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Kolumbien: Zeit des Erwachens

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Taxi fahren in Kolumbien, speziell in Bogota, das ist auch der Volksseele auf den zu Mund schauen. Wie die meisten Kolumbianer, sind Taxifahrer sehr gesprächig und wickeln ihren Gast schnell in ein Gespräch ein. So lassen sich Bogotas Staus gut ertragen, die Gespräche gehen über das Wetter, den Fußball, die Familie und die Staus. Und natürlich über Politik: Uribe ja, Uribe nein. Der Gast, speziell der ausländische erfährt schnell, dass dieser Präsident polarisiert. Es gibt die Uribistas (für Uribe) und es gibt die anderen.

Es gab die anderen! Denn seit dem elften Januar ist alles anders, das Land scheint nur Uribe Anhänger zu kennen. Ob vom Polo Democrático, Kolumbiens stärkster Oppositionspartei oder von Andrés Pastrana, Uribes Vorgänger im Amt und starken politischen Gegenspieler, bis hin zu der Obleas-Verkäuferin an der Straßenecke: alle befürworten Uribes Haltung.

Was ist passiert?

Unspektakulär ausgedrückt: das Fass ist übergelaufen. Den letzten Tropfen gab aus Caracas Hugo Chavez dazu, in dem er Kolumbien und die internationale Staatengemeinschaft aufforderte, die Guerillas FARC und ELN von der Liste der terroristischen Organisationen zu nehmen. Desweiteren erklärte er sich mit den politischen Zielen der FARC solidarisch und bereit sie zu unterstützen. Daher sagte er den Kolumbianern, dass gute Nachbarschaft nur bei Befolgung dieses Vorschlags möglich sei.

Das war den Kolumbianern zu viel. Am Vortag dankten ihm noch viele, hatten doch die FARC die langjährig entführten Clara Rojas und Consuelo Gonzales befreit und sie Chavez übergeben, der sich vor der Weltöffentlichkeit als erfolgreicher Vermittler präsentieren konnte.

Vergessen war die Show zwei Wochen vorher, in der eine internationale Delegation vergeblich auf die Übergabe der beiden nun freigelassenen und Emanuels warteten. Emanuel ist der in der Gefangenschaft geborene Sohn Clara Rojas, der, wie es sich später herausstellte nicht unter Obhut der FARC war. Er war fast 3 Jahre vorher Clara weg genommen und an eine Bauernfamilie gegeben worden. Diese sollten das schwer kranke Baby gesund pflegen, was ihnen aber nicht gelang. Sie brachten das Kind daher in ein Krankenhaus und das dortige Personal gab es, angesichts des kranken und verwahrlosten Zustands des Babies, der kolumbianischen Familienfürsorge, die, da die Eltern nicht auf zu finden waren, es unter ihrer Obhut nahm.

Der FARC Führung war dies unbekannt, stellten nun aber fest, dass sie den Jungen nicht übergeben konnten, starteten eine fieberhafte Suche nach ihm und verzögerten die Übergabe mit Verweisen auf angebliche Wetterverhältnisse oder Kampfeinsätze der kolumbianischen Truppen im geheimgehaltenen Gebiet.

Die große Show der sofortigen Übergabe platzte als die Regierung bekannt gab, dass die FARC das Kind wahrscheinlich nicht hätten. Ganz südamerikanisch ging sofort die Tirade der gegenseitigen Vorwürfe los. Um die billige Seifenoper perfekt zu machen behaupteten die FARC einen Tag lang, dass sie Emanuel hätten und dass dank der Lügen der Regierung die Welt nun damit leben müsste, dass es zwei Emanuels gäbe.

Während sich die Akteure auf der Bühne mit Schmutz bewarfen, ging unter, dass hier mit den Hoffnungen und Gefühlen der Angehörigen und der Gesellschaft gespielt wurde. Die Leidensfähigkeit der Kolumbianer wurde einfach überschätzt. Oberflächig schien es ein Wettspiel zu sein: wenn kommen die Geiseln frei, kommen sie überhaupt frei? Aber die Volksseele war müde. Fast mit Resignation wurde aufgenommen, dass DNA-Ergebnisse die Verwandschaft Emanuels zu Claras Familie fast bewiesen und dass die FARC zugab, dass das Kind in der Obhut der Familien Fürsorge doch Emanuel sei.

Taxifahrer kommentierten in diesen Tagen auffallend wenig und auch die Frau an ihrem Obleas Stand brachte nur die üblichen Höflichkeiten rüber.

Der zehnte Januar kam, die Befreiung von Clara und Consuelo war eine riesige Befreiung aus dieser Lethargie, die Hoffnung auf weitere Freilassungen keimten auf, Chavez war nun der große Magier, bei dem auch Uribe sich bedankte. Uribe? Die Kolumbianer vergaßen fast, dass es ihn gab, alle wollten sich nur auf die Freude der Wiederkehrenden konzentrieren. Es schien ganz so, als ob das kollektive Gedächtnis der Kolumbianer wieder im Glücksrausch verloren gehen würde.

