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„2-Zimmer Wohnung in guter und sicherer Lage zu vermieten“ so lautete die Anzeige in der Lokalzeitung. Klar, dass sie keinen Preis dazu geschrieben haben, dachte ich mir, nachdem ich bei der angegebenen Telefonnummer angerufen hatte. Die Wohnung lag zwar wirklich gut, war aber viel zu teuer. Doch wenn man relativ zentral und in einer sicheren Gegend in Arequipa wohnen möchte, muss man soviel Geld bezahlen. Pro Quadratmeter werden ca. 5 bis 10 US-Dollar verlangt, was für die Lebensverhältnisse hier ziemlich viel ist. Wer sich dies nicht leisten kann muss sich mit einer Unterkunft weiter außerhalb zufrieden geben. Denn je weiter man sich vom Stadtkern entfernt, desto günstiger werden die Grundstücke und Mietpreise, aber desto schlechter und gefährlicher werden auch die Wohngegenden.

Ganz außerhalb um die Stadt herum liegen die sogenannten „Pueblos Jóvenes“, die Jungen Dörfer. Die meisten von ihnen gibt es tatsächlich noch nicht so lange, so dass sie auf den Stadtplänen noch gar nicht aufgezeichnet sind. Und ständig kommen neue Pueblos dazu. Der Grund hierfür ist die anhaltende Landflucht der Bevölkerung, die aus dem Hochland in die Städte strömt, vor allem nach Lima und Arequipa.

Die Pueblos Jóvenes entstehen ganz einfach und schnell, erklärt mir Romy, die selbst in einem solchen Pueblo Jóven am Stadtrand von Arequipa lebt. Zunächst formt sich eine Gruppe um einen selbsternannten Präsidenten, der sich bereits ein Territorium ausgeguckt hat, auf dem man Grundstücke errichten kann. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion werden dann auf diesem Gelände mit Steinen die Grundstücke und Straßen markiert. Anschließend heißt es Warten. Laut Gesetz wird einem das Grundstück, das man markiert und auf dem man sich niedergelassen hat, nach zehn Jahren zugesprochen, wenn sich in dieser Zeit niemand meldet und rechtmäßigen Anspruch auf das Territorium erhebt.

Dies ist die günstigste und am meisten praktizierte Variante, sich ein Grundstück anzueignen. Deshalb findet man überall außerhalb von Arequipa und anderen großen Städten mitten im Nichts verlassene, mit Steinen markierte Felder, die die Stadtplanung dieses neuen Pueblo Jóven erkennen lassen.

Einfach nur abzuwarten, dass zehn Jahre vergehen, und zu hoffen, dass keiner das Gebiet für sich beansprucht, birgt natürlich ein großes Risiko. Das hat Romy am eigenen Leib erfahren müssen. Ihr Mann arbeitet in einem Steinbruch, in dem der berühmte weiße Stein Arequipas, der Sillar, abgebaut wird. Auch er und seine Kollegen sind sogenannte „Invasores“, wie die Leute hier genannt werden, die sich eines Nachts in dem Steinbruch niedergelassen und angefangen haben, ihn zu bearbeiten. Vor einiger Zeit haben sich nun Personen zu Wort gemeldet, die Anspruch auf das Gebiet angrenzend an den Steinbuch erheben. Dieses steht ihnen auch rechtmäßig zu, da sie es bereits bei der Stadtverwaltung als Eigentum eintragen haben. Da sich der Steinbruch durch weiteren Abbau des Sillars vergrößern und somit die Grundstücke der rechtmäßigen Eigentümer gefährden würde, bleibt den Arbeitern nichts anderes übrig, als „ihren“ Steinbruch zu verlassen und einen Neuen zu suchen, in dem sie ihre Arbeit fortsetzen können. Das ist nicht ganz einfach, denn ein anderer Steinbruch wäre sehr weit entfernt und keiner von ihnen hat ein Auto, um jeden Tag dorthin zur Arbeit zu fahren. Außerdem besitzt der neue Steinbruch noch keinen Zugangsweg für LKWs, damit diese die Sillar-Blöcke abtransportieren können. Diesen anzulegen dauert ungefähr ein Jahr. Da in dieser Zeit im Steinbruch nicht gearbeitet werden kann bleibt das Gehalt für die Familien aus.

