Südamerika Reisen mit viventura
030 6167558-0

wochentags 9-22 Uhr
Sprechen Sie mit einem Spezialisten

Peru: Kondome per Taxi

0 Flares 0 Flares ×

Walter betrachtet seine Kundschaft vor allem durch den kleinen viereckigen Rückspiegel seines bereits ziemlich klapprigen Fiat. Er ist einer von tausenden Taxifahrern in Arequipa. Einer dessen Gesicht sich kaum einer merkt, obwohl sie sich täglich in seine Obhut begeben. Die meisten Menschen betrachten Walter misstrauisch: Ist er ein ehrlicher Taxifahrer oder wird er mich in einen dunklen Stadtteil fahren und mir meine Geldbörse stehlen oder gar Schlimmeres noch? Diese Frage stelle ich mir nicht. Denn für mich ist Walter neben Taxifahrer vor allem Vater zweier unserer Patenkinder. Ich weiß wie er lebt und wie er denkt. Ich vertraue ihm, keine Frage!

Hier geht’s weiter:

Walter ist seit vielen Jahren Taxifahrer. Sein Auto ernährt ihn und seine zwei Kinder. Montag bis Samstag, und immer wieder auch Sonntags, durchquert er 12 bis 15 Stunden täglich die Stadt. Walter verdient durchschnittlich 3 Soles pro Fahrt, umgerechnet 75 Eurocent. Da muss er schon einige Kunden durch die Stadt kutschieren, bis er die 26 Soles für das Auto und dann auch noch das Benzin bezahlt hat. Oft benötigt er drei Tage um die Miete hereinzufahren und nur durch Überstunden am Wochenende verdient er genug, um leben zu können. Walter ist einer der vielen Taxifahrer, die zwar als „selbständige“ Kleinstunternehmer volles Geschäftsrisiko tragen, aber von Autovermietern und Funkzentrale abhängig sind.

Die Situation der Taxifahrer war laut Walter nicht immer so drastisch. Vor 15 Jahren standen öfter winkende Passanten am Rand der Plaza de Armas, die vergeblich nach einem Taxi Ausschau hielten. Heute winken die vielen Taxifahrer, um einen der wenigen Kunden auf sich aufmerksam zu machen.

Ein Grund für den enorm gewachsenen Konkurrenzdruck ist die Privatisierungspolitik Fujimoris. Zwischen 1990 und 2000 verloren zahlreiche Staatsdiener ihre Arbeitsplätze. Anders als in vielen europäischen Ländern ist die Taxibranche in Peru nicht reguliert. Taxifahrer kann jeder werden. Glücklich, wer sich von seinem Ersparten ein kleines Taxi kaufen kann. Schlechter sieht es aus für Menschen wie Walter, die sich nur eins von den großen Firmen mieten können.

Die Zahl der gelben Taxis steigt ständig an, die Preise für eine Fahrt verfallen. Das Taximeter hat in Arequipa allenfalls noch historischen Wert. Keiner kann die Preise, die die kleine Maschine vorgibt, am Markt durchsetzen. Heute gibt es in Arequipa ungefähr 2500 Taxifahrer, die für über 170 verschiedene Firmen arbeiten. Oft habe ich Angst, das kleine Auto zerfällt gleich in seine Einzelteile. Der Motor rasselt, spuckt und knallt. Die Stoßdämpfer haben längst ihre Federkraft verloren.

Manchmal allerdings sitze ich in einem modernen weißen VW mit Ledersitzen, CD-Player und elektrischen Fensterhebern. Walter ist ein alter Fuchs im Taxigewerbe. Er erklärt mir, weshalb die Unterschiede zwischen den Taxifirmen so groß sind.

