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Mit Tirolerhut in die Tropenglut

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Schweinshaxe, Semmelknödel und Sauerkraut mitten im peruanischen Dschungel? Das kann doch nicht sein! Stadtteile, die Tirol und Prusia (Preußen) heißen, ist das möglich? Ja, das gibt es: Ein Tiroler Dorf nördlich von Lima, eingebettet im Dschungel zwischen Bananen- und Orangenplantagen. Wie ist dieses Dorf entstanden? Wie wurde aus Tiroler Apfelstrudel ein peruanischer Bananenstrudel?

Alles begann im Jahre 1857. Eine Wirtschaftskrise in Europa führte zur Massenemigration. Und da zu dieser Zeit in Peru helfende Hände beim Bau einer Bahnstrecke von Lima an den Amazonas benötigt wurden, machten sich im März 1857 etwa 200 mutige Tiroler aus dem Oberinntal auf, um ihr Glück im Land der Inkas zu suchen. In Augsburg schlossen sich der Gruppe weitere 100 deutsche Auswanderer an und zusammen gingen sie am 30. März 1857 in Antwerpen an Bord eines Frachtseglers. Die Gruppe wurde seelisch und moralisch von einem Tiroler Priester zusammengehalten sowie von dem gemeinsamen Wunsch auf eine bessere Zukunft in Peru. Die Überfahrt im Frachtraum war hart und anstrengend. Auf der Seefahrt erblickten drei Kinder das Licht der Welt und sieben Personen starben aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen.

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Nach 4 Monaten erreichte das Schiff endlich den Hafen von Callao in Peru. Der großen Freude, endlich angekommen zu sein, folgte zugleich eine bittere Enttäuschung. Der von der peruanischen Regierung zugesicherte Weg, der die Einwanderer in ihre neue Heimat Pozuzo führen sollte, war noch nicht gebaut. Die Gruppe beschloss sich selbst den Weg in ihre Kolonie zu bahnen und etappenweise kämpften sie sich durch bis dato unerforschte Gebiete. Die ungewohnte Höhe der Anden, mangelnde Ernährung und die große Erschöpfung verlangsamten die Reise und kostete vielen, besonders Männern, das Leben.

Im Frühsommer 1859 – genau 2 Jahre nachdem sie Tirol und Deutschland verlassen hatte – erreichten nur 160 der 300 Auswanderer die Kolonie Pozuzo, darunter zahlreiche Witwen mit Kindern. In den ersten Jahren nach der Ankunft bauten sie Häuser, rodeten Urwald, bauten Obst an und errichteten natürlich eine Kirche. Etwa 10 Jahre später begrüßten die Pozuzo-Tiroler eine weitere Einwanderungsgruppe aus ihrer alten Heimat.

Ich frage mich, was mit der versprochenen Straße passiert ist? Gerne gibt mir Herr Franz Wurnig, Vorstand des österreichischen Vereins „Freundeskreis für Pozuzo“ Auskunft auf all meine Fragen. Die Straße nach Pozuzo wurde erst im Jahre 1976 errichtet (oh mein Gott, das sind 119 Jahre zu spät!). Oftmals ist sie in der Regenzeit zwischen November bis April bis heute noch immer nicht befahrbar. Jetzt wird mir klar, warum der Tiroler Dialekt „Tiroles“, die deutsche Küche sowie Traditionen und Bräuche aus der alten Heimat nun schon die 5te Generation überlebt haben: 119 Jahre Abgeschiedenheit!

Heute baut die Gemeinde Pozuzo neben der Viehzucht auf den Tourismus, Übernachtungsmöglichkeiten wie das Hostal „Tirol“ oder die Albergue „Frau Maria Egg“ laden Individualtouristen zum Verweilen ein und zaubern mir ein Schmunzeln auf’s Gesicht. Herr Wurnig erzählt mir, dass urtypische Tiroler Holzhäuser, der Glaube an den Osterhasen und blonde Haare keine Seltenheit in Pozuzo sind. Trachtenumzüge mit Dirndl und Lederhose werden hier von der peruanischen Fahne angeführt und Salsamusik mischt sich ganz selbstverständlich mit den Klängen der Tiroler Blasmusik. Jaja, Pozuzo hat eben sein ganz eigenes Flair!

Seit 1996 wird in den Kindergärten und Schulen wieder Deutsch unterrichtet und eine Reise, zum 150. Jahrestag, in die tiroler Heimat, entfachte bei vielen jungen „Pozuzinern“ den Wunsch, selbst den „Tiroles“-Dialekt, der fast nur noch von den älteren Bewohnern gesprochen wird, zu erlernen. Der Besuch in Österreich war für die 30 „Heimkehrer“ laut Wurnig, ein unvergessliches Erlebnis und sehr bewegend.

Trotz der großen Freundschaft und Zusammenarbeit mit den österreichischen Partnergemeinden Silz und Haiming fühlen sich die Leute aus Pozuzo sehr stark mit ihrer neuen Heimat Peru und dem Regenwald verbunden. Niemand möchte für immer nach Europa zurück gehen.

Pünktlich zum Kolonistentag nächsten Juli werde ich mich daher der 17-stündigen Fahrt von Lima nach Pozuzo tapfer stellen und mich ausgerüstet mit einem Tirolerhut in die Tropenglut und das Abenteuer Amazonas stürzen.

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2 Antworten auf “Mit Tirolerhut in die Tropenglut”

  1. Johannes Lex sagt:

    Warum gibt es keine gültige Internetseite(Pozuzo.at) mit Tip`s wie man dort hinkommt,ich würde gerne dort Urlaub machen.

  2. Walther sagt:

    diese Seite hat es ursprünglich gegeben.
    Versuch es unter Propozuzo.??? am besten googeln
    DAs „Hinkommen“ ist nicht so kopliziert. Von Lima über den Tikliopass nach La Merced. Von dort aus mit einem Kleinbuss nach Oxapampa. Dann sind es noch ca 90km nach Pozuzo (Ebenso mit Kleinbussen möglich)
    Von Pozuzo aus gibt es tolle Touren durch den Urwald. Führer erforderlich.
    Schönen Gruß
    Walther

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Der Autor:

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