Südamerika Reisen mit viventura
030 6167558-0

wochentags 9-22 Uhr
Sprechen Sie mit einem Spezialisten

Bolivien – Krise vorbei?

0 Flares 0 Flares ×

Situation in Bolivien
Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas und der durchschnittliche Verdienst der in der Mehrheit indigenen Bevölkerung liegt bei rund 70 Euro im Monat. Auch die Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind ein großes Problem mit weit über 20%. Die Bevölkerung wächst um einiges schneller als die bolivianische Wirtschaft, Auslandsschulden gibt es schon sehr hohe, so dass hier auch kein Spielraum mehr ist. 70% der Kinder sind unterernährt – und dann kommt der Internationale Währungsfond an und fordert, den Gürtel noch enger zu schnallen.

Bolivien in den Fängen der USA
Seit Jahrzehnten ist der Druck des ‚Herrschers über den Kontinent‘, der Vereinigten Staaten, auf Bolivien wie auf andere Länder Lateinamerikas sehr hoch. Die Amerikanische Botschaft in La Paz ist nicht an Überdimensionierung zu übertreffen. Man könnte meinen, es sei ein Hochsicherheitsgefängnis; so sieht es zumindest von außen aus. Während der Proteste war jedoch im Gebäude nicht viel los, da sich die wichtigen Leute im Büro vom jetzt Ex-Präsident Sanchez de Lozada aufhielten. Sie waren in praktisch alle Entscheidungen einbezogen, die in den letzten Tagen unter Sanchez getroffen wurden. Glaubt man unabhängigen Berichterstattern, dann ging es einmal mehr darum, die Aufständischen still zu bekommen und nicht um ein Anhören der Bedenken. So sollen US-Agenten vorgeschlagen haben, gegen die demonstrierenden Bauern vom Altiplano Rekruten aus dem Tiefland einzusetzen, da diese weniger Skrupel hätten, hart durchzugreifen.

Als dies in Zeitungen berichtet wurde, hat niemand dementiert, sondern die entsprechenden Blätter wurden konfisziert. Aber warum haben die USA dieses Interesse an der schnellen Beendigung (auf welche Weise auch immer) der Proteste? Sie selbst haben eine Mitschuld an der Situation, denn die Innenpolitik wurde in den letzten Jahren größtenteils von den USA bestimmt. Es geht hauptsächlich um die Bodenschätze – Bolivien hat sehr große Gasvorkommen, daneben auch Erdöl. Und um Drogen. In Bolivien wird schon ewig Koka angepflanzt, für die Indigenas ist das eine fast heilige Pflanze, deren Blätter medizinisch und rituell genutzt werden – es ist einfach völlig normal. Die Drogenmafia stellt leider Kokain her und die Kleinbauern bekommen dafür sehr gute Preise. Die Vereinigten Staaten hatten gefordert, dass irgendwann kein Koka mehr angebaut wird, jedoch werden die Bauern nichts anderes anbauen, solange sie dafür nicht die gleichen Einnahmen haben.

Portrait Carlos Mesa
Im stark polarisierten Krisenland Bolivien ist Carlos Mesa eine der wenigen „öffentlichen Personen“, die von links und rechts, von Arm und Reich respektiert werden. Der neue Präsident des südamerikanischen „Armenhauses“ ist ein angesehener Journalist, Geschichtswissenschaftler, Medienunternehmer und Schriftsteller. Der 50-jährige Intellektuelle machte erst dieser Tage seinem Image als „Saubermann“ alle Ehre, als er nach der brutalen Unterdrückung der Volksproteste der Regierung seine Unterstützung bedingungslos entzog.