Eine sichere Alternative, sich ein Grundstück anzueignen, ist daher, es direkt nach der Markierung offiziell als Eigentum eintragen zu lassen. Dafür gibt es die staatliche Kommission COFOPRI (Comisión de Formalización de la Propiedad Informal), die die bürokratischen Schritte für die Invasores erleichtert, so dass ihnen rechtmäßig das Gebiet zugesprochen wird. Diese weniger risikoreiche Alternative ist natürlich auch wesentlich kostspieliger. Romys und alle anderen Familien der Steinbruch-Arbeiter versuchen gerade, genug Geld aufzutreiben, um den neuen Steinbruch als Eigentum eintragen zu lassen, damit sie nicht noch einmal vertrieben werden können. Doch die insgesamt 5000 US-Dollar sind sehr viel Geld für die Familien.

Doch es sind nicht nur Leute aus dem peruanischen Hochland, die herrenlose Gebiete markieren und sich dort niederlassen. Auch viele Bewohner der Städte haben dies als lukratives Geschäft entdeckt und betätigen sich nebenberuflich als „Invasor“. Man muss nur wissen, wo als nächstes ein Territorium markiert werden soll und sich dann an den jeweiligen Präsidenten wenden. Gegen eine Aufwandsentschädigung erledigt dieser für die ganze Gruppe dann den Gang zur COFOPRI und alle anderen bürokratischen Hürden. Sobald das Grundstück in Privatbesitz übergegangen ist, kann man es verkaufen – und die Nachfrage ist groß! Für ein ganz normales, unbebautes Grundstück von ca. 250 Quadratmeter kann man cirka 190 Euro verlangen. Als Eigentümer eines Grundstücks hat man das Recht auf eine Grundinfrastruktur, wie zum Beispiel Strom, Wasser und Zugangswege. Je nachdem, wie engagiert der Präsident ist, können sogar schon innerhalb eines Jahres Stromkabel verlegt werden. Wartet man mit dem Verkauf also ein bisschen, kann man das gleiche Grundstück bereits zum 10-fachen Preis verkaufen. Ein einfaches Geschäft also, das sich lohnt und das deshalb immer häufiger und von immer mehr Personen praktiziert wird.

Allerdings geht die Geldgier bei manchen Menschen leider soweit, dass sie Grundstücke verkaufen, die bereits einen privaten Eigentümer haben. Der bekannteste Fall dieser Art ist der Markt Santa Anita in Lima – ein Drama, das die peruanischen Medien über Jahre beschäftigte. Der Marktplatz war für jeden zugänglich, der Produkte verkaufen wollte. Die Stadtverwaltung plante jedoch, aus dem Marktplatz einen Markt mit befestigten Marktständen zu machen und verkaufte das Areal an die Firma EMMSA (Empresa Municipal de Mercados Mayoristas). Im November 2002 begann Herminio Porras als selbsternannter Präsident einer Gruppe von ca. 1000 Personen, Grundstücke an diese zu verteilen für eine Gebühr von 5 Soles (ca. 1,25 Euro), die er dafür nutzen wollte, um die Marktstände registrieren zu lassen. Im guten Glauben begannen die Leute, Marktstände zu errichten und es entwickelte sich ein Machtkampf zwischen diesen Invasores, der Stadtverwaltung Limas sowie der Firma EMMSA. Da das Gebiet bereits einen Eigentümer, nämlich EMMSA hatte, hätte Porras dieses gar nicht verkaufen dürfen. Er wurde deswegen angeklagt. Die unrechtmäßigen Standbesitzer sollten den Markt verlassen, weigerten sich aber, da sie sich im Recht fühlten und keine andere Alternative hatten. Die ganze Situation eskalierte soweit, dass sich im Mai die Invasores mit ihren Familien auf dem Markt verschanzten, so dass die Polizei diesen nicht räumen konnte. Auf Bitten des peruanischen Präsidenten Alan García und anderen Regierungsmitgliedern reagierten sie nicht und auch die Vermittlung eines Pastors zwischen den Parteien scheiterte. Am 28. Mai diesen Jahres wurde der Markt von insgesamt 6000 Polizisten friedlich und ohne Verletzte geräumt.

Ich schließe die Tür zu meiner Wohnung auf. Zentrale, sichere Lage, zwei Zimmer und Bad. Vielleicht nicht ganz billig, aber ich muss nicht jahrelang warten und es ist sofort meins!

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