Südamerika Reisen mit viventura
030 6167558-0

wochentags 9-22 Uhr
Sprechen Sie mit einem Spezialisten

Peru: Und täglich grüßt der Guachiman

0 Flares 0 Flares ×

„Guachiman – I’m the man, the man, the man!…“ klingt der berühmte Hit der peruanischen Gruppe La Sarita aus dem Taxiradio und ich singe leise mit. Am Tor zu der Wohnsiedlung, wo sich unser Büro befindet, steige ich wie immer aus und laufe das letzte Stück. Unser „Guachiman“ steht wie jeden Morgen am Tor und grüßt mich mit einem freundlichen „Guten Morgen, Señorita!“.

„Wachmann der Nacht, sie nennen mich den Guachiman…“
Der Beruf des Wachmanns ist in den peruanischen Städten sehr weit verbreitet. Fast jede Wohngegend besitzt einen privaten Aufpasser, der für Recht, Ordnung und vor allem Sicherheit in der Gegend sorgen soll.

Alex ist 35 Jahre alt und arbeitet seit eineinhalb Jahren als Wachmann in dem Bezirk Arequipas, in dem auch unser Büro liegt. Sein Revier umfasst insgesamt 4 Häuserblöcke und zwei Durchfahrten und so wandert er stets umher, um jeden Winkel kontrollieren zu können.

So brauche ich eine Weile, um ihn zu finden. Nach kurzer Zeit entdecke ich den schwarzen Hund, der Alex auf Schritt und Tritt begleitet und schwanzwedelnd auf mich zukommt. Wie immer grüßt mich auch Alex freundlich und ist gerne bereit, mir etwas über seinen Beruf zu erzählen.

„Meine Aufgabe ist, die Autos in einem Wohnviertel zu bewachen…“
Seine Arbeit als Wachmann hat Alex in einem Einkaufszentrum begonnen. „Damals noch ganz schick mit Krawatte“, sagt er mit einem Lächeln. Während seiner Arbeit dort hörte er von Kollegen, die keine Einkaufszentren, sondern Wohnviertel bewachen. Dies klang für ihn wesentlich interessanter als vor einer Ladenzeile zu stehen, und so bewarb er sich bei einer Sicherheitsfirma, die von Nachbarschaften beauftragt wird, ihr Wohnviertel zu schützen. Er hatte Glück, denn es wurde genau in diesem Moment jemand für eine Wohngegend in Vallecito, einem an sich sehr sicheren und ruhigen Stadtteils Arequipa, gesucht. Aufgrund seiner militärischen Ausbildung wurde Alex auch direkt eingestellt und dreht seither seine runden rund um die Häuserblöcke der Wohnsiedlung.

Alex Dienst dauert von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends – ein 12-Stunden Tag, und das 7 Tage die Woche. „Man gewöhnt sich daran“, ist seine knappe Antwort als ich ihn mit ungläubigen Blick anstarre. Sein Kollege übernimmt die andere Schicht, von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens. Manchmal tauschen sie für einige Wochen den Dienst, so dass sein Kollege auch mal tagsüber arbeiten kann. „Beim Nachtdienst hat man schon sehr mit dem Schlaf zu kämpfen. Ich laufe dann eine Runde nach der anderen, um wach zu bleiben“.

Ferien gibt es in dem Beruf keine, sondern lediglich zwei freie Tage im Monat. Manchmal kann er diese Tage frei wählen, manchmal sagt die Sicherheitsfirma auch, dass sie für dieses Datum keinen Ersatz findet und er muss die Tage frei nehmen, die die Firma ihm zuteilt.

„Ich pfeife nicht nur, ich bin viel mehr…“
Das Erkennungsmerkmal des Guachimans ist die Trillerpfeife. Alex erklärt mir, dass diese zum einen als Kommunikationsmittel zwischen den Wachmännern dient, zum anderen aber vor allem als Erkennungsmerkmal. „Damit zeigen wir den Dieben, dass wir da sind. Das ist wie mit dem Wachhund. Wenn der bellt bricht auch keiner in das Haus ein.“

„Mich ärgern verschiedene Dinge, andere erfreuen mich mehr…“
Ich frage Alex, was ihn besonders an seinem Beruf gefällt. Ohne zu überlegen sagt er:“Der Umgang mit den Menschen!“ Die Menschen behandeln einen so, wie sie selbst behandelt werden, sagt er. Er selbst ist daher stets freundlich und hilfsbereit und freut sich, wenn Anwohner kurz stehen bleiben und sich mit ihm unterhalten. Während unseres kleinen Interviews grüßt Alex durchgehend Passanten, teilweise sogar mit Namen, erklärt anderen den Weg und hat immer ein Auge auf das, was um ihn herum passiert. Die meisten Nachbarn seien sehr nett, versichert er mir, und würden ihn ab und zu auf ein Cola oder Sandwich einladen. Da Alex während seiner Arbeitszeit keine Pause hat ist es die Aufgabe der Anwohner, ihn mit einem Mittagessen zu versorgen. Reih um ist jeder einmal dran, für Alex zu kochen.

