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Chile: Die Besteigung des Vulkans Villarica

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Im Januar 2006 startete ich zu meiner ersten Südamerika-Reise. Ich wollte unbedingt die Atacama-Wüste und Patagonien sehen, so fiel meine Wahl auf die Tour viActive Chile (jetzt Chile Nord+Süd). Mit einer tollen Reisegruppe, unserer super Reiseleitung und bestem Wetter in allen Regionen wurde es ein Erlebnis der besonderen Art.

Im so genannten „Kleinen Süden“, dem wunderschönen Land der Araukarien, Vulkane und Seen, hatte ich mein nachhaltigstes Erlebnis: die Besteigung des Vulkans Villarrica.
Als ich das erste Mal vor diesem herrlichen, schneebedeckten Kegelvulkan stand, ahnte ich noch nicht, was da auf mich zukommen würde. Es sah alles so leicht und einfach aus. Gut gelaunt und mit allem ausgerüstet begannen wir bei bestem Wetter mit dem Aufstieg.

Wir liefen langsam hintereinander über die Schneefelder. Jetzt am Berghang wurde mir langsam klar, worauf ich mich eingelassen hatte. Gehandikapt durch Übergewicht und eine Schürfwunde am Knie, die ich mir durch meinen Einsatz während eines Fußballspiels mit dem Kindern vom Sozialprojekt Los Pinos zugezogen hatte, merkte ich schnell, der Aufstieg würde lang und beschwerlich werden. Aber es gab keinen Weg zurück, oder? Die Bergsteiger am Hang über uns sahen so klein aus. Nach ca. 1,5 Stunden machten wir eine erste große Pause. Ich war noch guter Dinge – wir hatten schon eine große Strecke hinter uns gebracht. Wenn man aber nach oben schaute, hatte man das Gefühl, sich überhaupt nicht bewegt zu haben. Der Weg sah genauso lang aus wie am Beginn der Tour.

Aufgrund meiner Höhenangst versuchte ich, möglichst immer in der Nähe einer der Bergführer zu sein. Unsere Guides entschlossen sich, einen Weg durch unbefleckte Schneefelder zu laufen, um den anderen vor uns aufsteigenden Gruppen aus dem Weg zu gehen. Das kostete sehr viel Kraft. So kam es, dass ich nach der Hälfte des Aufstieges total ausgepowert war. Das Knie schmerzte und ich war fix und fertig. Der Weg nach oben zog sich gnadenlos in die Länge. Zusätzlich kam ein neues Problem hinzu, mein Wasservorrat war, gemessen an meinem Durst, zu klein. Ich hatte über 2 Liter Wasser dabei, die eigentlich hätten reichen sollen und mehr als die Hälfte war schon weg. Ich quälte mich weiter, aber mit jedem neuen Schritt hatte ich das Gefühl, dass ich entkräftet aufgeben muss. Ich fiel in ein großes mentales Loch. Selbst kleine Pausen brachten wenig Besserung. Ich machte mir unentwegt Gedanken, was denn aus der Gruppe wird, wenn ich jetzt aufgebe. Was passiert, wenn ich meine Kräfte überschätze und die Guides sich hauptsächlich um mich kümmern und so die Gruppe vernachlässigen müssen? Hätte ich den Aufstieg überhaupt wagen sollen?

Das Tempo der Gruppe wurde zwar immer langsamer, es war aber gleichmäßig, das war wichtig. Ich schleppte mich weiter. Hätte mich jemand gefragt, ob ich aufgeben und runterlaufen möchte, ich hätte lauthals „Ja!!!“ geschrien. Aber zu meinem Glück fragte keiner. Im Gegenteil, die Gruppe motivierte mich stets, weiterzumachen. Und ich selbst traute mich nicht zu fragen, ich wollte niemanden enttäuschen, schon gar nicht mich selbst.

