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Peru: Wasser für alle?

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Neulich hörte ich einen Kunden aus einem der entlegenen Vororte Arequipas zu einem Verkäufer im Stadtzentrum sagen: „Euch Städtern schenkt die Regierung doch alles, sogar Wasser, Licht und Essen.“

Seid ihr erstaunt? Ist es nicht so, dass mitteleuropäische Stadtbewohner sich daran gewöhnt haben, dass in der Stadt alles etwas teurer ist als auf dem Land? Nicht so in Peru, zumindest nicht, wenn es um’s Wasser geht.

Hier gehts weiter:

Beatriz hat drei Kinder und lebt seit sieben Jahren in der „Ciudad de Dios“. Das ist einer jener „pueblos jovenes“ (etwa: junger Stadtteil) die sich weitgehend unkontrolliert um die peruanischen Städte herum ausbreiten und in denen vor allem die ärmere Bevölkerung wohnt.

„Sehen Sie junge Dame,“ sagt Beatriz zu mir, als ich ihr erzähle, dass meine Wasserrechnung für vier Personen zwei Euro im Monat kostet: „Das ist die Ungerechtigkeit in diesem Lande. Ich zahle für mich und meine drei Kinder etwa dreißig Euro, also fünfzehn Mal so viel. Und dabei ist das Wasser noch schmutzig!“ Das wiegt umso schwerer, als Beatriz etwa ein Drittel meines eigenen Gehalts zur Verfügung hat.

Während ich mein Wasser per Hausleitung bekomme, muss Beatriz ihr Wasser alle zwei Wochen von einer unweit gelegenen Filterstation kaufen. Das Wasser wird an die einzelnen Häuser verteilt, je nachdem wie viele Liter die Haushalte geordert haben. Beatriz kauft für sich und ihre Kinder jeweils 4 Kubikmeter Wasser ein und lagert es im eigenen Brunnen, wie sie mir stolz verkündet. Da der Brunnen nicht ganz dicht ist, versickern jedoch 20 Prozent des Wassers im Boden.

Beatriz klingt traurig, wenn sie darüber spricht, wie schwierig es ist, wenn das Wasser nicht nach Bedarf aus der Leitung kommt. Die Bewohner der Vororte, die nicht ans öffentliche Wassernetz angeschlossen sind, müssen sehr sparsam mit Wasser umgehen. Oft verwenden sie es mehrfach. Meist ist schon das Wasser von der Filterstation nicht sauber. Zusätzlich verschmutzt es im Brunnen. Je länger es dort liegt, desto trüber und ungenießbarer wird es. Schlimme Magen-/Darmkrankheiten oder andere Infektionen sind nicht selten eine Folge verschmutzten Wassers.

Die Bewohner der Vororte aller großen Städte Perus und ganz Südamerikas kennen das Wasserproblem. Aktuelle Zahlen belegen den Missstand: etwa 20 Prozent der städtischen Haushalte Perus sind nicht an ein öffentliches Wassernetz angeschlossen. Auf dem Land sind es sogar 70 Prozent aller Haushalte.

Im September 2006 verkündete Präsident Alan Garcia ein Programm mit dem passenden Namen „Wasser für alle“. Es soll langfristig allen Peruanern einen Zugang zu sauberen Wasser ermöglichen.

Das Programm umfasst insgesamt 270 Projekte. Die ersten Arbeiten wurden im Bezirk Carabayllo in Lima aufgenommen. Beatriz ist sich allerdings nicht sicher, ob sie dem Präsidenten trauen soll: „Seit sieben Jahren schon folgt ein Versprechen auf das Nächste.“. Dennoch bleibt sie optimistisch und hofft, dass nach Lima vielleicht auch die Vorstädte Arequipas von der Initiative profitieren werden.

Realistisch betrachtet ist die Situation von Beatriz noch luxuriös im Vergleich zu der Situation weitab der Städte. Dort gibt es noch nicht einmal einen Tankwagen. Teilweise müssen Menschen bis zu einer Stunde zu Fuß gehen, um zur nächsten Wasserstelle zu gelangen.

Um mir einen Eindruck zu verschaffen, spreche ich mit Carmen, einer jungen Zwanzigjährigen aus der Gemeinde Chifron am Titicacasee, auf der Halbinsel Capachica. Sie hat vom Regierungsprojekt „Wasser für alle“ noch nie gehört. Als ich ihr davon erzähle, lächelt sie und sagt: „Das glaube ich erst, wenn ich es selbst sehe.“

Es ist kaum zu glauben, welche Mühe die Menschen aus Chifron mit ihrer Wasserversorgung haben, obwohl sie direkt am Titikakasee wohnen. Leider ist das Wasser dieses wunderschönen Sees nicht trinkbar.

Carmen und ihre Schwester Anita haben daher die Aufgabe, täglich das Wasser für die Familie von einer Quelle heran zu tragen. Sie meint, die 30 Minuten Gehzeit zur Quelle wären gut zu ertragen. Andere Familien hätten es nicht so gut und müssten täglich weite Strecken für Wasser zurücklegen. Jede der beiden jungen Frauen schleppt einen großen Eimer mit 16 Litern Wasser von der Quelle nach Hause. Der beschwerliche Rückweg geht einen von Eukalyptusbüschen gesäumten schmalen Pfad bergauf. Nicht wenige Frauen bekommen wegen der täglichen Plackerei früh Rückenprobleme. Zwar werden für den Wassertransport auch Esel benutzt. Die kostbaren Tiere werden aber meist auf den Feldern oder für noch schwerere Lasten eingesetzt.

Carmen berichtet mit einem schüchternen Lächeln, dass einmal eine Touristin ihr helfen wollte, das Wasser ein Stück weit für sie zu tragen. Nur ein paar Meter hätte sie es geschafft. Danach gab sie ganz außer Atem der Fünfzehnjährigen den Eimer zurück.

Das Wasser, das Carmen nach Hause schleppt, ist nicht sauber. Pflanzenteile und Lehm werden aus der trüben Flüssigkeit mühevoll mit feinen Tüchern herausgefiltert.

Im Nachbardorf von Chifron, in der Gemeinde Santa Maria, hat die Schlepperei dank der Unterstützung unserer Paten und vieler weiterer Spender seit 2005 ein Ende.

Die Bauarbeiten haben die Menschen selbst vorangebracht, das Material wurde von viSozial e.V. finanziert. Entsprechend einer alten Inkatradition namens „Ayni“ beteiligten sich alle 98 Familien reihum unentgeltlich und solidarisch am Gemeinschaftsprojekt. Jedes Familienmitglied, egal ob Mann, Frau oder Kind, arbeitete drei Monate für das Projekt.

Als nächstes soll nun die Gemeinde Chifron eine Wasserleitung bekommen. Carmen und Anita freuen sich schon sehr auf den Tag, an dem sie Wasser direkt zu Hause aus dem Hahn bekommen. Dank des erfolgreichen Projekts in Santa Maria wissen die beiden, dass das Versprechen „Wasser für alle“ für sie doch Realität werden kann. Sie werden es aus eigener Kraft schaffen.

In Chifron leben knapp 100 Familien. Dank unserer Paten und unserer Spender werden wir das Wasserprojekt in der Gemeinde dieses Jahr umsetzen. Falls auch du unsere Arbeit gut und richtig findest und uns unterstützen möchtest, freut uns das sehr. Deine Spende kannst du uns hier zukommen lassen.

Danke!

Ausführliche Informationen zu den Motiven, der Planung und der Umsetzung des Wasserprojektes findet ihr unter folgendem Link:
www.vilinks.net/cc39

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Der Autor:

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