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Interview mit einer streikenden Lehrerin aus Peru

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In Peru streiken seit Anfang des Monats etwa 280.000 Lehrer für eine Erhöhung ihrer Bezüge um umgerechnet 50 Euro. Die Regierung verhängte am Dienstag den Ausnahmezustand. Mit dessen Beginn wurde der Ausstand für illegal erklärt. Um mehr über die derzeitige Situation zu erfahren, traf sich viventura am Donnerstag, den 29.05.2003, zum online-Interview mit einer streikenden Lehrerin aus Cuzco. Michael Wilderer sprach mit Eliana Herrera Aedo:

viventura: Guten Tag Frau Aedo. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen. Können Sie uns kurz die momentane Lage in Peru berschreiben?

Aedo: Chaotisch! In ganz Peru gibt es Streiks, die das öffentliche Leben erschweren. Inzwischen mischen sich Polizei und Militär gewaltsam ein. Beide Seiten stehen sich mit geballten Fäusten gegenüber. Wobei wir versuchen friedlich zu bleiben.

viventura: Bei uns gibt es Berichte über Schwerverletzte und Tote – so friedlich scheinen die Streiks dann doch nicht zu sein?!

Aedo: Die Streiks der Professoren sind ruhig, wir sind ja schließlich alles gebildete Leute. Hin und wieder kommt es leider zu Zwischenfällen. Wenn eine Demonstration gewalttätig wird, muss mit Gewalt des Militärs gerechnet werden. Das ist der Preis, der zu zahlen ist.

viventura: Haben Sie keine Angst, dass es auch Sie treffen könnte?

Aedo: Natürlich! Die Angst ist immer mit dabei. Das Mititär geht mit Gas- und Gummigeschossen vor. Auch wenn in die Luft geschossen wird, die Kugel kommt irgendwo wieder runter.

viventura: Was war der Auslöser für die Demonstrationen?

Aedo: Seit zwei Jahren ist Toledo nun Präsident von Peru. Damals haben wir ihn gewählt, weil er uns einen höheren Lohn und mehr Sicherheiten versprochen hatte. Bis heute ist nichts passiert. Er hat sein Versprechen nicht gehalten und jetzt wollen wir ihm das klar machen.

viventura: Sie fühlen sich also betrogen?

Aedo: Ja, so kann man das sagen. Natürlich verstehe ich, dass es für den Staat nicht einfach ist, jedem das Gehalt um 50 USD zu erhöhen. Wir wären ja schon zufrieden, wenn es schrittweise passieren würde. Bis jetzt ist aber gar nichts passiert, außer netten Reden und tollen Auftritten für die Medien.

viventura: In Peru verdient ein Lehrer im Durchschnitt ca. 160 USD. Eine Erhöhung um 50 USD wäre sozusagen ein Drittel mehr. Glauben Sie mit dem Streik diese Erhöhung durchsetzen zu können?

Aedo: Es wird schwierig. Es geht uns aber vor allem ums Prinzip. Wir streiken, um Toledo klarzumachen, dass wir uns nicht weiter hinhalten lassen. Entweder er tut etwas für uns oder er soll verschwinden und bis dahin streiken wir weiter!

viventura: Das klingt wie eine Kampfansage. Die peruanische Regierung hat am Dienstag für zunächst 30 Tage den Ausnahmezustand verhängt. Unter anderem die Streiks sind somit illegal geworden. Welche Konsequenzen könnte das für Sie haben?

Aedo: Die Streiks wurden als illegal deklariert, damit wir als Staatsverbrecher dastehen. Wer jetzt auf die Strasse geht, muss mit einem Gerichtsverfahren rechnen. Wie es dann beruflich weiter geht, ist offen. Wer schickt schon seine Kinder zu einem vorbestraften Lehrer?

viventura: Sie wären somit arbeitslos – würde der Staat Sie dann noch unterstützen?

Aedo: Nein. Hier in Peru ist es nicht wie in Deutschland, ein Arbeitsloser bekommt keine finanzielle Unterstützung. Wenn die eigene Familie nicht helfen kann, steht man mit leeren Händen da. Das ist besonders für die älteren Professoren, die Familie und Kinder ernähren müssen, hart. Wir Jüngeren können uns eventuell anders orientieren.

viventura: Zum Beispiel in Richtung Tourismus. Ist es derzeit gefährlich durch Peru zu reisen? Was passiert, wenn nun auch die Touristen ausbleiben?

Aedo: Tourismus wäre sicherlich eine schöne Alternative. Dass der ein oder andere momentan Peru nicht bereisen möchte, ist nicht zu vermeiden. Wir hoffen, dass sich die Situation bald klärt. Es wäre sehr schade, wenn keine Touristen mehr kommen würden und sicherlich ein finanzielles Loch für den Staat. Es liegt an Toledo, hier die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Touristen müssen mit Beeinträchtigungen rechnen, das Land schätze ich dennoch friedlich ein. Während für uns der Ausgangssperre gilt, können sich Reisende frei bewegen.

viventura: Dann drücke ich Ihnen die Daumen, dass sich alles zum Guten wendet und wünsche Ihnen viel Glück für die Zukunft. Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Aedo: Danke, das Glück können wir gebrauchen!

Michael Wilderer – Miesbach, Deutschland

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