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Gerichtsprozeß gegen Texaco

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Derzeit hat Ecuador, als erstes lateinamerikanisches Land, die Möglichkeit auf eigenem Boden einer Firma den Prozeß zu machen, die weitreichende Schäden im Land verursacht hat. Der Prozeß gegen ChevronTexaco begann Mitte Oktober in Nueva Loja (Lago Agrio), wo benannte Firma 1971 mit dem Bau der ersten Pipeline startete. Durch den Transport von 1,5 Milliarden Barrel Öl in gut 20 Jahren versorgte Texaco nicht nur die westlichen Länder, sondern hinterließ auch weitreichende Schäden in der Umwelt, die die Natur und die einheimische Bevölkerung noch heute beeinträchtigen.

88 Kläger werfen nun dem US-Konzern ChevronTexaco im Namen von 30.000 Bewohnern des Amazonas-Dschungels vor, Ölfördergebiete im ecuadorianischen Regenwald verseucht zu haben. Im August 2002 wurde diese Klage in den USA wegen fehlender Verantwortlichkeit endgültig abgewiesen. Nun wird der Prozeß auf ecuadorianischem Boden ausgefochten. Viele Indigenas, Umweltaktivisten und Menschenrechtler, unter ihnen Bianca Jagger, protestieren vor Ort und fordern eine Wiedergutmachung.

Am Mittwoch den 29.10.2003 wurde im Gerichtshof von Nueva Loja die Beweisaufnahme beendet, die Anwälte der Kläger und Umweltexperten bezifferten am darauf folgenden Tag die Kosten für die Säuberung und für die medizinische Behandlung der betroffenen Bewohner mittlerweile auf ca. 6 Milliarden Dollar.
Der Experte für Umweltschäden David Russell berichtete in Quito, Texaco habe ein Disaster hinterlassen, welches von den Ausmaßen durchaus mit Tschernobyl vergleichbar sei.

Die Verantwortlichen des 2001 fusionierten Unternehmens ChevronTexaco halten dagegen, daß sie in den 90er Jahren eine Säuberung mit Kosten von 40 Millionen US-Dollar durchgeführt haben, die von der ecuadorianischen Regierung letztendlich als abgeschlossen abgesegnet wurde.
Hiergegen hält Verteidiger Steven Donziger, daß bisher von ChevronTexaco zwar 207 Becken gereinigt wurden, zweifelt jedoch an der Qualität dieser Reinigung. „Sie schütteten die Auffanglager mit Erde auf, und das ist schlimmer als gar keine Reinigung“, sagte er.

Wie geht es nun weiter?
In diesen Tagen entscheidet das Gericht erst einmal über den Zeitpunkt der Begehung der kontaminierten Gebiete. In der nun folgenden Prüfungsphase, die einige Monate dauern wird, sollen etwa 80 Orte besichtigt werden. Aufgrund der eingeschränkten Mobilität können jedoch nur zwei Orte pro Woche inspiziert werden. Ein Urteil kann somit wohl nicht vor 12 Monaten erwartet werden. Bei einer Berufung vor dem Obersten Gericht Ecuadors könnte sich das Verfahren sogar über mehrere Jahre hinziehen.

Einige Hintergründe:
Bei den Verhandlungen zwischen Texaco und Ecuador Ende der 60er Jahre verließ sich das im Erdölgeschäft unerfahrene Ecuador auf den Ölgiganten und erwartete, daß diese Firma technische Standards anwendet, wie sie u.a. in den USA üblich sind.
Mit Beginn der Bauarbeiten und im Zeitraum der Erdölgewinnung wurden Nebenprodukte wie toxische Abfälle und verunreinigte Salzwasser jedoch einfach ins Ökosystem geleitet (westlicher Standard ist das Ableiten der Abfälle in mehrere tausend Meter tiefen Untergrund).
Ölreste und andere Auffangstoffe wurden in mehr als 627 Auffanglager verteilt, von denen heute immer noch 323 existieren. Dort lagern nun krebserregende Stoffe wie Benzole und Tylene. Gase und Ölreste wurden verbrannt – die Folge: toxische Niederschläge.
Der Grund für diese Aktionen war der Wunsch Kosten zu senken. Umgerechnet auf die Fördermenge der 26-jährigen Aktivität des Unternehmens ergeben sich Einsparungen von fünf Milliarden US-Dollar.

Zehn Jahre nach Ende der Texaco-Ära sind immer noch mehr als 30 000 Menschen sowohl gesundheitlich als auch wirtschaftlich betroffen, viele Flüsse und Sumpfgebiete sind noch immer verseucht. Nachgewiesen sind dramatisch gestiegene Krebsraten, ein beeinträchtigtes Pflanzenwachstum, schwindende Fischpopulationen, zugrunde gehende Zuchttiere und verseuchtes Trinkwasser. All diese Faktoren machen den Menschen das Überleben schwer.

Seit 1993 klagen verschiedene Vereinigungen in Ecuador gegen das Unternehmen Texaco, das heute unter ChevronTexaco firmiert. Texaco soll die verbliebenen 323 Auffangbecken säubern, die toxischen Inhalte mit Hilfe von umfunktionierten Bohrtürmen in den Untergrund pumpen, der Bevölkerung Schadensersatz zahlen und nachhaltige Entwicklungsprojekte finanzieren.
Das amerikanische Unternehmen will soviel nicht bezahlen. Der Konzern bestreitet die Umweltverschmutzung durch das Ableiten der toxischen Stoffe nicht, beruft sich aber auf die damaligen ecuadorianischen Gesetze. Demnach wären die industriellen Standards eingehalten worden. Die Beweislage gegen den Ölriesen ist jedoch erdrückend. Texaco streitet ab.

Sicherlich könnte bei Haftbarmachung von ChevronTexaco ein Teil des Schadens behoben werden, medizinische Behandlungen finanziert werden. Offen bleibt allerdings die Frage, ob die Zerstörung von bis dato unberührter Natur sowie der Gesundheit der Bewohner mit Geld bezahlbar ist?

Yvonne Rössler – Quito, Ecuador

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