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Ecuador: Temazcal – eine ganz persönliche Erfahrung

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Nachdem ich in Ecuador angekommen bin, begann ich mich für die vererbten lateinamerikanischen Rituale zu interessieren, welche in einigen Teilen des Landes noch praktiziert werden. Heute möchte ich von meiner Erfahrung bei der Zeremonie Temazcal erzählen, diese Reise ins Innere, diese Reinigung von Körper und Geist in einer Hütte mit brennenden Steinen in der Mitte…

An diesem Tag befinde ich mich auf dem Weg zu einem Doktor, mit welchem ich gesprochen habe, um an der Zeremonie teilnehmen zu dürfen. Eine Frau öffnet mir die Tür und führt mich in den Garten, wo bereits ein Lagerfeuer brennt. Ich bemerke, dass ich als Erster angekommen bin und beginne mit einem Jungen zu reden, der mir erzählt, dass er der Assistent des Doktors ist. Er erklärt mir, dass das Feuer dazu dient die Steine zu erhitzen, welche für
die Sauna gebraucht werden. Ich weiß noch immer nicht genau was mich erwartet.

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Er zeigt mit dem Finger auf eine kleine runde Hütte aus Steinen am Ende des Gartens, die nicht höher als einen Meter misst. Der Eingang ist eine kleine ovale Öffnung, durch die man kriechen muss um hineinzugelangen. Ich ziehe es vor, vorher zu fragen, ob ich Fotos machen darf, damit ich nichts Unangemessenes tue – und er erlaubt es mir. Nach etwa 20 Minuten kommen schließlich alle Teilnehmer der Zeremonie an und der Doktor bittet uns Badekleidung anzuziehen. Man versammelt sich um das Feuer herum und die Zeremonie beginnt. Der Doktor (die anderen Teilnehmer nennen ihn „Taita“, was Vater auf Quechua heißt) sagt uns, dass wir eine Runde um die Hütte herumgehen sollen, bevor wir durch die Tür eintreten. Ich frage den Mann neben mir, was diese Runde zu bedeuten hat und er erklärt mir, dass diese Hütte den Mutterleib symbolisiert und dass man zuerst hineingeht, um zu sterben, bevor man am Ende der Zeremonie wiedergeboren wird.

Ich krabbele also auf allen Vieren um in die Hütte zu gelangen und setze mich hinter eine andere Person. Wir sitzen direkt auf dem Boden um ein Loch in der Erde herum. Die Erde ist feucht, ich friere etwas und ich fühle mich schmutzig. Die Zeremonie soll zwei Stunden dauern.

Die Atmosphäre kommt mir etwas fremd vor, mit all diesen Leuten, die im Kreis sitzen, die Frauen haben weiße Kleider an, die ihnen bis an die Knöchel reichen. Der Doktor, im Zentrum der Gruppe, beginnt mit einer erstaunlich ruhigen und bedächtigen Stimme zu reden. Er bedankt sich bei allen für ihr Kommen und sagt, dass er hofft, dass diese Zeremonie viel positive Energie für alle bringen wird. Das Temazcal besteht aus vier Teilen: der erste Teil ehrt unsere Geburt, der zweite die Jugend, der dritte das Erwachsenenalter, und der vierte das Alter.

Nun bringt der Assistent die glühenden Steine und legt diese mit Hilfe von Hirschgeweihen in das Loch in der Mitte der Hütte. Der Doktor beginnt sich vorzustellen. Er sagt seinen Namen, woher er kommt, was er macht und dann dankt er dem Großen Geist, der uns das Leben geschenkt hat. Im Grunde ist es wie ein Gebet, in welchem er den Großen Geist um einige Dinge bittet, beispielsweise für eine erfolgreiche Zeremonie und ein langes Leben für alle. Danach sprechen andere Personen und schließlich bin ich dran. Panik – ich weiß nicht, was ich sagen soll…ich sage dann doch, dass ich Guillaume heiße, aus Frankreich komme, und dass ich dem Großen Geist dafür danke, dass er mich an dieser Zeremonie teilnehmen lässt.

Nachdem sich die letzte Person vorgestellt hat, schließt der Doktor den Eingang der Hütte und beginnt Wasser auf die heißen Steine zu gießen. Es ist stockdunkel – es ist nichts zu sehen, außer den rot glühenden Steinen. Die Luftfeuchtigkeit steigt und es wird zunehmend heißer. Ich fühle mich etwas beklemmt, da ich in der Dunkelheit inmitten von Leuten sitze, die eine mir fremde Zeremonie durchführen. Ich spüre die heiße Feuchtigkeit, die mich überfällt. Mein Kopf brennt – darum senke ich ihn zwischen meine Knie (die heiße Luft steigt nach oben, so ist es nahe der Erde kühler). Meine Augen brennen, meine Zunge prickelt und ich frage mich, ob ich diese Hitze in den folgenden zwei Stunden aushalten werde.

Tatsächlich habe ich Angst ohnmächtig zu werden, da die Hitze langsam nicht mehr auszuhalten ist. Plötzlich erheben sich zwei Stimmen in der Dunkelheit, die des Doktors und die einer Frau, begleitet von einer Trommel. Sie singen, aber ich verstehe nichts. Das ist kein Spanisch. Ich frage mich, wie sie in dieser Hitze noch singen können! Ich habe Probleme zu atmen und kämpfe um nicht ohnmächtig zu werden. Ich konzentriere mich voll darauf nicht umzukippen. Die Gesänge dauern eine halbe Stunde.