„Mesa ist allgemein beliebt“, weiß die Journalistin Gloria Carrasco. Sein bislang einziger bekannter Nachteil: Er ist politisch sehr unerfahren. Erst 2002 wagte Mesa sich aufs glatte Parkett der Politik. Bevor er die Einladung des konservativen Gonzalo Sánchez de Lozada für die Vizepräsidentschaft annahm, war er auch von linken Kandidaten sondiert und hofiert worden. Bei seiner Amtsantrittsrede hatte Sánchez de Lozada im August 2002 betont, er habe Mesa zum „Fahnenträger des Kampfes gegen die Korruption“ gewählt. Der Inhaber des 1990 gegründeten Fernsehsenders „Red de Televisión PAT“ entzog Lozada erst am vergangenen Montag seine Unterstützung. Schon vorher hatte er aber seine politische Unabhängigkeit unter Beweis gestellt, als er mehrere Entscheidungen des Präsidenten kritisierte. Mesa präsentierte sich dabei oft als „Antipolitiker“. „Die politischen Parteien haben (in Bolivien) zur Machterhaltung ein geschlossenes und korruptes System aufgebaut, das sehr große Teile der Bevölkerung ausschließt“, klagte er jüngst. Die bolivianische Gesellschaft fordere Transparenz und Legalität.

Gemäß Verfassung darf Mesa nun die Amtszeit von Lozada bis 2007 erfüllen. Genug Zeit, um jene wenigen Kritiker zum Schweigen zu bringen, die ihm „eine große Redekunst, aber wenige konkrete Taten“ vorhalten. Die von den Bauernführer geführte Opposition wird von ihm aber auf jeden Fall die Einrichtung einer Verfassung gebenden Versammlung und die Unterbrechung der Erdgasexporte zu „Schleuderpreisen“ fordern. (dpa)

Portrait Evo Morales
Für das bolivianische Establishment ist Evo Morales der Staatsfeind Nummer eins: Kokabauer, Indio, Marxist, Gewerkschafter und notorischer Aufrührer. Geboren am 26. Oktober 1959 in einem bitterarmen Dorf der südlichen Provinz Oruro, musste Morales die weiterführende Schule abbrechen. Spanisch spricht er bis heute nur schlecht. 1982 kostete ihn eine Hungersnot im Hochland fast das Leben.
Er floh in den Chapare, das Kokaanbaugebiet, wo er Bekanntschaft mit den kämpferischen Bauerngewerkschaften machte. Rund 40.000 Familien leben im subtropischen Chapare vom Verkauf der Kokablätter, die in Bolivien u.a. als Tee konsumiert werden, aber auch den Grundstoff für die illegale Herstellung von Kokain liefern. Morales war bei Streiks, Demos und Straßenblockaden dabei. Unzählige Male saß er deshalb im Gefängnis – einmal auch auf Anweisung von Gonzalo Sánchez de Lozada, der von 1993 bis 1997 schon einmal Präsident war. Gefoltert habe man ihn, sagt der Abkömmling von Quechua- und Aymara-Indianern.

Doch all das hat dem Kuba-Bewunderer seine sozialistischen Ideen nicht ausgetrieben und seine Popularität nur erhöht. Vor allem bei denjenigen, die 60 Prozent der bolivianischen Bevölkerung ausmachen, aber nahezu ohne politischen und wirtschaftlichen Einfluss sind: den Ureinwohnern. 1992 wurde er Vorsitzender der Kokabauern-Gewerkschaft, 1997 mit 70 Prozent der Stimmen seines Wahlbezirkes zum Kongressabgeordneten gewählt. Im Parlament tat sich Morales‘ Partei vor allem mit heftiger Kritik an der neoliberalen Wirtschaftspolitik der Regierung hervor, warf ihr US-Hörigkeit vor, forderte die Verstaatlichung der Grundstoffindustrien, die Rückkehr zum Agrarstaat und zur Autarkie. Die Regierung warf ihm „reine Obstruktionspolitik“ vor: Nie habe er die demokratischen Spielregeln akzeptiert oder Interesse am Dialog gezeigt.
Morales selbst zeigte sich nur selten in La Paz, reiste lieber durch die Weltgeschichte – zuletzt nach Libyen – und schuf ein länderübergreifendes Netz der Kokaproduzenten. Er scheute sich nicht, die Kokabauern zum Widerstand gegen die gewaltsame Ausrottung der Kokasträucher durch die Regierung aufzurufen.

