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Los Llanos: Venezuelas endlose Weite

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Der Piranha zappelt hektisch am Haken und wackelt panisch mit der Schwanzflosse vor meiner Nase hin und her. Orlando lächelt, als ich ein wenig angewidert den Kopf zu Seite drehe. Dann nimmt er einen kleinen Stock zur Hand und schlägt immer wieder auf den Kopf des Tieres, bis es schließlich nicht mehr zappelt. Er prökelt den Haken heraus und wirft den Fisch achtlos zu seinen bereits toten Artgenossen ins Boot. Ich überlege, ob das wohl unser Abendessen sein soll.

Die Sonne steht hoch am Himmel und in dem kleinen Boot, das im seichten Wasser des Flusses leicht hin und her schaukelt, wird es langsam unerträglich heiß. Jetzt in der Trockenzeit bestehen die Llanos nur aus grünbewachsenen Wiesen. Vereinzelt stehen einige Bäume herum und ab und zu sind am Horizont ein paar weiße Punkte zu sehen: Kühe! Ab Mai beginnt es hier wieder zu regnen, scheinbar unaufhörlich, bis alle Wiesen komplett unter Wasser stehen und das venezolanische Tiefland einem Meer gleicht, aus dem ein paar Sträucher hervorschauen. Die Tiere seien dann schlechter zu finden, sagt Orlando fast beiläufig. Währenddessen waten die Guides ins bauchnabeltiefe Wasser und stochern auf dem Boden herum, auf der Suche nach Anakondas. „Das ist für die meisten Touristen der Höhepunkt einer Reise“, erzählt Orlando. Und je länger die Anakonda ist, umso besser.

Orlando ist ein echter Llanero. Er wohnt mit drei Geschwistern und deren Familien irgendwo zwischen Barinas und Mantecal. Das Haus des nächsten und einzigen Nachbarn ist gerade noch in Sichtweite. Danach kommt erstmal nichts mehr. Die nächste Stadt ist Mantecal, ungefähr eine Stunde Autofahrt entfernt. Da die Familie kein Auto hat, nutzen sie die öffentlichen Geländewagen, die mehrmals täglich an der acht Kilometer entfernten Hauptstraße anhalten, oder sie fahren einfach per Anhalter.

Die Llanos sind eine riesige Savanne und machen etwa ein Drittel der Fläche von Venezuela aus, beinahe so groß wie Deutschland. Durch das Land fließen unzählige Flüsse auf ihrem Weg ins Orinoko-Becken, im Osten des Landes. Aber nur etwa zehn Prozent der venezolanischen Bevölkerung leben in den Llanos. Die Llaneros, die für ihre Unerschrockenheit und ihren Mut schon im Kampf gegen die Spanier während des Unabhängigkeitskrieges geschätzt wurden, leben von Fischerei und Viehwirtschaft. „Mittlerweile reicht das in den meisten Familien aber nicht mehr aus“, sagt Orlando. Für viele von ihnen, wie auch für Orlando, ist der Tourismus deswegen zur Haupteinnahmequelle geworden.

Er hat mittlerweile seine Angel – eine einfache Angelschnur mit einem Haken dran – eingeholt und fängt an, die Piranhas auf kleine Stöcke zu spießen. Der tote Fisch schaut mich mit entsetzem Blick an und zeigt seine spitzen Zähne. Ich denke wieder an das Abendessen. Aber die Fische sind nicht für uns. Orlando blickt noch einmal prüfend nach oben und wirft dann den ersten Piranhaspieß ins Wasser. Er schwimmt nur einen Moment an der Wasseroberfläche, bis sich ein Adler im Sturzflug nähert, mit den Krallen nach dem Fisch schnappt und in Sekundenschnelle verschwindet. Oben in den Bäumen sammeln sich plötzlich noch mehr seiner Artgenossen. So ein vorgefertigter Piranhaspieß ist leichte Beute, da pochen alle auf ihr Recht. Orlando wirft also noch mehr Spieße ins Wasser, bis alle Adler zufrieden sind und alle Touristen das faszinierende Schauspiel in der Kamera haben.

Doch nicht nur bei der Adlervorführung muss Orlando als Guide Ausdauer beweisen. Zu seinem Job gehört auch, riesige Anakondas im Sumpf zu suchen, gemein kratzende Galapagos-Schildkröten vor die Kameras zu halten und stundenlang pfeifend mit dem Boot im Kreis zu fahren, bis endlich für eine Zehntelsekunde ein Flussdelfin aus dem Wasser auftaucht. Ihm gefällt die Arbeit. Nur die Ausritte seien nichts für ihn, fügt er lächelnd hinzu. Er reitet lieber schnell.

Wir legen mit dem Boot wieder am Anleger an und die Touristen dürfen auf das Dach des Jeeps steigen, auf dem ein Brett als Sitzgelegenheit dient. Der Geländewagen quält sich ächzend über die festgetrockneten tiefen Bodenrillen in der schlechten Straße und ich klammere mich hilfesuchend an das Brett. Die Esel, die eben noch gemütlich am Straßenrand gegrast haben, springen erschreckt zur Seite, als der Jeep auf sie zu geholpert kommt. Nur eine Ente bleibt mutig sitzen. Im letzten Moment sieht sie ein, dass auch sie es mit diesem Monster vielleicht doch besser nicht aufnehmen sollte, und macht sich davon. Aus dem Augenwinkel sehe ich ein paar knallrote Ibisse davon fliegen und in den Wasserlöchern sieht man immer wieder kleine Knubbel heraus ragen. Die Kaimane haben uns genau im Blick. Die paar, die am Wasserrand in der Sonne liegen, flüchten beim Anblick des Fahrzeugs schnell ins Wasser. Zu ihnen gesellt sich wenig später auch eine Wasserschweinfamilie. Sie sind die größten Nagetiere der Welt und sehen aus wie riesige braune Meerschweinchen.

In der Abenddämmerung erreichen wir wieder unser Camp. Auf dem Hof spielen eine Handvoll Kinder, die alle ungefähr im gleichen Alter sind. Orlandos Geschwister haben alle mehr als zwei Kinder. Die Schule ist gleich in der Nachbarschaft. Nach der sechsten Klasse müssen die Kinder nach Mantecal oder Bruzual ziehen, um dort weiter zur Schule zu gehen. Oder sie bleiben und helfen bei der Arbeit auf dem Hof. Orlandos Schwester ist mit dem achten Kind schwanger. Für ihren Mann ist es bereits das 28. Kind und er will noch mehr, erzählt mir Orlando lächelnd, während er eine kleine runde Blechdose aus der Tasche holt. „Tabak!“ erklärt er mir und schmiert sich das tiefschwarze Zeug, das mich stark an Schuhcreme erinnert, auf die Zunge und hinter die Schneidezähne. „Das ist verdammt stark“, behauptet er und spuckt es wenig später tiefschwarz aus.

Am Horizont geht mittlerweile die Sonne unter. So schnell, dass man ihr dabei zuschauen kann. Sie färbt den Himmel in kräftige Rot- und Orangetöne. Vor ihr zeichnet sich der Schatten eines Baumes ab. Sonst ist nichts zu sehen. Einfach nur endlose Weite.

Wer auch in den Llanos Tiere beobachten, Piranhas fischen und vielleicht sogar schwarzen Tabak probieren möchte, erhält unter http://www.venezuela-erlebnisreisen.de weitere Infos zu unseren Rundreisen.

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