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Venezuela: Mein Job im Urwald

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Vor 15 Jahren saß ich, gerade in Venezuela angekommen, in meinem Büro und schaute über die Dächer des nebenan liegenden Armenviertels. Voller Reisefieber wollte ich unbedingt mehr von diesem Land erfahren, welches nun meine neue Heimat war.

Ich glaube, es war noch am selben Abend, in irgendeiner Kneipe in Caracas, als ich einen verrückten Engländer kennen lernte. Er hörte gar nicht auf, von unglaublichen Abenteuern aus den venezolanischen Urwäldern zu berichten. Da die Art wie er von seinen Abenteuern erzählte äußerst amüsant war ließ ich mich gerne unterhalten. Am Ende des Abends tauschten wir unsere Telefonnummern aus und ich ging etwas traurig und mit noch mehr Reisefieber nach Hause.

Am nächsten Morgen klingelte das Telefon. Es war Douglas,der Engländer vom Vorabend. Hastig und in gebrochenem Spanisch fragte er mich, ob ich mit ihm eine Gruppe von Engländern zum Salto Angel begleiten könnte. Ich überlegte ungefähr drei Sekunden, bevor ich antwortete: „Ja klar!“ Ich erklärte meinem Boss, dass ich ab morgen eine Woche Urlaub nehmen würde. Es gab sowieso kaum Anfragen für Reisen, er war einverstanden.

Am nächsten Morgen traf ich mich mit Douglas, ausgerüstet mit Rucksack und Wanderschuhen. Es war mir noch nicht klar, was eigentlich meine Aufgabe sein würde und ob ich bezahlt würde. Aber das war mir ganz egal. Hauptsache ich war unterwegs – unterwegs zu einem Abenteuer.

Wir fuhren in einem alten Land Cruiser acht Stunden von Caracas bis nach Ciudad Bolivar, während mir Douglas endlich erzählte, was ich machen sollte: „Also pass‘ gut auf, Peter… morgen werden wir eine Gruppe von Touristen zum Nationalpark Canaima begleiten. Ich werde der Reiseleiter sein und du mein Assistent. Dein Job ist es, mir dabei zu helfen, die Leute fünf Tage lang durch den venezolanischen Urwald zum höchsten Wasserfall der Erde, dem Salto Angel zu begleiten.“

Ich glaube in dem Moment war ich so aufgeregt wie ein Sechsjähriger an seinem ersten Schultag. Ein Traum sollte wahr werden!

Der Beginn des Abenteuers ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Am nächsten Morgen musste ich mich als Assistent zum ersten Mal in meinem Leben in ein Kleinflugzeug setzen und zwar direkt neben den Piloten. Das ganze Flugzeug war voll gepackt mit Kochern, Geschirr, Früchten, Kühlboxen, Speisen aller Art und ein paar Paletten Polarbier. Der Pilot neben mir machte auf mich einen wahnsinnig coolen Eindruck. Bevor er das Flugzeug startete fummelte er an unendlich vielen Knöpfen und Hebeln ‚rum bis er schließlich auf „Start Engine“ drückte.

Das Flugzeug fing sofort an, im Takt des Motors hin und her zu wackeln. Nach ein paar Minuten waren wir in der Luft und ich begann, Vertrauen in Pilot und Gerät zu fassen. Während der Pilot über Funk mit anderen Piloten die aktuelle politische Lage Venezuelas diskutierte, überflogen wir unbewohntes Waldgebiet. Hier und da sah man Papageien, welche über die Baumwipfel flogen und hin und wieder wurde der Urwald durch einen schlangenförmigen, schwarzen Fluss unterbrochen. Ich fühlte, dass mein Fernweh langsam aber sicher aufhörte. Ich ließ die unendliche Weite des venezolanischen Urwaldes auf mich wirken.

Nach vielleicht einer Stunde tauchten am Horizont die majestätischen Tafelberge auf. Kurze Zeit später wechselte der Pilot plötzlich den Kurs und steuerte die Maschine in Richtung Boden. Das kleine Flugzeug fing fürchterlich an zu pfeifen und zu schütteln. Man merkte, dass die Geschwindigkeit rapide anstieg. Plötzlich sah man in der Savanne ein paar mit Palmblättern gedeckte Häuser mit einer Art Landepiste im Vorgarten. Wieder fing der Pilot an, an allen möglichen Knöpfen und Hebeln ‚rumzufummeln und setzte die Maschine dann mehr oder weniger sanft auf den Boden. Am Ende der Landepiste befand sich das Camp von Uruyen.

