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Viva Argentina – im etwas anderen Sinn

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Buenos Aires in diesen Tagen, ein live-Bericht von Christoph Albrecht

Eigentlich wollte ich nur das Weihnachtsfest gemeinsam mit meiner Familie bei unserer Verwandtschaft in Argentinien verbringen und davor noch einige Tage in einer der schönsten und momentan wirklich lebhaftesten Städte der Welt verweilen. Bis zu der Nacht vom 19. auf 20. Dezember war von der angespannten Situation in Argentinien bis auf einige Streiks und Kundgebungen vereinzelter Interessengruppen, wie etwa Busfahrer, Taxifahrer nicht viel zu spüren, das Leben schien normal weiterzulaufen, doch dann eskalierte es.

Angefangen hat alles mit einer friedlichen Kundgebung, die Menschen gingen mitsamt ihren Kindern auf die Straßen, um auf die Töpfe zu schlagen, zu singen, und somit ihre Abneigung gegen die Politik des damaligen Präsidenten de la Rúa zum Ausdruck zu bringen. Allerdings musste ich dann hautnah miterleben, wie diese „cacerolas“ (Topfdemonstrationen) zu einer Straßenschlacht wurde, bei der die Polizei Tränengas, Gummi- und Leuchmunition einsetzte und die Demonstranten mit Steinewürfen antworteten. Buenos Aires befand sich ab dieser Nacht im Ausnahmezustand, Plünderungen, Straßenschlachten, Verwüstungen und selbst Todesopfer waren zu beklagen.
Aber warum ist das Land so tief abgerutscht?

Argentinien hat eine immer weiter anwachsende Armut, die Arbeitslosigkeit hat sich immer weiter gesteigert und die Wirtschaft kämpft seit 4 Jahren verzweifelt gegen die andauernde Rezession. Dazu ist der seit 10 Jahren eins zu eins an den Dollar gekoppelte Peso völlig überbewertet und schwächt somit auch noch die eigene Wirtschafts- und Kaufkraft. Zudem steht Argentinien vor dem finanziellen Bankrott, denn das Land hat 132 Milliarden US$ Auslandsschulden und ist nicht mehr in der Lage, diese Schulden in irgendeiner Form zu begleichen. Dies alles hat die Regierung de la Rúa veranlasst, einen knallharten Sparkurs zu führen, das bedeutete zum Beispiel die Einschränkung, dass jeder Argentinier nicht mehr als 2000 $ pro Monat abheben durfte. So wollten sie die Krise bewältigen und an den vom IWF – Internationaler Währungsfonds – eingefrorenen Kredit wieder herankommen.

Allerdings wurde der Druck von der Straße gegen diese Politik immer größer, und so versuchte die Regierung de la Rúa mit der Verhängung des Ausnahmezustandes die Proteste einzudämmen. Das Gegenteil trat ein, und die Situation eskalierte an diesem 20. Dezember 2001. Es führte sogar dazu, dass sich Argentinien an den Rand einer Anarchie begab. Die Präsidenten traten zurück, daraufhin wurden wieder neue gewählt und auch diese waren dem Druck der Bevölkerung nicht gewachsen und mussten wieder ihren Hut nehmen. So musste der nur eine Woche amtierende Übergangspräsident – der Nachfolger von de la Rúa, der am 20. Dezember nach den Straßenkrawallen sein Amt niederlegte – Rodrigez Saá seinen Stuhl für einen Neuen räumen. Und so wurde dann in der Neujahrsnacht Eduardo Duhalde zum fünften Staatschef des krisengeschüttelten Landes innerhalb weniger als 2 Wochen gewählt.
Für ihn bedeutet der finanzielle Bankrott Argentiniens wohl das Ende des marktwirtschaftlichen Modells, und es dürfte wieder eine Rückkehr zur Vergangenheit mit Protektionismus, Staatswirtschaft und Preiskontrollen geben, um somit wieder Arbeitsplätze zu schaffen. Ebenso steht unter seiner Amtszeit der Abwertung des Peso nicht mehr viel im Wege, um die Balance Wirtschaftskraft und Währung wieder mehr in das Gleichgewicht zu bekommen.

Aber was sind die Auswirkungen für den Tourismus der Bilder, die jetzt schon seit gut zwei Wochen über die Bildschirme der Welt flimmern?

Ich kann da nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten, die ich in den letzten drei Wochen in diesem Land machen durfte.
Nach meiner Woche in Buenos Aires bin ich ungefähr 10 Tage durch das Land gereist, war an der Atlantikküste, in Cordoba und Umgebung und zu guter letzt wieder in Buenos Aires. Sobald man sich außerhalb vom Zentrum, Plaza de Mayo und der gleichnamigen Avenida, von Buenos Aires befand, spürte man nahezu nichts mehr von den Auseinandersetzungen. Das einzige, was sichtbar bleibt, ist die Verbitterung und die hochkommende Verzweiflung der Menschen, die nicht mehr verstehen, was mit ihrem großartigen Land passiert.
Sie verfolgen wie gebannt die Bilder auf den Fernsehern in den Cafes oder halten einfach an einem Zeitungsstand an und studieren kurz die neuesten Schlagzeilen. Aber ansonsten geht nahezu alles seinen gewohnten Gang. Die Menschen gehen in Restaurants, feiern Weihnachten und Silvester, gehen ans Meer und machen dort Urlaub. Alles nur eine Nummer kleiner, denn die 2000 $ pro Monat lassen keine großen Sprünge mehr zu, und zudem müssen sie für ihr Geld auch noch vor den Banken Schlange stehen. Fas ist sicherlich auch ein Bild, das Argentinien gerade prägt; Anstehen für sein Geld.
Man kann nur hoffen, dass sich jetzt mit dieser neuen Regierung die Situation entschärft, so dass die Menschen langsam wieder zur Ruhe finden und dieses Reiseziel nicht mehr mit solchen Schreckensnachrichten wie in den letzten 2 Wochen in den Schlagzeilen steht.

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