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Verprügelt von den Straßen São Paolos: Brasilien während der WM

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Brafus berichtet für viventura von der WM2014 in Brasilien

Die Welt schaut nach Brasilien während der WM. Bereits vor der Eröffnung hat die Weltöffentlichkeit die Proteste der Menschen wahrgenommen, die kaum selbst eine Eintrittskarte erwerben können, aber fürchten, dass sie die Last des Großereignisses schultern müssen. Ein Beitrag für viventura von dem Team von Brafus2014.de – Birte Fuchs, Christian Frey und Kai Schächtele. 

 

 

São Paulo, den 11. Juni

Brafus berichtet für viventura von der WM2014 in Brasilien

Liebe Freunde von Viventura, im Moment, in dem wir Euch diesen Brief schreiben, sitzen wir in einem kleinen Zimmer im Herzen São Paulos. Birte bereitet unter dem kalten Licht einer Energiesparlampe die Untertitel vor für Videoclips für unseren nächsten Beitrag. Christian wählt die dazu passenden Fotos aus und auf der Straße vor dem Balkon, der Avenida 9 de Julho, einer der Hauptverkehrsadern der Stadt, fahren auch nachts um halbzwölf noch Busse, Motorräder und Autos entlang wie andernorts zum besten Berufsverkehr. Nach unserer ersten Woche in Brasilien können wir sagen: Wir sind angekommen, in vielerlei Hinsicht.

Wir haben unser Quartier seit gestern bei Nicolão und Diego aufgeschlagen, zwei Studenten der Universidade de São Paulo. Wir haben das Prinzip unserer Reise ja Crowd Travelling genannt. Wer unser Projekt sympathisch findet und uns dabei helfen möchte, dass wir es bis zum Finale nach Rio schaffen, kann uns auf vielfältige Weise unterstützen. Diese Unterstützung kann auch darin bestehen, uns einen Platz zum Schlafen zu geben.

Nicolão und Diego waren nicht nur so nett, uns bei sich aufzunehmen (vielmehr, wenn man es genau nimmt, Mauro, der für die Zeit unseres Aufenthalts sein Zimmer geräumt hat und zu seiner Freundin gezogen ist). Sie haben uns auch gleich zu Beginn gesagt, dass wir uns bitte wie zuhause fühlen sollen und bleiben können, solange wir wollen. Für uns ist das aus mehreren Gründen ein großes Glück. Zum einen entlastet das unsere Reisekasse, zum anderen, und das ist noch viel wichtiger, haben wir so Gelegenheit, hinter die Fassade der nun beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft zu blicken. Nicolã und Diego zum Beispielwerden sich, obwohl sie große Fußballfans sind, an den Protestaktionen der kommenden Tage beteiligen und wir werden sie dabei begleiten.

Genau das war und ist der Sinn dieser Reise und deshalb nehmen wir ihr auch gern in Kauf, dass wir nachts das Gefühl haben, weniger neben als auf der Avenida 9 de Julho zu schlafen, und am Morgen vor lauter Verkehrslärm aufwachen, als seien wir von der Straße verprügelt worden.

Wir sind in den vergangenen Tagen oft gefragt worden, ob man trotz aller Proteste gegen die Auswüchse dieser WM so etwas wie Euphorie oder Vorfreude merken würde. Tatsächlich herrscht hier im Moment eine eigenartige Atmosphäre. Es gibt natürlich jede Menge Geschäfte und Verkaufsstände auf der Straße, die gelb-grün-blaue Trikots, Perücken und Sonnenbrillen ins Sortiment aufgenommen haben. Ein bisschen wirkt es so, als stünde keine Fußball-WM an, sondern die Faschingssaison. Nur: Kaum ein Brasilianer möchte sich im Moment verkleiden. Warum, hat viele Gründe. Einen hat uns am vergangenen Freitag Maria Natália Silva de Jesus genannt. Bei ihr waren wir auf einen Teller Suppe eingeladen.

Natália ist im Bundesstaat Minas Gerais aufgewachsen, weit weg von den Metropolen. Mit fünf Jahren konnte sie bereits reiten und schwimmen, aber mit zwölf Jahren hat sie ihre erste Sandale getragen. Bis dahin ist sie barfuß durchs Leben spaziert. Sie schlief auf Strohmatten. Oft wachte sie mit Hunger auf. Den Ton für die Töpfe musste sie mit den anderen aus der Erde graben. Alles, was die Menschen für ihr Leben gebraucht haben, haben sie in ihrem Dorf hergestellt. Von Städten, in denen man einkaufen kann, wusste sie nichts. Damals dachte Natália, sie seien arm. Heute weiß sie, dass ihr diese Kindheit eine tiefe Verbindung zu ihrer Umwelt mit auf den Weg gegeben hat.

Natália hat einen klaren, unaufgeregten Blick auf die Welt. Nach ihrer Wahrnehmung trauen sich viele Landsleute nicht, zu zeigen, dass sie sich bei allem Ärger auch freuen auf dieses Turnier: „Naja, ich glaube einige Leute haben wirklich Angst zu zeigen, dass sie sich darüber freuen, dass die WM hier stattfindet. Sie haben Angst wegen der Demonstrationen, weil überall in der Stadt Plakate hängen, auf denen steht: Es wird keine WM geben! Es wird keine WM geben! Wie also soll eine Person, die sich freut, angesichts dieser Bewegungen ihre Freude zeigen? Ich halte das für ein bisschen gefährlich.“

Wir sind sehr gespannt, wie sich die kommenden Tage entwickeln werden und ob die Brasilianer ab Ende dieser Woche doch noch in Gelb-grün-blau durch die Straßen ziehen werden.

So, nun aber, da Mitternacht bereits vorüber ist, müssen wir wieder zurück an unsere Arbeit. Auf der Suche nach der Seele Brasiliens hatten wir vor zwei Tagen ein sehr besonderes Erlebnis. Und davon wollen wir so bald wie möglich unseren Bloglesern berichten. Schauen Sie doch auch vorbei. Ein Tipp: Halten Sie Ausschau nach Tag 5.

Mit herzlichen Grüßen nach Deutschland,

Birte Fuchs, Christian Frey und Kai Schächtele

 

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Der Autor:

Benno Schmidt

Benno
Als Marketeer bei viventura schreibe ich am liebsten über meine drei Lieblings-K aus Südameri-K: Kurioses, Kulturelles und Kulinarisches. Meine Liebe zu Lateinamerika habe ich auf einer ... weiterlesen

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