Südamerika Reisen mit viventura
030 6167558-0

wochentags 9-22 Uhr
Sprechen Sie mit einem Spezialisten

Peru: Die Kunst der Straße

0 Flares 0 Flares ×

Ich streife über die Plaza de San Francisco, vorbei an Ständen übervoll mit Ohrringen, Armbändern, Ketten und Ringen – hier gibt es einfach alles was ein Frauenherz begehrt. Ich bewundere die vielfältigsten Farben, Formen und Materialien.

Kaufen will ich eigentlich nichts, nur schauen! Ich versuche, den Blick nicht zu lange auf einem Stück ruhen zu lassen. Ich weiß: Wenn die Verkäufer mich erst einmal ins Gespräch verwickeln, bin ich ein leichtes Opfer.

Zu spät! Der junge Typ mit langen schwarzen Haaren hat mich schon registriert. Er trägt „Hippieklamotten“ und eine Tätowierung und grinst mich an. Er sagt: „Hola!“ und streckt mir in Sekundenschnelle eine zugegebenermaßen echt hübsche Kette entgegen. Hmmmm, was mache ich jetzt, einfach so vorbeilaufen kann ich nicht, das wäre doch unhöflich. Ich nehme die Kette und betrachte sie aus der Nähe, genauso wie den Verkäufer.

Irgendwie sehen diese Schmuckverkäufer alle gleich aus: Männer zwischen 20 und 35 Jahren, eher alternativ gekleidet, oft lange Haare und nie um ein Lächeln oder einen Spruch verlegen. Sie sitzen aufgereiht wie die Hühner auf der Stange, jeder seine „Parche“ (wie ich später erfahre, heißt so der Verkaufsstand oder die Decke mit dem Schmuck darauf) vor sich. Meist können die „Jungs“ Trommeln, Jonglieren, Panflöte spielen oder „Trensas“ (mit buntem Garn umwickelte Haarsträhnen) flechten.

Aber ob man von so was leben kann?

Hier geht’s weiter:

Der Verkäufer reißt mich aus meinen Gedanken und fragt ob mir die Kette gefällt. „Claro“, sage ich und gebe sie ihm wieder zurück. Doch so schnell lässt er nicht locker. Nach ein paar Minuten hat er mich dazu überredet mir eine „Trensa“ ins Haar zu flechten. Nun gut, ich setze mich auf die sonnige Treppenstufe neben Juan, wie mein neuer Freund heißt.

Wir fangen an, über seine Arbeit als „Artesano“ (Kunsthandwerker) zu plaudern. „Artesano sein bedeutet frei sein“, erklärt er mir: „Ich bin mein eigener Chef und niemand schreibt mir etwas vor.“ Für ihn sei es eine Art Lebensgefühl. Seine Devise laute: Man wird nicht einfach nur so Künstler, nein, man wird dazu geboren!

Nachdem er einige furchtbare Gelegenheitsjobs angenommen hatte, unter anderem in einer Mine, wollte Juan einfach etwas komplett anderes machen. Er wollte frei sein und reisen. Bei Freunden hat er gelernt, Schmuck herzustellen. Bald hatte er seine eigenen Ideen, seinen eigenen Stil und seine eigene „Parche“.

Am Anfang hat er in einer Art Kommune mit vielen anderen Künstlern gelebt. Er hat viel gelernt, aber es wurde auch ziemlich viel gefeiert und Marihuana geraucht. Irgendwann wurde es Juan zu viel und er entschloss sich, alleine zu reisen.

Auf meine Frage ob er denn vom Verkaufen auf der Straße leben kann, meint er, dass es viele Tage im Leben eines Artesanos gebe, die wirklich schlecht sind. An solchen Tagen sitzt er stundenlang auf der Straße und verkauft einfach gar nichts. Das ist sehr deprimierend. Auch wird öfter mal ‚was geklaut: „Kaum schaue ich eine Minute nicht hin, fehlt plötzlich ein Ring oder ein Armband.“ Da sind dann 4 Stunden Konzentrationsarbeit dahin. „So etwas ist schon sehr ärgerlich“, meint Juan.

An guten Tagen hingegen, könne er bis zu 150 Soles (ca. 40 Euro) verdienen, was für peruanische Verhältnisse sehr viel für einen Tag ist. Juan beteuert jedoch sofort, dass er nicht wegen des Geldes seinen Schmuck verkaufe sondern weil er sich bei seiner Arbeit frei entfalten könne. Manchmal legt er auch einfach mal 2 Tage Pause ein, genießt die Sonne, knüpft stundenlang neue Ketten oder denkt sich Designs aus.