Idyllisch lag das Camp zu Füßen des Auyantepuis direkt an einem Fluss. Mit unübertrefflicher Freundlichkeit begrüßten uns die Pemon Indianer. Sie halfen sofort, das Flugzeug zu entladen und zeigten mir das Camp. Da unsere englischen Gäste noch nicht eingetroffen waren, nahm ich ein Bad im warmen Fluss.

Endlich kam die Gruppe eingeflogen und wir starteten eine mehrstündige Exkursion. Wir liefen ein Teil durch die Savanne, hinein in eine immer enger werdende Schlucht. Die Felsen wurden höher und höher und die Schlucht schließlich so eng, dass wir nicht mehr zu Fuß gehen konnten. Wir mussten bis zum Ende der Schlucht schwimmen. Aber die Mühe lohnte sich. Ein 10 Meter hoher Wasserfall stürzte dort auf uns herab. Ein herrliches Schauspiel! Ich fand meinen neuen Job super. Vom Fernweh keine Spur mehr. Nach unserer Rückkehr ins Camp belohnten wir uns mit einem fantastischen Büffet.

Am nächsten Tag brachen wir zu einer viertägigen Flussfahrt im Einbaum auf. Zusammen mit den Indianern belud ich den Einbaum. Jetzt hatte ich schon das Gefühl, Teil der Mannschaft zu sein. Bald waren wir startklar und unsere Flussreise konnte beginnen. Der Einbaum schlängelte sich auf dem schmalen Fluss, teils durch Urwald,teils durch Savanne. Ab und zu sah man einzelne palmengedeckte Häuser mit freundlich grüßenden Indianern. Unser Reiseziel war das Camp Iwana Meru.

Dort angekommen ließ uns Balbino, der „Kapitän“ unseres Einbaums, am Ufer aussteigen. Bisher hatte er kaum einen Ton gesagt, nun fing er plötzlich an, unseren Begleitern lautstark in seiner Muttersprache Anweisungen zu geben. Ich verstand nur Bahnhof aber sah plötzlich alle Indianer aufgeregt herumlaufen. Während wir am Ufer warteten, startete Balbino den Motor des Einbaumes und steuerte zielsicher von oben auf eine Stromschnelle zu. Für einen Moment hatte ich den Eindruck er wolle Selbstmord begehen! Als sich der Einbaum in voller Fahrt schon mit halber Länge in der Stromschnelle befand, hievte er schnell den Motor aus dem Wasser und das Gefährt flitzte durch die Wassermassen zum unteren Flusslauf. Wir, die wir vom Ufer aus das Spektakel beobachteten, kamen aus dem Staunen nicht heraus.

Abends beim Kartoffelschälen schloss ich Freundschaft mit meinen indianischen Kollegen. Mit José und meinem Kartoffelschälmesser setzte ich mich ans Flussufer.

Ganz selbstverständlich erzählte jeder von uns über sich. José ist der Sohn von Balbino und war damals gerade 15 Jahre alt. Er erzählte mir, dass er diese Ausflüge sehr gerne begleitet. Für ihn sei es eine willkommene Abwechslung und obendrein verdiene er gut, sogar Trinkgeld gebe es. Später fand ich heraus, dass die meisten Indianer auch deshalb mitfuhren, weil es in Canaima so hübsche Indianerinnen gebe.

Die meisten unserer Gäste übernachteten zum ersten Mal in einer Hängematte. Wir bekamen eine Einführung und gewöhnten uns schnell daran. In dieser Nacht lauschte ich zum ersten Mal den Geräuschen des nächtlichen Urwalds.

Es schien mir, als ob Frösche, Vögel, Grillen und Zikaden mit Einbruch der Dunkelheit um die Wette zirpten und pfeiften. Ein unvergessliches Erlebnis.