Das kostete ihn vor eineinhalb Jahren sogar seinen Parlamentssitz. Wegen unethischen Verhaltens – vor allem aber auf Druck der USA – wurde Morales ausgeschlossen, nachdem aufgebrachte Bauern mehrere Sicherheitskräfte umgebracht hatten. Vor der Präsidentenwahl 2002 drohte der US-Botschafter gar mit Entzug der Entwicklungshilfe, sollten die Bolivianer einem „Verbündeten der Drogenmafia“ ihre Stimme geben. Dennoch zog Morales in die Stichwahl ein, unterlag aber knapp seinem Erbfeind Sánchez de Lozada
(Aus www.derstandard.at)

Portrait Gonzalo Sanchez de Lozada
Eigentlich wollte Gonzalo Sánchez de Lozada als „Modernisierer“ in die Geschichte Boliviens eingehen. Der 73-Jährige Unternehmer und Großgrundbesitzer wird aber im Armenhaus Südamerikas als jener Staatschef in Erinnerung bleiben, der als erster von der seit Jahrhunderten unterdrückten indigenen Bevölkerungsmehrheit aus dem Regierungspalast Quemado in La Paz gejagt wurde. In seiner zweiten Amtszeit hielt sich Lozada nur 14 Monate an der Macht.

Lozada repräsentiert jene kleine Elite, die das Andenland seit jeher nach Gutdünken beherrscht. Er ist einer der reichsten Männer in dem Land mit 70 Prozent Armen. Der nach außen hin stets freundliche Diplomatensohn lebte seit früher Kindheit mit seinen Eltern in den USA. An der Universität von Chicago studierte er später Philosophie und Literatur. Bis heute spricht der „Gringo“ Lozada seine Muttersprache mit unverkennbaren US-amerikanischen Akzent.
In seiner ersten Amtszeit (1993-97) realisierte der Politiker der konservativen Nationalrevolutionären Bewegung (MNR) viele neoliberale Reformen in den Bereichen Bildung, Justiz und Wirtschaft. Er beschleunigte aber auch das Privatisierungsprogramm, das nach Meinung vieler Beobachter die Vermögenskonzentration in Bolivien verstärkte und die Arbeitslosigkeit in bis dato ungekannte Höhen trieb. Viele Privatisierungen wurden zudem auf zweifelhafte Weise realisiert. Seine erfolgreichste politische Zeit hatte Lozada als Planungsminister der Regierung von Präsident Víctor Paz Estenssoro. 1985 gelang es ihm, die Hyperinflation unter Kontrolle zu bekommen. 1989 gewann er dann die erste Runde der Präsidentenwahl mit einen hauchdünnen Vorsprung von 5000 Stimmen. Im Parlament unterlag er aber dem Zweitplatzierten Paz Zamora.
Bei der Präsidenten-Wahl im Juni 2002 war Lozada überraschend wieder auf Platz eins gelandet. Da er mit gut 22 Prozent der Stimmen einer absoluten Mehrheit nicht einmal nahe kam, musste die Entscheidung im August 2002 im Parlament fallen. 14 Monate später stolperte er über umstrittene Erdgasexporte und wachsende Unzufriedenheit der ärmsten Schichten. (dpa)

Lozada gehört übrigens auch das drittgrößte Unternehmen Boliviens und er hat große Beteiligungen an den Minen im Süden des Landes. Die „Empresarios“ zählen zu seinen Freunden und es ist leicht vorzustellen, dass er selbst an den Exporten von Gas auch einiges verdienen wollte. Sein Vermögen in den USA wird auf mehrere 100 Millionen geschätzt – aus diesem sollen nun Entschädigungen für die Angehörigen der Ofper durch die Unruhen gezahlt werden.

Share Button

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Viventura Reisen

viventura
viventura ist dein Spezialist für Rundreisen in Südamerika und bietet innovative Abenteuerreisen zu einem top Preis-Leistungs-Verhältnis. Dank einem Direktvertrieb und den exklusiven Büros vor ... weiterlesen

Folgen Sie uns!

Suche

Unsere bestbewertete Reise:

Ecuador Galapagos 2017

Tweets von @viventura_de

viExplorer

Peru Bolivien Chile

24 Tage, inkl. Flüge
3 Länder, Machu Picchu & Salzwüste
  • 3 Metropolen: Lima, La Paz, Santiago
  • Auf Inkapfaden nach Machu Picchu
  • Übernachtung bei Bauern am Titicacasee
  • Uyuni: Die größte Salzwüste der Erde

ab 4099 EUR