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Ecuador : Das Leben über den Dächern von Quito

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Eigentlich sollte es nur ein Treffen mit der neuen Koordinatorin des Hilfsprojektes „Para dar Esperanza“ werden. Stattdessen wurde es ein Ausflug in eine völlig andere Welt Quitos.

Meine Reise beginnt im modernen Zentrum Quitos und führt mich zunächst mit dem Metrobus in Richtung Norden bis zur Haltestelle Florida. Dort steige ich gemeinsam mit einem bunten Volk verschiedenster Ethnien in einen Bus nach Santa Maria, wobei mich schon hier ein gewisses Gefühl der „Andersartigkeit“ im Gegensatz zur Innenstadt ereilt. Nachdem der Bus erst einige Zeit weiter in Richtung Norden durch verschiedene Wohnviertel fährt, beginnt der Bus den Anstieg auf die Hänge des Vulkans Pichincha.

Wer auf dieser Fahrt einen Sitzplatz hat, kann sich glücklich schätzen. Der Bus quält sich mit voller Motorkraft eine steile, schmale und oft schlechte Straße hinauf. Es ruckelt und schwankt. Je höher wir den Berg erklimmen, desto leerer wird der Bus. Umso imposanter der Blick über Quito und die gegenüberliegenden Berge wird, desto trister wird der Anblick direkt vor den Fenstern des Busses.

Die Häuser stehen immer vereinzelter, die meisten sind in einem halbfertigen Zustand. Provisorische Lösungen bestimmen das Bild. Der Bus schwankt immer stärker, da die Straße immer größere Schlaglöcher aufweist. Und dann bin ich angekommen; angekommen in Santa Maria auf circa 3300 Höhenmetern, 500 Meter über dem Zentrum der Stadt.

Straßennamen gibt es hier keine. So bekomme ich auf der Suche nach dem richtigen Gebäude den ersten Kontakt mit den Einwohnern des Viertels. Die Leute sind freundlich, sehr hilfsbereit und ein wenig neugierig, wer diese Europäerin ist, die sich zu Ihnen verirrt hat. Erstaunlicherweise ist die zweite Frage, die ich zu hören bekomme: ¿Te gustan los negros? – Magst Du Schwarze? Dieses bringt sehr deutlich die soziokulturellen Besonderheiten des Viertels zum Ausdruck, in dem ein Großteil der Bevölkerung aus Afro-Ecuadorianern besteht.

Die Gegend um Santa Maria ist erst in recht junger Zeit bebaut worden. Als die Wohnviertel vom Nachbargebiet Cotocollao Alto sich ausbreiteten, wurden in den Jahren 1988-89 die ersten Flächen im heutigen Gebiet Santa Marias verkauft. Obwohl es keine Infrastruktur gab, weder Straßen, noch Strom, noch Abwassersysteme, wuchs das Viertel sehr schnell an. Viele Bewohner kommen ursprünglich aus ländlichen Regionen oder von der Küste. Es ist eine bunte Mischung von Indigenas, Farbigen und Mestizen.

Nachdem die neuen Bewohner selbstständig Ortsteile gründeten, trieben sie infrastrukturelle Verbesserungen ohne Unterstützung der Stadt voran. Durch diese Anstrengungen gibt es heutzutage zumindest einige gepflasterte Straßen, ein Abwassersystem, Strom und Telefon. Fließendes Wasser gibt es weiterhin nur bei Regen. Auch die Müllbeseitigung ist ein großes Problem: der Müll wird in eine Schlucht geworfen, die bereits stark verschmutzt ist. Zusätzlich wird das Viertel bei Regenfällen regelmäßig von Erdrutschen von den steilen Hängen heimgesucht. Es fehlt zudem an Schulen.

Als ich schließlich das Haus der Organisation „Para dar Esperanza“ finde und eintrete, fällt mein Blick sofort in die hinterste Ecke des Raumes. Dort sitzt ein kleines Mädchen mit Stühlen verbarrikadiert unter einem Tisch. Mit ihren Armen umklammert sie eng ihre angezogenen Beine. Sie schaut in meine Richtung und sieht dennoch durch mich hindurch. Ihr Blick ist klar, aber leer. Es ist Wendi.