Mit Sonnenaufgang weckte uns eine Familie Brüllaffen mit ihrem Geschrei. Nach dem Frühstück ging es im Einbaum weiter flussabwärts zu unserem nächsten Camp: „El Arenal“.

Ich genieße die Fahrt vorbei am Auyantepui und kann mich gar nicht satt sehen an dem grünen Urwald, den Papageien und den gewaltigen Sandsteinwänden des Tafelberges.

An einigen Stellen fahren wir erneut über Stromschnellen. Diesmal steigen wir aber nicht aus. Es geht rasant durch das Wildwasser. Wir haben einen Riesenspaß in unserem schwimmenden Baumstamm.

El Arenal lag am Flussufer zu Füßen eines schmalen und sehr hohen Tafelberges, dem Weiytepui. Nach Einrichten des Camps begleiteten einige von uns die Indianer zum Fischen. Statt mit der Angel fischten sie mit Pfeil und Bogen! Am frühen Abend kamen die Indianer mit zwei welsähnlichen Fischen zurück, welche sie köstlichste Weise zubereiteten.

Nach einer weiteren Nacht in der Hängematte ging es am darauffolgenden Tag zum Salto Angel.

Am Morgen waren alle angespannt und nervös. Nur noch wenige Stunden trennten uns von dem absoluten Höhepunkt unserer Reise. Rasch packten wir alles zusammen und schon saßen wir wieder im Einbaum. Anders als an den Vortagen ging es nun flussaufwärts über den Rio Churun. Dieser ist an vielen Stellen sehr schwer zu befahren. Stromschnellen und Untiefen wechseln sich ab.

Balbino machte mir immer mehr den Eindruck, er sei in einem Einbaum geboren worden. Er fuhr uns rasant von einer Stromschnelle zur nächsten. Oft schlug das Boot auf den Grund des Flusses und ich dachte, es bräche jeden Moment auseinander. Wir alle konzentrierten uns so stark auf die Fahrt, dass wir gar nicht merkten, wie nah wir dem gigantischen und einzigartigen Salto Angel schon gekommen waren.

Majestätisch stürzte sich das Wasser über fast 1000m zu uns herunter. Zuletzt gingen wir noch gute zwei Stunden zu Fuß bis zu einem Aussichtspunkt in der Nähe des welthöchsten Wasserfalls. Die Mühe war angesichts eines der imposantesten Naturenschauspiele des gesamten Kontinents schnell vergessen. Gebannt nahmen wir das Naturschauspiel in uns auf. Selbst die Indianer schienen mir vom Salto Angel völlig eingenommen.

Am nächsten Tag steuern wir auf Canaima zu. Wieder geht es im Einbaum durch Wildwasser. Ich bin mir sicher, dass Balbino schon Tage auf diesen Moment gewartet hat. Sein kindlich begeisterter Gesichtsausdruck verrät alles: Er genießt den Geschwindigkeitsrausch.

Gegen Mittag in Canaima angekommen besuchen wir den „Salto Sapo“. Nach all dem Erlebten glauben wir kaum, dass uns noch etwas derart beeindrucken könnte. Wir überqueren die Lagune von Canaima und erreichen über eine kleine Insel den Wasserfall. Gewaltige Wassermengen stürzen aus einer hohen Felswand in eine tiefer liegende Lagune. Der Weg hinter der imposanten Wassergewand des „Salto Sapo“ ist der absolute Höhepunkt. Das Getöse des Wassers unter dem Felsen macht jede Unterhaltung unmöglich. Ein falscher Schritt und wir würden von den Wassermengen hinabgerissen.

Adrenalingeladen und etwas erleichtert kommen wir schließlich alle gesund am anderen Ende des Wasserfalls wieder raus.

Hier in Canaima endet mein Job. Ich habe nicht eine Minute von diesem Abenteuer bereut. Es stimmte einfach alles. Das Wetter, die unzähligen Attraktionen, die Indianer, Douglas und nicht zuletzt die begeisterten Mitreisenden haben mich so fasziniert, dass ich seither diese Reise über vierzig Mal als Reiseleiter durchgeführt habe.

Auch nach 15 Jahren freue ich mich immer auf’s Neue, dass ich noch heute das Abenteuer wie beim ersten Mal mit all den unzähligen Eindrücken und Erlebnissen genießen kann.

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