Alex’ ständiger Begleiter ist der schwarze Hund Nero. Er gehört eigentlich einer älteren Anwohnerin, aber verbringt den ganzen Tag mit dem Wachmann. „So habe ich ein wenig Gesellschaft“, sagt Alex. Ab und zu sei es schon etwas langweilig, vor allem um die Mittagszeit, wenn kaum Personen auf der Straße sind. „Aber dann habe ich ja noch das hier!“ sagt er und klopft stolz auf die Brusttasche seiner Schutzweste, in der sich ein kleines Radio befindet. „Mit meiner Musik wird mir nie langweilig.“

Langeweile oder Einsamkeit sei aber nicht das Schlimmste an seinem Beruf. Schlimmer sei die Sonne und die Hitze. „Daher setze ich mich mittags mit einem Stuhl unter einen Baum, wo ein wenig Schatten ist und der Wind geht“. In dem kleinen Wachhäuschen könnte man es um diese Zeit gar nicht aushalten. Das sei wie ein Ofen. Wenn er etwas an seinem Beruf verbessern könnte würde er gerne einen kühlen Ort mit mehr Schatten haben, wo er die Mittagsstunden verbringen kann.

„Und sie zahlen, was ihnen gefällt…“
Auf die Frage, ob seine Bezahlung angemessen sei, schüttelt Alex heftig den Kopf. Er verdient gerade mal den peruanischen Mindestlohn, das sind ca. 120 Euro. Zwar arbeitet seine Freundin auch, aber sollten sie bald eine Familie gründen, würde das Geld nicht reichen. Er würde gerne den Beruf wechseln, aber er weiß nicht, was er anstelle des Wachdienst machen könnte. Es sei schwer für ihn, eine andere Anstellung zu finden, denn er hat keinen Beruf gelernt. Nach der Secundaria, vergleichbar mit der deutschen Oberstufe, ist Alex von der Schule gegangen und hat sich dem Dienst des peruanischen Militärs verschrieben.

„Ich bin Zeuge von Unanständigkeiten, auf ganz zufällige Weise…“
Seit er in der Wohngegend arbeitet ist glücklicherweise noch nichts Gefährliches passiert. Nur einmal musste er einen Dieb, der während eines Festes in eine anliegende Schule eingedrungen war, festhalten bis die Polizei kam. Ansonsten gibt es eher wenige kleinere Delikte, wie beispielsweise Betrunkene, die die Nachbarschaft ein wenig aufmischen. Diese fordert Alex dann freundlich auf, sich woanders hin zu begeben. Sollte er einmal Probleme mit den Delinquenten haben steht im der städtische Sicherheitsdienst sowie die Polizei mit Hilfe zur Seite.

Am Ende unseres Interviews zeige ich Alex den Text des Liedes von La Sarita. Er kannte es bisher noch nicht, findet es aber ganz treffend. Nur der Name „Guachiman“ für seinen Beruf findet er nicht ganz so schön. Er weiß, dass ihn viele Leute so nennen, aber er selbst bevorzugt lieber „Vigilante“.

Das Lied „Guachiman“ könnt ihr euch übrigens auf YouTube unter www.viventura.net/p/1311 anhören.

Share Button

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Viventura Reisen

viventura
viventura ist dein Spezialist für Rundreisen in Südamerika und bietet innovative Abenteuerreisen zu einem top Preis-Leistungs-Verhältnis. Dank einem Direktvertrieb und den exklusiven Büros vor ... weiterlesen

Folgen Sie uns!

Suche

Unsere bestbewertete Reise:

Peru Ecuador Galapagos

Tweets von @viventura_de

viExplorer

Peru Bolivien Chile

24 Tage, inkl. Flüge
3 Länder, Machu Picchu & Salzwüste
  • 3 Metropolen: Lima, La Paz, Santiago
  • Auf Inkapfaden nach Machu Picchu
  • Übernachtung bei Bauern am Titicacasee
  • Uyuni: Die größte Salzwüste der Erde

ab 4099 EUR