Erstens ist Taxifahren immer Vertrauenssache. Ich weiß, wovon ich rede. Ich schaue mir die kleinen bunten Leuchtschilder auf den Taxis selbst ganz genau an, bevor ich einsteige. Nur wenn dort „Taxi Turismo“ oder „Taxi Verde“ steht, vertraue ich mich den Fahrern an. Selbst wenn eine ganze Schlange anderer Taxis wartet und mich die Fahrer vertrauensvoll anzwinkern, warte ich immer, bis das richtige Unternehmen vorfährt. Ab und zu kommt es nämlich leider vor, dass wenige „schwarze Schafe“ im Taxigewerbe nichtsahnende Kunden in ein „falsches“ Taxi locken und ausrauben. Inzwischen kopieren Kriminelle leider sogar die Leuchtschilder der „großen“ Firmen. In Walters Taxi würde ich, kennte ich ihn nicht, wohl nicht einsteigen. Und das obwohl er und die ganz große Mehrheit seiner Kollegen, absolut vertrauenswürdig sind. Es ist sehr schade, dass wenige Kriminelle vielen ganz „normalen“ Vamilienvätern die Lebensgrundlage rauben.

Ein zweiter Grund für die großen Unterschiede sind, wie so oft in Südamerika und überall auf der Welt, die guten Beziehungen. Das historische Zentrum Arequipas wird von zwei Firmen dominiert, die von vielen Geschäften und Restaurants empfohlen werden. Denn nur Touristen und reichere Arequipenos können sich einen Besuch in einem der schickeren Restaurants leisten. Sie zahlen gut, sind aber ganz besonders verunsichert von allerlei Schauergeschichten.

Walters Schicksal wiederum hängt an dem kleinen Gerät, das in seinem Wagen knarzt und rattert. An eine Funkzentrale sind nämlich nur ganz wenige seiner Konkurrenten angeschlossen. Das Funkgerät bietet den Zugang zu einem ganz anderen Markt, in dem winkende Passanten und zwinkernde Taxifahrer nicht vorkommen.

Neben den per Funk vermittelten Fahrten, erhält Walter von der Zentrale ab und zu auch ganz besondere Missionen. Die Frau von der Telefonzentrale erzählt mir, was die Arequipenos für den Standardtarif von 3 Soles alles bestellen. Anrufer bestellen Kondome und bitten um Diskretion. Denn nicht immer ist die Destination das eheliche Schlafzimmer. Einmal bat ein Mann sogar darum, seine Frau beschatten zu lassen. Bisher hatte ich mich ob des dekadenten Luxus immer ein wenig geschämt, wenn ich abends faul war und mir per Taxi einen Döner Kebap bestellt habe. Aber die Taxiunternehmen freut es: Alles was ein zusätzliches Geschäft und einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz bedeutet, wird für die Kunden erledigt. In Europa würde man so etwas vielleicht neudeutsch „Mobilitätsdienstleistungen aller Art“ nennen. Was Walter wohl schon alles für seine Kunden gemacht hat? Das verrät er mir nicht. Diskretion ist wichtig im Geschäft.

Auf dem kleinen Schild über der Sonnenblende steht diesmal „José“. Gerade bin ich wieder in ein „Taxi Turismo“ eingestiegen und José betrachtet mich durch den Rückspiegel. Ich frage ihn, ob er denn aus Arequipa komme. Er lächelt und freut sich sichtlich über mein Interesse. Es kommt selten vor, dass Kunden ihren Fahrern vertrauen.

Share Button

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Viventura Reisen

viventura
viventura ist dein Spezialist für Rundreisen in Südamerika und bietet innovative Abenteuerreisen zu einem top Preis-Leistungs-Verhältnis. Dank einem Direktvertrieb und den exklusiven Büros vor ... weiterlesen

Folgen Sie uns!

Suche

Unsere bestbewertete Reise:

Peru Ecuador Galapagos

Tweets von @viventura_de

viExplorer

Peru Bolivien Chile

24 Tage, inkl. Flüge
3 Länder, Machu Picchu & Salzwüste
  • 3 Metropolen: Lima, La Paz, Santiago
  • Auf Inkapfaden nach Machu Picchu
  • Übernachtung bei Bauern am Titicacasee
  • Uyuni: Die größte Salzwüste der Erde

ab 4099 EUR