Wendi ist fünf Jahre alt. Sie spricht so gut wie nie. Ihr erstes Wort hat sie mit drei Jahren gesprochen. Ihr Wortschatz ist beschränkt. Oft ist sie aggressiv, vor allem wenn ihr die Wörter fehlen um sich auszudrücken. Ihre Mutter hat die Familie verlassen. Der Vater hat sechs Kinder aus dieser Ehe und drei aus seiner Ehe davor. Die ganze Familie lebt insgesamt von 120 Dollar im Monat und teilt sich zwei Räume. Sie schlafen alle in einem Raum. Wendi teilt sich ein Bett mit ihrer Schwester.

Nachts hat sie oft Alpträume und nässt ein. Zur Körperpflege braucht sie Hilfe. Auch Kontakte zu Gleichaltrigen kann sie nur mit fremder Hilfe aufbauen. Sie sitzt da, inmitten aller anderer Kinder und ist doch weit weg. Sie lebt in ihrer eigenen Welt und sitzt direkt neben mir. Wendis Geschichte ist typisch für das Viertel Santa Maria. Viele Kinder haben ähnliche Geschichten. Häufig wohnen die Kinder nur mit ihrer Mutter zusammen, da die Väter unbekannt sind, im Gefängnis sitzen oder im Ausland arbeiten. Die Mütter müssen meist selbst für den Unterhalt ihrer Familie aufkommen, nicht wenige prostituieren sich. Die Kinder sind somit oft sich selbst überlassen und das Geld reicht selten zum essen.

Häufig ist es ein schlimmeres Los, wenn die Väter noch zuhause leben. Innerhäusliche Gewalt ist an der Tagesordnung. Wenn keine körperliche Gewalt ausgeübt wird, so doch häufig seelische. Die Spirale der Aggressivität greift auf diese Weise sehr schnell auf die Kinder über.

José ist eines von diesen Kindern. Er ist 14 Jahre alt und Afro-Ecuadorianer. In seiner Kindheit hat er viel Gewalt und auch Drogenabhängigkeit gesehen. Er ist als äußerst aggressiv bekannt. Obwohl er intelligent ist, kann er trotz Schulbesuch weder lesen noch schreiben. Es hat ihm keiner vorgelebt, dass dieses grundlegende Kenntnisse sind. Somit hat er dem Unterricht keine Beachtung geschenkt.

Er ist eines von 6 Kindern. Sein Vater ist unbekannt. Mit seinen 14 Jahren muss er schon zum Familienunterhalt beitragen. Jeden Tag geht er arbeiten: Steine schleppen. Obwohl er die Möglichkeit eines weiteren Schulbesuchs hätte, lehnt er diesen ab. Er hält es nicht für notwendig. Alle seine Freunde gehen arbeiten. Auch seine fünf Geschwister können trotz Schulbesuch weder lesen noch schreiben. Seine Schwester hat mit 13 Jahren ihr erstes Kind bekommen. Mit 15 Jahren hat sie angefangen als Hausangestellte zu arbeiten. Obwohl viele in der Hoffnung auf Besserung nach Santa Maria gekommen sind, wurden die meisten Bewohner in Perspektivlosigkeit gefangen.

Um den Menschen Kraft und Mut zur Änderung ihrer Lebenssituation zu geben, arbeitet das Projekt „Para dar Esperanza“ als Nachmittagsbetreuung mit den Kindern des Viertels. Es zeigt den Kindern unter anderem, dass Fähigkeiten wie lesen und schreiben, in der heutigen Zeit für ein besseres Leben unabdingbar sind. Doch ihr großes Ziel, eine Schule für das Viertel zu bauen, die auch für Ältere den Schulbesuch ermöglicht, ist ihnen aus finanziellen Gründen bisher nicht gelungen.

viventura unterstützt das Projekt „Para dar Esperanza“. Wer sich über die Möglichkeiten der Hilfe oder das Projekt allgemein informieren möchte, sei herzlich auf die folgende Internetseite eingeladen: visozial.org www.viventura.net/p/d229

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