Südamerika Reisen mit viventura
030 6167558-0

wochentags 9-22 Uhr
Sprechen Sie mit einem Spezialisten

Hohe Berge – dünne Luft: die Bergkrankheit

0 Flares 0 Flares ×

Wer in die Andenländer reist, sollte sich vorsehen: Die Höhenkrankheit hat schon so manchen Urlaubstag getrübt. Doch ist sie noch lange kein Grund, auf eine Reise zu verzichten. Es ist relativ leicht, ihr vorzubeugen, und für den normalen Tourist verläuft sie fast immer harmlos. Und doch bewegt das Thema beizeiten sogar Staatsoberhäupter.

Groß war die Empörung vor allem in Bolivien: In Zukunft sollten keine internationalen Fußballspiele in Höhen über 2500 Metern mehr ausgetragen werden. Das hatte der Fußball-Weltverband FIFA vor einigen Monaten beschlossen. Der Grund für das „Fußballverbot“ in der Höhe: die Gesundheit der Spieler sei in Gefahr. Damit hat sich die FIFA besonders in den Andenländern Südamerikas nicht gerade beliebt gemacht, schließlich liegen in Peru, Ecuador, Kolumbien und besonders in Bolivien viele Stadien über dieser Höhenmarke. Für Boliviens Präsident Evo Morales waren gar die Menschenrechte in Gefahr, und so sah er sich gezwungen, ein Protestspiel auf 5270 Metern abzuhalten. Er selbst legte mit „Fuß“ an und schoß vier Tore.

Viele touristisch interessante Gegenden in Südamerika liegen über 2500 Meter. Auch ich war deshalb gespannt, wie sich die dünne Luft auf meinen Körper auswirken würde, als ich mich aufmachte, um den peruanischen Teil des Titicaca-Sees zu besuchen. Der See liegt bereits auf 3810 Metern, und somit knapp 200 Meter höher als das Stadion der bolivianischen Hauptstadt La Paz, wo Fußballspielen zukünftig verboten sein soll.

Schlimme Berichte hatte ich im Vorfeld gelesen, von Touristen, die unter furchtbaren Kopfschmerzen, Übelkeit und Schlafmangel litten.Doch als unser Bus in Puno ankam, war das einzige, was ich von der Höhe wahrnehmen konnte, meine Wasserflasche. Die hatte ich zuletzt in Arequipa geschlossen. Nun stand sie unter Druck. Aber ansonsten ging es uns allen prächtig.

Ursache für die Höhenkrankheit ist der abnehmende Luftdruck bei steigender Höhe und der dadurch geringer werdende absolute Sauerstoffgehalt pro Kubikmeter Atemluft. Auf einer Höhe von 5000 Metern atmet man mit einem Zug nur noch halb so viel Sauerstoff ein wie auf Meereshöhe. Durch Erhöhung der Atemfrequenz versucht der Körper, diesen Mangel ausgleichen. Bei einem längeren Aufenthalt in der Höhe steigt zudem die Anzahl der roten Blutkörperchen, die für den Transport des Sauerstoffs im Blut verantwortlich sind. Dieser Prozess, Akklimatisierung genannt, führt dazu, dass Menschen, die sich lange Zeit in hochgelegenen Gebieten aufhalten, keine Symptome der Höhenkrankeit mehr verspüren.

Unser Aufenthalt dauerte nur 2 Tage. Auch am folgenden Tag, an dem wir uns mit einem kleinen Boot auf den See herauswagten, bemerkten wir keine Beinträchtigungen. Die Nacht war zwar kalt, aber über Schlafprobleme konnte keiner aus unserer Gruppe klagen. Nun gab es auf der gut 4-stündigen Überfahrt auf die Insel Amantani, wo wir die Nacht verbringen sollten, auch kaum Gelegenheit für körperliche Aktivität.

Am späten Nachmittag erreichten wir die Insel Amantani. Als wir erfuhren, dass wir noch am Abend auf die höchste Erhebung der Insel, einen Berg jenseits der viertausend Meter steigen sollten, machte sich schon ein mulmiges Gefühl breit. Noch nie war ich in einer derartigen Höhe, und knapp 300 Höhenmeter aufzusteigen ist auch nicht gerade wenig.

In vielen Ländern Lateinamerikas erreicht man schon mit dem Bus Pässe weit über 4000 Meter. Den wichtigsten Rat der Bergsteiger, nicht zu schnell aufzusteigen, kann man als Bustourist leider nicht immer befolgen. Auch bleibt man meist nicht lange genug, um eine wirkliche Akklimatisierung zu erreichen. Die Akute Bergkrankheit (AMS = Acute Mountain Sickness) ist daher auch bei Nicht-Bergsteigern relativ häufig. Laut der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Höhenmedizin leiden etwa 30 Prozent der Bergwanderer in Höhen über 3000 Meter an ihrer milden Form. Ein schneller Aufstieg führt sogar bei mehr als 75 Prozent zu Problemen.