Ich frage ihn, ob nicht eine große Konkurrenz zwischen den Verkäufern besteht.“Nein, eigentlich nicht“ antwortet er mir: „Es ist eher wie in einer großen Familie. Jeder hilft dem anderen aus: beim Verkaufen, mit Materialien und ab und zu sogar mit Geld. Die meisten Künstler wohnen zusammen.“ Aber wenn es um die kreativen Dinge gehe, bestehe schon große Konkurrenz. Es wird viel Schmuck kopiert. Das sei natürlich gar nicht gerne gesehen und geht eigentlich gegen die Künstlerehre. Natürlich gibt es unter den „Jungs“ auch Streit über Frauen. Wie überall kommt es vor, dass der eine dem anderen die „chica“ (Freundin) klaut.

Unser Gespräch wird abrupt unterbrochen, als ein Mann in Uniform von der Municipalidad (Stadtverwaltung) vor uns auftaucht und Juan erklärt, dass er hier nicht verkaufen darf. Na toll, meine Trensa ist aber noch nicht fertig! Juan erzählt mir, dass die Artesanos immer Probleme mit der Municipalidad haben und öfters den Platz wechseln müssen. In manchen Städten kommt es zu regelrechten Schlägereien zwischen den Künstlern und den Behörden. Oft beschweren sich Anwohner oder Geschäftsinhaber, die nicht wollen dass sie vor ihrem Geschäft verkaufen.

„Naja, das müssen wir wohl akzeptieren, da es ja eigentlich verboten ist auf der Straße zu verkaufen. Wir Artesanos bezahlen weder Steuern noch sind wir versichert.“ Zum Glück wird der Straßenverkauf hier in Peru aber an den meisten Orten toleriert.

Der Mann von der Municipalidad steht immer noch vor uns und wartet, nun mit einem eher genervten Gesichtsausdruck. Brav packt Juan den Schmuck in seinen bunten Rucksack. Unser Beobachter ist zufrieden und lässt uns alleine. Juan knüpft weiter an meiner Trensa und erzählt mir, dass er sowieso bald weiterzieht, er hält es nie lange an einem Ort aus. Bald will er wieder nach Kolumbien an den Strand, da kann er seine Sachen teurer als hier verkaufen und die Leute wären echt „chevere“ (cool). Außerdem freut er sich, seine Freunde dort zu sehen. Die Artesanos treffen sich immer wieder an vierschiedenen Orten, da sie alle reisen. „Eine Stadt ist einfach zu klein für uns alle!“, sagt er mir mit einem breiten Grinsen.

Die Trensa ist schon fast fertig und mir brennt noch eine Frage auf den Lippen. Ich frage Juan, ob er vor hat sein ganzes Leben als Schmuckverkäufer auf der Straße zu arbeiten. Er schaut ein bisschen traurig und meint: „Das Problem ist, dass es nicht reicht zum Leben, nur zum Überleben.“

Momentan lebt er einfach von Tag zu Tag und denkt nicht allzu sehr über die Zukunft nach. Juans größter Traum ist ein kleines Geschäft, wo er seinen Schmuck zu angemessenen Preisen verkaufen und sich ganz seiner Fantasie und seiner Kreativität widmen kann. Dann könne er auch ohne Bedenken eine Familie gründen, was momentan leider finanziell nicht möglich ist.

Ich bedanke mich bei Juan für das nette Gespräch, bezahle meine Trensa und setzte meinen Spaziergang in der Sonne fort, um einige Lebensweisheiten reicher.

Share Button

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Viventura Reisen

viventura
viventura ist dein Spezialist für Rundreisen in Südamerika und bietet innovative Abenteuerreisen zu einem top Preis-Leistungs-Verhältnis. Dank einem Direktvertrieb und den exklusiven Büros vor ... weiterlesen

Folgen Sie uns!

Suche

Unsere bestbewertete Reise:

Peru Ecuador Galapagos

Tweets von @viventura_de

viExplorer

Peru Bolivien Chile

24 Tage, inkl. Flüge
3 Länder, Machu Picchu & Salzwüste
  • 3 Metropolen: Lima, La Paz, Santiago
  • Auf Inkapfaden nach Machu Picchu
  • Übernachtung bei Bauern am Titicacasee
  • Uyuni: Die größte Salzwüste der Erde

ab 4099 EUR