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Peru: Die neue Highsociety

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Luisa Gutierrez Bustamante würde ich als Frau der Highsociety Perus bezeichnen. Bei unserem Interview lehnt sie sich gekonnt nach vorne und lässt Blicke auf ihr Perlenkollier zu. Ihr Haus steht in einer der besten Gegenden Arequipas, Challapampa, und wird von einem Wachservice abgesichert. Dies ist auch nötig wenn man den Luxus hier betrachtet: ein Swimmingpool, Haute couture, zwei europäische Autos und wertvolle Gemälde an der Wand. Diese Frau ist meines Erachtens ein Paradebeispiel der reicheren Schicht eines Entwicklungslandes.

Die Einkünfte ihres Mannes Carlos erlauben der Familie eine private Gesundheitsversorgung, Privatschulen und -Universitäten für ihre Kinder und Auslandsreisen. Denn die Mütter der reicheren Schicht sind gewöhnlich ‚Hausfrauen’, der Vater hat ein hohes Amt inne, ist Doktor oder Privatier, wie im Falle dieser Familie. Nicht arbeitend, schlägt die Dame des Hauses ihre Zeit mit Sprachkursen tot und pendelt zwischen Wellness-Centern, Kosmetikern und anderen Aktivitäten, um sich zu verschönern oder zu kultivieren. Doch natürlich dreht es sich auch um das Wohlbefinden der Kinder, die oft, trotz fortgeschrittenen Alters, noch unter demselben Dach hausieren.

Wie in vielen Ländern Südamerikas, so steht der soziale Unterschied zwischen den Reichen und den Armen in Peru viel mehr im Vordergrund als etwa in Europa. Ist es hier möglich mit 2$ US täglich zu überleben (etwas Unbegreifliches in Deutschland!), so schämt sich die Highsociety Perus hingegen nicht, ihren finanziellen Status oder ihr Erbe zur Schau zu stellen. Es ist wahrzunehmen, dass die westlich orientierte Gesellschaft ihre andine Folklore für den Luxus eines amerikanischen Autos oder französischer Kosmetik aufgibt, um sich von der Arbeiterklasse zu distinguieren.

Familie Gutierrez besitzt ein Ferienhaus an der Küste Perus mit mehreren Angestellten, Pool und Meerblick. Naiv wie ich bin, ging ich bei einer Einladung ihrer Kinder vor einigen Wochen davon aus, dass wir am Strand zelten werden, uns Fische angeln und diese abends gemütlich am Strand grillen…der hippy-hippy-shake eben. Aber nichts da! Anstatt zu campen, fand ich mich in einem Haus der absoluten Luxusklasse wieder, wo ich mittags zu Tisch gebeten und meine Kleidung täglich von einem der Hausmädchen von Hand gewaschen wurde (für eine Waschmaschine scheint das Geld dann doch nicht zu reichen).

In Peru sind alle Strände für die Öffentlichkeit zuständig, da besagt zumindest das Gesetz. Deswegen habe ich mich auch sehr gewundert, warum die Strände namens Asia am Pazifik, etwa 100km südlich von Lima, zuvor inoffiziell nur für die reiche Schicht reserviert wurden. Diese Strandabschnitte werden von einem Posten überwacht und gegen „illegalen“ Zutritt durch Schranken abgesichert. Obwohl Carlos Gutierrez sich durchaus auch an diesem Strand sehen lässt, echauffierte er sich sehr über die hiesigen Zustände. Er berichtete mir aufgewühlt, dass den Hausmädchen (criadas) der Zutritt z.B. nicht gewährt wurde.

Doch am 28. Januar 2007 vereinigten sich mehr als 700 Personen (darunter auch über 100 Freiwillige der Organisation Amnesty International) unter dem Namen Operativo Empleadas Audaz (zu Deutsch etwa: Operation der gewagten Haushaltshilfen), um ihre Rechte an diesem Ort einzufordern, der auch als „Andean Malibu“ bezeichnet werden könnte. Sie demonstrierten gegen die Apartheid und forderten die Einhaltung der nationalen Gesetze. Denn dieser Ort steht symbolisch für die privilegierten Rechte der reichen Weißen, welche mehr oder weniger sonnengebräunt ihre Kinder zur Mittagsstunde an ihre Nannies abschieben, um in Ruhe ihrem Müßiggang nachgehen zu können. Nahezu alle indigen Hausangestellten, die eine Uniform und Schürze tragen, ziehen die Nachkommen der Elite groß, ohne dabei selbst das Recht zu haben, baden zu gehen und dieselben Vorzüge zu genießen. Susana Villaran, frühere Ministerin der Frauenrechte und der sozialen Entwicklung in Peru, meinte hierzu: ?Dass es einer Hausangestellten nicht erlaubt wird, am selben Strand zu schwimmen, wie den Kindern, mit denen sie arbeitet, ist ein Zeichen der Diskriminierung und Ausbeutung“. Auch Ruth, das Kindermädchen der Gutierrez, erzählte mir kleinlaut, was sie damals vor einem Jahr dort erlebt hat: „Eines Abends nach der Arbeit wollte ich ein wenig am Strand abschalten, doch mir wurde der Zutritt verweigert, obgleich ich hier jeden Nachmittag mit den Enkelkindern von Frau Gutierrez gespielt habe“. Seit dem Aufstand hat sich die Situation in Asia aber zunehmend verbessert.

