Südamerika Reisen mit viventura
030 6167558-0

wochentags 9-22 Uhr
Sprechen Sie mit einem Spezialisten

Venezuela nach dem Referendum

0 Flares 0 Flares ×

Fortsetzung

Zuerst die vom international und objektiven Standpunkt unwahrscheinlichere Begründung: Nach Bekanntgabe des Ergebnisses passierte eigentlich das, was die Verliererseite in Venezuela nach jeder Wahl macht: Sie lehnte das Ergebnis erstmal kategorisch ab und schrie lauthals „Betrug! Alles Betrug!“ Bis man dafür jedoch eine einheitliche Begründung fand, lauteten die Vorwürfe, dass Wahlurnen nachts in Regierungsgebäude geschleppt wurden oder, dass die Wahlmaschinen so manipuliert waren, dass das eigentliche Ergebnis verkehrt herum angezeigt wurde. Eigentlich hätten demnach 59 Prozent gegen Hugo Chávez gestimmt.

Um diese Art von Wahlbetrug zu vermeiden bzw. aufzudecken befinden sich seit mehreren Monaten zwei neutrale Organisationen im Land. Die eine ist eine Abordnung des Carter Centers in Atlanta, das unter der Leitung seines Gründers und Ex-US-Präsidenten Jimmy Carter die politischen Vorgänge im Land beurteilt. Die zweite Abordnung stammt von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) unter der Leitung von César Gaviria. Beide Organisationen bestätigen schon kurz nach der Wahl, dass diese absolut ordnungsgemäß abgelaufen sei. Nichtsdestotrotz gab man der Opposition nach und überprüfte stichprobenartig 150 ausgedruckte Wahlzettel mit den Datenspeichern der eingesetzten Touchscreen-Wahlmaschinen. Sie bestätigten das Ergebnis. Gaviria relativierte: „Wir können nicht kategorisch sagen, dass es keinen Betrug gegeben hat, wir sagen aber, wir haben keinen gefunden.“

In der Zwischenzeit hat sich die Opposition geeinigt, worin der Betrug bestand: In mehreren hundert Wahllokalen ist exakt die gleiche Anzahl an Ja-Stimmen zur Absetzung des Präsidenten gezählt worden. „Statistisch sei dies unmöglich,“ gab Astrubal Aguiar von der Opposition bekannt „und sei nur dadurch zu erklären, dass die Maschinen bei der Auszählung so programmiert waren, dass sie eine bestimmte Anzahl an Ja-Stimmen nicht überschreiten.“ Die Opposition will nun mit Hilfe von Statistikern eine fundiert Beschwerde formulieren. Gaviria erklärte sich bereit, auch diese zu berücksichtigen und ihr nachzugehen, wenn sie denn vorliege, wies aber die Opposition zuerst einmal darauf hin, dass eine Opposition in einer Demokratie auch zu verlieren wissen sollte.

Neben der Verschwörungstheorie gibt es aber noch eine zweite Begründung, wieso die Medien mit ihren Prognosen so entschieden daneben lagen. Sie erscheint objektiven Beobachtern momentan noch als wahrscheinlicher und logischer.

Als im April 2002 Präsident Chávez nach monatelangen Generalstreiks kurzzeitig durch einen Militärputsch abgesetzt wurde, begründete Vizeadmiral Hector Ramírez Pérez von dem ebenfalls Chávez-feindlichen Fernsehsender Venevisión den Erfolg dank einer entscheidenden Waffe, die nur der Opposition zur Verfügung stand: den Medien.

Wie überall auf diesem Globus sind auch die venezolanischen Fernsehsender und Zeitungen in den Händen weniger mächtiger und einflussreicher Menschen. In Venezuela gehörten diese Personen früher entweder der Regierung an oder hatten in ihr wenigstens eine nahe Verbündete. Das hat sich mit dem Amtsantritt von Hugo Chávez geändert. Er nahm den Reichen und Mächtigen Privilegien, räumte dagegen den Armen und Sozialbedürftigen mehr Rechte ein. Etwas, was die Oberschicht bis heute nicht unterstützen geschweige denn wahr haben will. Sie ignoriert einfach nach wie vor die Armen in ihrem Land. Es scheint fast so, als ob sie sie auch bei den Umfragen durch ihre Journalisten ignoriert hat. So ließe sich das eindeutige Votum gegen Chávez im Vorfeld der Wahlen erklären. Doch diese soziale Unterschicht, die 60-80 Prozent der gesamten Bevölkerung Venezuelas ausmacht, hat ihre Meinung nun an den Wahlurnen zum Ausdruck gebracht.

Letztendlich überrascht das Ergebnis keinen Venezuela-Experten. Wer wie die Opposition keinen geeigneten Gegenkandidaten oder einen politischen Gegenentwurf zu der Regierung Chávez präsentieren kann und den Großteil der eigenen Bevölkerung nicht wahr nehmen will, wird eine demokratische Wahl nicht gewinnen können. Bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2006 muss die Opposition dazulernen, umdenken und sich den Herausforderungen im eigenen Land stellen. Ob zwei Jahre dazu reichen, aus einer Gedankenwelt auszubrechen, in der Arme und Armut in Venezuela bisher nicht existierten, ist zu bezweifeln.

Hugo Chávez steht dank der Abstimmung nun auch international besser da als je zuvor. Selbst „Intimfeind“ USA hat seinen Sieg anstandslos akzeptiert. Wenn er es nun noch trotz der erwarteten Widerstände der Opposition schafft, sein Sozialprogramm weiter voranzutreiben, dürfte er wohl auch im Jahr 2006 wieder die Mehrheit der Stimmen für sich gewinnen – und dies vollkommen unabhängig von den Hochrechnungsbalken im venezolanischen Fernsehen.

Hendrik Moorahrend – Arequipa, Peru

Share Button

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Viventura Reisen

viventura
viventura ist dein Spezialist für Rundreisen in Südamerika und bietet innovative Abenteuerreisen zu einem top Preis-Leistungs-Verhältnis. Dank einem Direktvertrieb und den exklusiven Büros vor ... weiterlesen

Folgen Sie uns!

Suche

Unsere bestbewertete Reise:

Venezuela

Tweets von @viventura_de

viExplorer

Venezuela

22 Tage,
Mehrtägige Bootstour zum Salto Angel
  • Inklusive: Rundflug über Salto Angel
  • Tierwelt Llanos: Kaimane & Anacondas
  • Orinoco Delta & Karibikstrände
  • Mehrtägige Einbaumtour

ab 1899 EUR