Mein Körper ist schweißbedeckt und ich habe den Eindruck, dass ich schnell dehydriere. Die Schweißtropfen rinnen in meine Augen. Ich frage mich wie lange ich das noch aushalten kann. Da öffnet sich der Eingang und ich atme die frische Luft in vollen Zügen ein. Die erste Runde ist beendet, die Wiedergeburt war auf jeden Fall eine schmerzhafte und schwierige Erfahrung, die jedoch durch die frische Luft und das Licht, das in die Hütte dringt, entschädigt wird. Es geht mir besser und ich spüre neue Kraft. Zehn Minuten verstreichen und alle erholen sich ein wenig. Doch niemand verlässt die Hütte – das ist im Verlauf der Zeremonie nicht erlaubt. Es werden weitere heiße Steine gebracht und der Eingang von Neuem verschlossen. Es geht weiter.

Der Doktor streut pulverisierte Kräuter auf die glühenden Steine, was bunte Funken hervorruft. Ein magischer Effekt, der wunderschön anzusehen ist. Der „Taita“, der Doktor, fragt nach freiwilligen Vorsängern. Natürlich biete ich mich nicht an! Drei Personen melden sich. Das Lied, an das ich mich erinnern kann, ist das folgende, vorgesungen von meinem Sitznachbarn:
La Tierra es mi abuela, ella es poderosa (Die Erde ist meine Großmutter, sie ist mächtig)
El Agua es mi abuela, ella es poderosa (Das Wasser ist meine Großmutter, es ist mächtig)
El Fuego es mi abuelo, él es poderoso (Das Feuer ist mein Großvater, er ist mächtig)
El Aire es mi abuelo, él es poderoso (Die Luft ist mein Großvater, er ist mächtig).

Die Vier Elemente werden damit geehrt und der Mensch ist die Vereinigung von diesen Elementen. Ist eines dieser Elemente nicht vorhanden, ist Leben unmöglich.

Der Eingang öffnet sich von Neuem – frische Luft dringt ein weiteres Mal in die Hütte, ich fühle mich gut. Vielleicht habe ich mich an die Hitze gewöhnt? Die Jugend war einfacher zu überstehen, anders als zu Hause! Während der folgenden zehn Minuten verteilt der Doktor gesüßtes Wasser.

Der Eingang wird wieder verschlossen. Die Dunkelheit umfängt uns mit ihrem geheimnisvollen Mantel. Der „Taita“ gießt Wasser über die Steine, viel Wasser. Ich bekomme Angst, dass es zu heiß für mich wird. Meine Haut, meine Augen, einfach alles schmerzt. Ich bedecke mein Gesicht mit den Händen, aber die Hitze ist nicht auszuhalten. Hitzewellen steigen in meinem Körper auf. Ich fühle mich, als ob mich jemand ins glühende Feuer geworfen hat. Die Gesänge gehen weiter, ich zwinge mich, mich auf den Rhythmus der Trommel zu konzentrieren, um mich von meinem von Hitze gepeinigten Körper abzulenken. Die Leute singen, sie ehren die Pacha Mama (Mutter Natur auf Quechua). Ich glaube, ich werde mich auch bald mit der Mutter Erde vereinigen, da ich dabei bin meinen Kopf in der Erde zu vergraben! Am Rande einer Ohnmacht, sage ich mir, das war´s! Aber ich kämpfe, da mir bewusst wird, was für ein Glück ich habe an dieser Zeremonie am anderen Ende der Welt teilzunehmen.

Ein drittes Mal dringt Licht in die Hütte, begleitet von rettender frischer Luft. Ich stürze mich Richtung Eingang, wie alle anderen und wir atmen die frische Luft voller Enthusiasmus. Das Erwachsenenalter ist vorbei, wir treten in den Zyklus des Alters ein um zu sterben und wiedergeboren zu werden. Ein weiteres Mal wird es dunkel – aber dieses Mal ohne Gesänge und Dampf. Der Doktor fragt alle Anwesenden, ob sie etwas sagen möchten, bittet alle ihr Herz zu öffnen und ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Ich denke bei mir, dass das Alter ist: eine Zeit zum Vergeben, von ehrlichen Bekenntnissen, bevor man diese Welt verlässt.

Eine Frau ergreift das Wort – sie wünscht ein schönes Leben für ihre Eltern, ihre Schwester, die Kinder ihrer Freunde, ihre Großeltern…und während sie spricht, rinnen ihr Tränen über die Wangen. Sie wünscht sich sehnlich, dass es ihrer Familie gut geht, aber wie der Doktor erklärt hat, sind wir alle eine Einheit, Brüder und Schwestern auf dieser Welt: Wenn eine Person leidet ist das Gleichgewicht gestört und alle Welt ist betroffen. Ich höre die Gebete dieser Frau, während ich ausgestreckt auf dem Boden liege und den Kontakt der Erde mit meinem Körper spüre. Ich fühle mich etwas schmutzig, aber die Verbindung zur Erde gibt mir ein Wohlgefühl. Ich habe endlich die Philosophie des Temazcal verstanden: ich bin gestorben und zurückgekehrt auf die Erde, ich habe schwierige Momente während dieser Zeremonie durchlitten, aber jetzt fühle ich mich ruhig und entspannt. In zwei Stunden habe ich die vier Etappen meines Lebens durchschritten, begleitet von den vier Elementen. Die Erde ist mein Körper, Wasser mein Blut, Luft ist mein Atem und Feuer meine Seele.

Schließlich beginnen die Leute die Hütte zu verlassen: erst die Frauen, dann die Männer im Uhrzeigersinn. Ich muss einmal um das Loch mit den heißen Steinen krabbeln um zum Ausgang zu gelangen. Meine Wiedergeburt ist vollzogen. Ich lebe von Neuem, bin aus dem Bauch der Erde mit einem Gefühl des Triumphes wiedergekehrt.

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