannte Graciela persönlich: „Wie viele Transsexuelle versuchte Graciela schon lange, sich aus dem gefährlichen Metier der Prostitution zu befreien. Aber die in Chile grassierenden Vorurteile und ‚Transphobie‘ erschwerten auch ihr die Suche nach einem sicheren Arbeitsplatz.“

Graciela nahm an zwei Programmen teil, die von Movilh angeboten werden. Eines davon soll die (Re-)Integration in die Arbeitswelt erleichtern, das andere war ein Kurs zur Drogenprävention.

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Movilh gibt es seit 15 Jahren. Die Organisation unterstützt verschiedene gesellschaftliche Randgruppen wie zum Beispiel die indigene Bevölkerung Chiles (Mapuche), Immigrantinnen aus Peru und Bolivien, körperlich und geistig Behinderte oder Personen mit HIV. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt aber darin, sich für die Rechte und gegen die alltägliche Diskriminierung sexueller Minderheiten in Chile einzusetzen.

So sagt Rolando Jiménez weiter: „Wir von Movilh empfinden allertiefste Trauer über diesen unmenschlichen Tod einer Person. Weil sie transsexuell war und damit gezwungen, sich im gefährlichen Milieu der Prositution den Lebensunterhalt zu verdienen, hatte Graciela nicht einmal das Recht auf etwas so Grundlegendes wie das eigene Leben.“

Vielen Transsexuellen bleibt keine andere Möglichkeit als sich zu prostituieren, um überleben zu können. Doch das Leben der Prostituierten Santiagos ist wie fast überall auf der Welt geprägt von Gewalt und Drogenmissbrauch. Einige von ihnen versuchen sich in Gewerkschaften zu organisieren. Staatliche Anerkennung soll ihnen zu medizinischer Versorgung und sozialer Absicherung verhelfen. Dieses Ziel verfolgen sie gemeinsam mit Movilh: Transsexuelle sollen ein normales Arbeitsverhältnis eingehen können und nicht nur politisch sondern auch gesellschaftlich akzeptiert werden.

Karin Avaria, auch sie eine Movilh-Aktivistin, erklärt mir: „Unser großes Ziel ist ein Gesetz, das uns erlaubt den Namen und auch das Geschlecht zu wechseln, sowie es seit kurzem in Spanien legal ist. Hier in Chile scheint das ein ferner Traum.“ Karin ist selbst transsexuell und erzählt aus eigener Erfahrung: „Zum Arzt zu gehen ist jedes Mal ein Alptraum. Selbst unter den Medizinern gibt es kaum kompetente Leute. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht, wenn sie deinen Namen aufrufen, wie er im Ausweis steht, dich dann erst mit großen Augen und danach mit Abscheu ansehen.“

Aber es gibt inzwischen auch viel Positives aus der Arbeit von Movilh zu berichten, erzählt Karin. In den 15 Jahren seit die Organisation existiert, ist die Homosexualität in Chile zumindest ein öffentliches Thema geworden. Bei der letzten Gay-Parade („orgullo gay“), die jedes Jahr auch von Movilh mitorganisiert wird, gab es mehr als 10.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Movilh steht in Kontakt mit vielen anderen Organisationen in Lateinamerika und Spanien, die ähnliche Forderungen und Ziele verfolgen. Die Aktivisten können sich austauschen und unterstützen sich im gemeinsamen Kampf.

So erzählt Karin voller Stolz vom Besuch Pablo A. Canteros, einem Mitglied der spanischen „Fundación Triángulo Extremadura“ (FTE). FTE organisiert ein weltweites Netzwerk von Organisationen, die sich für die Rechte sexueller Minderheiten einsetzen. Karin strahlt, als sie erzählt, wie Pablo die Arbeit von Movilh lobte: „Ihr seid wahre Zauberer, dass ihr unter diesen Umständen und mit den wenigen Mitteln eine so immense Arbeit leistet.“

Leider ist die Unterstützung des chilenischen Staats tatsächlich sehr gering. Movilh haben zwar letztes Jahr für ihre Arbeit eine Auszeichnung des „Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen“ (PNUD) bekommen. Den chilenischen Staat hat das jedoch nicht beeindruckt. Zusätzliche Gelder für Movilh gab es bisher nicht.

Glücklicherweise scheut sich Rolando Jiménez trotzdem nicht davor, öffentliche Amtsträger auf den Schlips zu treten und weiter unnachgiebig seine Forderungen zu stellen. Wenn ich mir diesen kleinen, energiegeladenen Mann so anschaue, glaube ich gern, wenn Karin zuversichtlich behauptet: „Rolando wird nicht eher sterben, bis er ohne belästigt zu werden durch die Straßen Santiagos gehen kann.“

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