Aber Chavez Aufruf bewies, dass die Show und das Auf und Ab der letzten Wochen zu viel waren. Was die Weltöffentlichkeit zum ersten Mal hautnah miterlebte, erleben die Kolumbianer seid Mitte der 80er immer wieder: die FARC und die Regierungen versprechen, machen Politik mit den Gefühlen der Menschen und am Ende steht jeder da wie vorher.

Je nach politischer Ansicht wurden über die Jahrzehnte entweder die Regierung oder die FARC beschuldigt nicht an einer Lösung des Konflikts interessiert zu sein. Die Zeiten vergingen, die Paras tauchten auf und die Welle der Gewalt drehte sich schneller. Die Guerillas FARC und ELN erhielten ihre Chance zum Dialog; davon übrig sind nur die immer wieder kurz vor dem Ziel scheiternden Verhandlungen zwischen Regierung und ELN und der Spruch vom leeren Stuhl. Damit assoziert jeder Kolumbianer das Bild des damaligen Präsidenten Pastranas, der vor einer riesigen Staatsflagge saß, alleine auf einer großen Bühne, vor ihm die Bewohner des Dorfes San José del Caguán und viele Waffen tragende Guerilleros, neben ihm eine Reihe weißer Plastikstühle die den ganzen Tag leer blieben, weil die FARC-Führung einfach nicht zum vereinbarten Gespräch erschien.

„La silla vacia“ – der leere Stuhl verkörpert die ohnmächtigen Bemühungen der Gesellschaft mit der FARC zu reden; sie sind Sinnbild des Misstrauens oder des fehlenden Interesses der FARC, sich diesem Volk, deren Armee sie vorgeben zu sein, zu stellen.

Hier haut Chavez nun einen Tag nach seiner glorreichen zur Schaustellung drauf und legt in jedem Kolumbianer die Wunde offen: das sind nicht unsere Kämpfer.

In den Tagen seit dem elften Januar hat sich die Stimmung ausgebreitet: Ende, Schluss mit dem Dornröschen Schlaf, wir sind als Gesellschaft gefordert. Beflügelt wurde dieses Erwachen von zwei Faktoren: Die ständigen Beleidigungen Chavez an Uribe und die von den befreiten Clara und Consuelo mitgebrachten Lebenszeichen acht weiterer Geiseln.

„Lebenszeichen“, dass sagen nun einheitlich die Taxifahrer und die Frau an ihrem Obleas-Stand, „sind das nicht. Das sind Zeugnisse der Verwesung!“

Die Briefe und Bilder belegen eindrücklich, dass diese Menschen im Dschungel wirklich verwesen, dass es eine Frage der Zeit ist, bis der Lebenswillen aus ihnen weicht.

Bilder die an Konzentrationslager erinnern zeigen abgemagerte Menschen mit Ketten um den Hals und Beine und Augen ohne Glanz. Briefe, deren Wörter aufrütteln:

„Für heute verabschiede ich mich mit unermesslicher Liebe und verspreche Euch, dass kein Ereignis uns abbringen kann von der Liebe und Zärtlichkeit, die wir füreinander leben. Im Guten und im Schlechten werden wir immer zusammen sein. Vielen Dank dass Ihr bei mir bleibt. Lebt das Leben voll und genießt wirklich alles und besonders das, was ich heute so vermisse: Meine Familie, ein gutes Bett zum Schlafen und gut zu essen. Ich liebe Euch!“ Major Enrique Murillo (seit dem 31.10.1998 entführt).

„Nicht der körperliche Schmerz lähmt mich, es sind der geistige Verfall, die Bosheit des Schlechten und die Gleichgültigkeit des Guten. Als wären wir nichts wert, als würden wir nicht zählen“ Coronel Luis Mendieta (seit 9 Jahren Geisel)

Kolumbien will nicht mehr Gleichgültig sein und diese Menschen jetzt frei haben. Sie als Asse einer Vereinigung benutzt zu sehen, die sich terroristischer Methoden bedient um nicht mehr terroristisch genannt zu werden, das ging doch über die kolumbianische Leidensfähigkeit.

So marschieren wir alle am 4 Februar in einer von unten, über das Internet organisierten Demonstration in ganz Kolumbien. Wir hoffen dabei, dass die Welt diese Menschen in ihr Bewusstsein ruft und ihre sofortige Freilassung fordert.

Politisch haben die FARC und ihre Befürworter in Kolumbien ausgespielt. Da sind sich alle Taxifahrer und auch meine Obleas Verkäuferin an der Ecke einig.

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