Auf der Suche nach Informationen über die Highsociety Perus, zu der auch Frau Gutierrez gehört, begebe ich mich an einen Ort der Anbetung des Konsums, mit der Absicht mir ein Bild der Unterschiede, die es innerhalb der Bevölkerung Arequipas gibt, zu machen. Wenn ich von Kaufhäusern spreche, um dadurch den sozialen Status der Einwohner zu analysieren, kommt das daher, dass ich im Dezember ein Phänomen erlebt habe: die Eröffnung des Supermarkts Plaza Vea. Die Einweihung dieses Konsumtempels war ein Wendepunkt, sowohl ökonomisch als auch hinsichtlich der Modernität: das Angebot ist sehr vielfältig, relativ preisgünstig und damit ein sehr beliebtes ‚Ausflugsziel’ für die Arequipeños.

Hier finden sich Produkte, die man bisher in den restlichen Teilen des Landes, außer in Lima, vergeblich gesucht hat: die neuste Technik, Schweizer Schokolade, Brie und deutschen Schinken. Über eine Woche vergab die Stadt Besuchstermine am Eingang – ich bin mir sicher, die Mehrheit hätte auch Eintritt dafür bezahlt. Schon eine Stunde vor Ladenöffnung reihten sich die weisen Käufer in einer Schlage vor der Filiale, um Zugang zu all den trendy, unbekannten und exklusiven Produkten zu erhalten, die zu einem großen Teil aus Europa oder den USA importiert wurden. Auch ich stellte mich brav in die Schlange, um mir endlich nach monatelangem Verzicht wieder etwas zu gönnen.

Als Kult des Massenkonsums dachte ich bisher, dass die Anzahl der Super- und Megamärkte für die Größe einer Stadt sprechen. Im Süden Deutschlands, in einer Stadt namens Schopfheim, teilen sich z.B. 19.000 Einwohner 7 Supermärkte, die mit allem was das Herz begehrt, ausgestattet sind. Man findet nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Kleidung, Drogeriebedarf und Floristen in einem Gebäude. Doch in Arequipa kommen auf eine Million Bewohner nur insgesamt fünf Supermärkte und gerade einmal ein Shoppingcenter, welche auch Luisa Gutierrez gerne besucht. Die Nachfrage ist groß, das neue Geld will ausgegeben werden, schon in den kommenden Monaten sollen noch 3-4 weitere Zentren eröffnet werden. Leider bleiben aber viele Produkte für einen großen Teil der Bevölkerung unerreichbar und so kommen sie nur, um die gefüllten Regale zu bestaunen. Obwohl Plaza Vea alle Gesellschaftsschichten zusammenführen möchte und das Ziel ist, allen ohne Unterschied den Zugang zu den Produkten zu ermöglichen, so ist die Situation doch schwierig. Ich bin mir bewusst, dass sich die reichen Arequipeños, wie Luisa, nur selten mit den Personen mischen, die nicht zur gleichen Schicht gehören. Darüber hinaus bevorzugt die Unterschicht schon allein des Preises wegen die kleinen Tiendas in den Vororten, ähnlich der Tante-Emma-Läden oder die Markthallen mit frischen Produkten. „Plaza Vea“ Ich muss zusehen, dass ich mit meinem Verdienst von 100 Dollar monatlich über die Runden komme“ erzählt mir Jorge, ein Taxifahrer, gestern auf dem Weg zum Supermarkt. Er hat übrigens Medizin studiert.

Alan Garcia, seit dem 28. Juli 2006 erneut Staatspräsident Perus, fokussiert sich auf die Sozialpolitik, mit der Absicht die großen Ungleichheiten im Land zu reduzieren und ein attraktives Umfeld für ausländische Direktinvestitionen zu schaffen. Die Armut hat sich in den letzten 20 Jahren nicht weiter ausgebreitet, doch die Oberklasse ist gewachsen, was eine Bereicherung für das Land bedeutet. Jedoch lebt fast die Hälfte der peruanischen Einwohner immer noch von 2 Dollar pro Tag und 20% der Bevölkerung unter der absoluten Armutsgrenze von 1 Dollar täglich (Quelle: www.inka-ev.de. Man kann nicht leugnen, dass die Zunahme des Wohlstands in Peru ein Erfolg des Wirtschafts-Insiders Präsident Garcias und seinem Vorgänger Alejandro Toledo ist. Doch der Nebeneffekt dieser Politik war die Expansion der so genannten „neuen Reichen“.

Und genau an diesem Punkt bemerkt man auch den Aufschwung besonders in Arequipa: es wird konsumiert, gebaut und angelegt. Jetzt ist der Zeitpunkt sein Kapital gewinnbringend zu investieren und den Aufwärtstrend zu nutzen, doch dies gelingt wiederum nur dem Teil der Bevölkerung, der schon zuvor in der Lage war, ein gewisses Startkapital zur Seite zu legen. Letztendlich sind die, die am meisten von der Bereicherung des Landes profitieren, auch die, die zur Elite gehören.

Vielen Peruanern, wie z.B. den Gemeinden am Titicacasee, schlagen täglich die sozialen Unterschiede mit voller Wucht ins Gesicht. Seit ich hier lebe, habe ich viele Menschen unterschiedlicher Schichten getroffen. Durch die Interviews mit Luisa Gutierrez, dem Kindermädchen Ruth, dem Taxifahrer und durch meine Reisen an den Titicacasee, bemerkte ich von Glück sagen zu können, dass wir in Deutschland freien Zugang zu Bildung haben, über fließend Wasser und Strom verfügen und uns die Möglichkeit geboten wird, unsere Zukunft zu gestalten. Doch vor allem stellte ich fest, dass ich hier ein Teil der Wohlhabenden bin…denn vor meinem Leben in Peru war mir nie bewusst, dass ich Part der wohlhabenden Klasse bin.

Lena Bühler und Morgane Sauret – Arequipa, Peru

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