Symptome wie starke Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit, Appetitlosigkeit, unruhigem Schlaf bis hin zu Erbrechen sind daher relativ häufig. Die Kopfschmerzen sind auf die erhöhte Durchblutung zurückzuführen, Übelkeit und Appetitlosigkeit auf die Tatsache, dass das Blut anderswo als im Verdauungstrakt benötigt wird. Normalerweise klingen diese Symptome nach einiger Zeit von selbst ab. Treten sie auf, sollte man nicht weiter aufsteigen, sich ruhig verhalten und viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Hierbei empfielt es sich, auf alkoholische Getränke oder Kaffee zu verzichten – Mineralwasser ist erste Wahl.

Sehr viel seltener treten ernstere Probleme, etwa Höhenlungenödeme oder Höhenhirnödeme auf, letztere meist erst bei extremen Höhen über 5000 Metern. Hier ist unbedingt ein rascher Abstieg und ärztliche Hilfe erforderlich. Von diesen Arten der Bergkrankheit sind aber fast ausschließlich Bergsteiger und weniger die „Bustouristen“ betroffen.

Selbst nachdem wir unser Gepäck in das Dorf geschleppt hatten, spürten wir keine Beschwerden. Immerhin waren wir nun schon fast einen Tag auf über 3800 Metern. Vielleicht war es aber doch ein wenig zuviel Übermut – aber das Angebot von vier einheimischen Jungs, eine Partie Fußball mit ihnen zu spielen konnten wir nicht ablehnen. War es nicht immerhin der bolivianische Präsident, der gesagt hatte, Fußball auf großer Höhe sei kein Problem? Ausserdem waren die vier alle ein paar Köpfe kleiner als wir, des Spiefeld ebenfalls klein und ein bisschen Bewegung würde uns nach der langen Bootsfahrt bestimmt gut tun. So ging es also um eine Cola.

Der Ausgang des Spiels ist schnell erzählt. Die vier benötigten etwa 10 Minuten um uns, allesamt nicht unsportlich, mit 1:5 zu schlagen. Nach einem kurzen Spurt über 25 Meter war ich gerade noch in der Lage, den Ball ein wenig hin- und her zu schieben. Es fehlte einfach die Luft! Für die gegnerische Mannschaft war die Cola leicht verdient. Wie wir später erfuhren, handelte es sich hierbei durchaus um eine übliche und sicher auch einträgliche Form des Gelderwerbs.

Wohl durch die Anstrengungen dieses kurzen Spiels setzten dann auch die üblichen Symptome der Höhenkrankheit ein. Zwar konnte ich meinen ersten 4000er noch bezwingen. Über den restlichen Abend möchte ich jedoch den Mantel des Schweigens hängen. Nur so viel: Ich habe diese schicksalhafen 10 Minuten redlich bereut!

Auf übermäßige Anstrengungen, etwa ein Fußballspiel, sollte man also besser verzichten, wenn man zu ersten Mal in die Höhe kommt. Dabei ist es unerheblich, ob man sportlich ist oder nicht, jeder kann betroffen sein. Wenig oder besser kein Alkohol oder Kaffee, viel Wasser und fettarmes Essen können helfen, der Akuten Bergkrankheit vorzubeugen. Ist es dann doch soweit, hilft am besten Ruhe: die Symptome verschwinden meist nach kurzer Zeit von alleine.

Mittlerweile haben die Ärtze der FIFA eingeräumt, dass Fußball auf über 2500m nicht unbedingt gesundheitsschädlich ist. Das Fußballverbot wurde inzwischen wieder aufgehoben. Ob es aber so ganz fair ist, auf einer solchen Höhe Spiele auszutragen, möchte ich doch bezweifeln. Für die Bolivianer sind die vier Tore ihres Präsidenten jedenfalls Beweis genug, dass Fußball auch in großer Höhe ungefährlich ist. Doch auch das besagte Protestspiel dauerte nur 30 statt der üblichen 90 Minuten. Und auch bei diesem kurzen Spiel gab es Probleme: es musste mehrmals unterbrochen werden, weil der Ball einen steilen Abhang heruntergerollt war.

Share Button

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Viventura Reisen

viventura
viventura ist dein Spezialist für Rundreisen in Südamerika und bietet innovative Abenteuerreisen zu einem top Preis-Leistungs-Verhältnis. Dank einem Direktvertrieb und den exklusiven Büros vor ... weiterlesen

Folgen Sie uns!

Suche

Unsere bestbewertete Reise:

Peru Ecuador Galapagos

Tweets von @viventura_de

viExplorer

Peru Bolivien Chile

24 Tage, inkl. Flüge
3 Länder, Machu Picchu & Salzwüste
  • 3 Metropolen: Lima, La Paz, Santiago
  • Auf Inkapfaden nach Machu Picchu
  • Übernachtung bei Bauern am Titicacasee
  • Uyuni: Die größte Salzwüste der Erde

ab 4099 EUR