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Brasilien: Blaukraut-Marsch auf Sägemehl

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„Komm mal von Deinem Cavalo und tu die Porteira schließen, damit die Kuh auf dem Bast bleibt.“ So hört sich die Muttersprache von einigen zigtausend Menschen in Brasilien an – eine komische Mischsprache aus Portugiesisch und Deutsch. Übersetzt heißt der Satz: „Steig mal vom Pferd und schließe das Tor damit die Kuh auf der Weide bleibt.“ Manche Wörter existieren in keiner der beiden ursprünglichen Sprachen. So wie „Bast“, das von dem portugiesischen Wort „Pasto“ (Weide) abgeleitet ist.

Die deutschen Aussiedler in Brasilien haben Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die unwegsamen Gebiete des Küstengebirges von Santa Catarina und Rio Grande do Sul im Süden Brasiliens der Landwirtschaft zugänglich gemacht. Durch die Abgeschiedenheit lebten und leben sie teilweise heute noch als Landbauern (Kolonos) in kleinen Talgemeinden, wo sie einen eigenen Sprachschatz entwickelten und „altdeutsche“ Traditionen pflegen.

Eines dieser Täler ist das Itajaítal in Santa Catarina mit dem Hauptort Blumenau und einigen kleinen Landgemeinden wie das Freiheitstal, nur 25km von meinem Wohnort entfernt. Dort leben die Bauern in Fachwerkhäusern unter Palmen und auch in der vierten Generation wird noch Deutsch gesprochen.

Hier geht’s weiter:

Durch die Abgeschiedenheit hat sich das kulturelle Erbe auf ganz eigentümliche Weise entwickelt. Im Zentrum eines jeden Tales gibt es eine evangelische Kirche und einen Festsaal. Jedes Tal hat seinen Schützenverein, eine Trachtengruppe und am Wochenende gibt es immer irgendwo einen Ball. Der Ball am Samstagabend ist das gesellschaftliche Ereignis schlechthin, auch die Bewohner aus der letzten Ecke des Tales kommen dahin, ist es ja praktisch die einzige Möglichkeit, einen „Freier“ zu finden und mit den anderen „Kolonisten“ des Tales ein Bier zu trinken.

Der Tanzsaal hat einen Holzfussboden, der mit Sägemehl bestreut wird, damit es beim Tanzen besser rutscht. Die Kapelle spielt einen Marsch („Blaukraut Marsch“, „WeisswurstSamba“, „So ein Tag…“ usw.) und alle tanzen in der selben Richtung im großen Saal. Von außen sieht es aus, als ob alle Paare ein Wettrennen um die Tanzfläche veranstalten. Wehe, ein Paar tanzt aus der Reihe oder versucht sogar, in die andere Richtung zu wechseln. Dann kommt die ganze Tanzordnung durcheinander und sie werden ausgepfiffen.

Die Bälle sind für jung und alt. Von acht bis achtzig kommen alle und manch einer hat zum Sonntagsanzug die Gummistiefel an, die sind ja auch schwarz und glänzen so schön.

Die Pubertätsjugend steht immer in Gruppen am Rand der Tanzfläche, rechts die Jungs und links die Mädchen (oder auch umgekehrt). Wer nicht tanzen kann, hat schlechte Chancen, denn in diesen Gegenden ist der Ballabend so ziemlich die einzige Möglichkeit, sich eine gute Partie zu angeln. Oft finden sich auch Cousin und Cousine. Es scheint als habe die Inzucht einen auch physiognomisch ganz eigenen Menschenschlag hervorgebracht.

Manchmal gehe ich zu solch einem Ballabend. Dann fragen die Einheimischen, ob ich Deutscher aus Pomerode, Blumenau oder Indaial sei (weil ich ein bisschen städtischer aussehe). Wenn ich dann sage: „Ich bin Deutscher aus Deutschland“, dann kommt meist ein großes: „Oohhh, Ihr seid ein Neudeutscher!“

Nur wer in Brasilien geboren ist, gilt als „Deutscher“ und wird seiner deutschen Siedlung zugeordnet. Wer in Deutschland geboren wurde, ist „Neudeutscher“.

Deshalb gehöre ich auch nicht so richtig dazu auf dem Ball. Ob da ein bisschen Diskrimination mit dabei ist!? Wohl nicht, es ist eher Unsicherheit gegenüber dem Fremden von „drüben“, der so ganz anders zu leben scheint.

Nun, ich lebe im Nachbardorf unter italienischen Einwanderern. Die haben mich sehr nett in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Da beschränkt sich die „italienische Kultur“ aber auch auf die tägliche Polenta- und Käsemahlzeit.

Wenn ihr Neudeutschen, Schweizer oder Österreicher das brasilianische Deutschland kennen lernen wollt, ist dies auf unserer Brasilien-Paraguay-Tour möglich.
www.brasilien-erlebnisreisen.de

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