Und so überwand ich Höhenmeter um Höhenmeter. Am Ende der Schneefelder machten wir noch einmal eine große Pause, bevor der Wind zu stark werden würde. Jetzt begann das letzte große Stück über Geröll und Steine. Und auf einmal wusste ich, ich würde den Aufstieg schaffen. Egal wie lange es dauern würde. Auch wenn der Weg jetzt schlechter wurde und meine Höhenangst zu nahm. Das Ziel war in Reichweite, nur noch eine halbe Stunde!

Nach fünf Stunden war es dann soweit: der Vulkan Villarrica war bezwungen! Wir standen oben auf dem Kraterrand und fielen uns gegenseitig in die Arme. Es war geschafft! Der Blick vom Vulkan herab war atemberaubend. Man konnte sogar den 200 km entfernten Vulkan Osorno sehen. Wir liefen auf dem Kraterrand zu der Stelle, wo man tief in den Krater hineinschauen konnte. Dort hatte sich ein Magma-Dom gebildet und die rote Glut spritzte in den Krater. Eine schier unendlich große Kraft brodelte da unter unseren Füßen. Es war faszinierend! Obwohl wir wegen der Schwefelgase Gasmasken benutzen mussten, hielt dies uns nicht davon ab, an dieser Stelle zu verweilen.
Nachdem sämtliche Fotos und auch das obligatorische Gruppenbild im Kasten waren, übermannten mich meine Gefühle. Ich musste mich setzen und heulte wie ein Schlosshund. Ich wollte unterwegs aufgeben. Ich hatte eine Höllenangst, wollte alles hinschmeißen. Aber ich habe mich trotzdem weitergequält und es letztendlich doch geschafft! Und nun saß ich hier und konnte den einmaligen Blick in den Vulkan und auf die Umgebung genießen. Ich war über mich hinausgewachsen und hatte eigentlich Unmögliches geleistet. Ich konnte richtig stolz auf mich sein!

Wir verweilten ca. eine Stunde auf dem Kraterrand, bis es Zeit war, den Abstieg zu wagen. Ich wollte nicht. Der Abstieg war für mich schlimmer als der Aufstieg. Aber es konnte keiner oben bleiben, ich musste mit. Als wir die Schneefelder erreichten, sollten wir in Eiskanälen den Berg hinunterrutschen. Mit dem Pickel bremsend rutschte man wie auf einer Rodelbahn den Berg hinunter. Nach ein paar hundert Metern ging es dann zum nächsten Eiskanal. Insgesamt 4- oder 5-mal rutschten wir. Ich schaffte es, mit heilem Hintern am Ende der Schneefelder anzukommen, völlig ausgelaugt und total erschöpft, aber überglücklich.

Am späten Abend lag ich im warmen Thermalwasser unter freiem Himmel, genoss den wunderschönen Sternenhimmel der Südhalbkugel und sah Sternschnuppen. Hier reifte in mir der Entschluss, aufgrund der Erlebnisse bei der Vulkanbesteigung, etwas gegen mein Übergewicht und meine Höhenangst zu tun. Dies setzte ich nach der Rückkehr dann auch in die Tat um und kann mit gutem Recht behaupten, dass die Reise nach Chile mein Leben verändert hat.

Chile war für mich ein absoluter Traum. Die Vielfältigkeit und Schönheit der Landschaft ist kaum zu beschreiben. Die Erfahrungen und Begegnungen auf dieser Reise haben mich tief berührt und geprägt. Mittlerweile war ich zum zweiten und bestimmt nicht zum letzten Mal im wunderbaren Chile.

Danke, viventura, für dieses Erlebnis!

Jens-Uwe Rehm (alias Sven, alias James)

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Eine Antwort auf “Chile: Die Besteigung des Vulkans Villarica”

  1. Sascha sagt:

    Hallo Jens-Uwe,

    vielen Dank für Deinen sehr ehrlichen und eindrucksvollen Bericht. Ich stehe kurz vor meiner Chile-Reise und bin voller Vorfreude: Dein Eindruck wird mir sehr dabei helfen, ob ich wirklich diese Strapaze auf mich nehmen will (ich kenne mich schliesslich einigermassen;) oder ob ich es dabei belasse, den Berg aus der Ferne zu bewundern….

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Der Autor:

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