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Der Verkehr tost, die kleinen Taxen jagen durch die gepflasterten Strassen der Innenstadt von Arequipa, sie hupen an jeder Kreuzung zur Vorwarnung für die Autos, die aus anderen Richtungen kommen, denn Ampeln gibt es kaum. Einheimische und Touristen drängen sich auf den Bürgersteigen, Straßenhändler preisen ihre Waren an, aus den Geschäften dringt Musik.

Nur nicht ablenken lassen, denkt Marleni und tastet sich langsam den gewohnten Weg weiter vorwärts. Marleni ist blind! Von Geburt an hat sie eine Augenkrankheit, die ihr ganz langsam das Augenlicht genommen hat, ohne dass sie hätte etwas dagegen unternehmen können. Ihrer Schwester Rosa ging es genauso. Heute ist Marleni 47 Jahre alt und seit zehn Jahren komplett erblindet.

Auf den ersten Blick kann ich gar nicht glauben, dass diese gutaussehende, zierliche Frau mit den schönen dunklen Augen einen gar nicht visuell wahrnimmt, obwohl sie einen anzusehen scheint.

Marleni ist eine von vielen Blinden hier in Peru. Genaue Angaben über die Anzahl der Blinden gibt es nicht. Der peruanische Staat ist so arm, dass er sich für die Förderung von blinden und behinderten Menschen im eigenen Land kaum verantwortlich fühlt.

Dafür gibt es acht große und bekannte private Vereine in Peru, die sich für die Rechte und bessere Lebensverhältnisse der Blinden einsetzen.

Einer davon, die „Unión Nacional de Ciegos del Perú“ (UNCP) wurde schon vor 74 Jahren gegründet. Sie bietet kostenlosen Unterricht zum Erlernen der Blindenschrift sowie Umschulungen und Foren an, um sich untereinander austauschen zu können. Der Verein wird alles durch Spenden finanziert, oft aus dem Ausland.

In Arequipa war es das „Centro ocupacional“, welches Marleni geholfen hat ein neues Leben zu beginnen. Das „Centro“ wird von einem weiblichen Franziskaner-Orden geführt.

Marleni und ihre Schwester hatten Zeit, sich mit ihrem Schicksal abzufinden. Im „Centro ocupacional“ wurden die ursprünglichen Hausfrauen innerhalb von drei Jahren zu Masseurinnen ausgebildet. Sie mussten zudem die Blindenschrift erlernen, um sich die ganzen physiologischen Hintergründe anzueignen. Die Kosten der Ausbildung wurden komplett vom „Centro ocupacional“ getragen.

Marlenis Mann hat sich zwar von ihr getrennt, aber ihre Familie unterstützt sie. Marleni lebt in einem Appartement innerhalb des Elternhauses mit ihrem 24 jährigen Sohn. Während der Ausbildung hat die Familie ihr auch finanziell unter die Arme gegriffen.

Jetzt arbeitet Marleni gemeinsam mit ihrer Schwester im Zentrum Arequipas. Ihre Chefin besitzt ein Restaurant, das oft von hungrigen und müden Touristen aufgesucht wird. Außer gutem Essen wollte sie noch Massagen anbieten. Auf ihre Anfrage hin vermittelte das „Centro ocupacional“ die Stelle an die Schwestern Marleni und Rosa, die jetzt seit sechs Jahren zufrieden bei ihr arbeiten.

So gut wie Marleni und Rosa ist es Jermi leider nicht ergangen. „Der Staat kümmert sich nicht um die Blinden und Behinderten in diesem Land“, beschwert sich auch Jermi. Jermi ist 52 Jahre alt und aufgrund einer infektiösen Augenkrankheit seit vier Jahren vollkommen erblindet. Seine Frau hat ihn verlassen und seine drei kleinen Töchter mitgenommen. Die eigene Schreinerwerkstatt musste er aufgeben. Obwohl er jahrelang fleißig gearbeitet hat, steht er heute vor dem Nichts.

Man findet ihn immer an der gleichen Ecke nahe der Kathedrale, wo er mit einer kleinen hölzernen Dose sitzt, die er noch selbst angefertigt hat. Mittels eines Schildes, welches auf seine Behinderung hinweist, bittet er um Geldspenden.

Jermi war beruflich selbständig. Was jahrelang sein Vorteil war, stellt sich jetzt als gravierender Nachteil heraus. Denn hätte er bei einer Firma als Angestellter gearbeitet, dann würde er jetzt wenigstens vom Staat eine kleine finanzielle monatliche Hilfe erhalten. So bleibt diese aus!

Da er der jüngste von fünf Geschwistern ist, kann ihn seine Familie nicht unterstützen. Aus diesem Grund ist eine Umschulung für ihn nicht finanzierbar.

Zwar findet Jermi in dem ebenfalls von Franziskanernonnen geführten Heim „Luz de Alegria“ ab und zu eine kostenlose Unterkunft. Diese ist aber laut Jermi völlig überlaufen. Wenn er nicht täglich auf die Strasse zum Betteln geht, hat er kein Einkommen.

Als ich ihn bat, mir ein paar Fragen für diesen Artikel zu beantworten, war er ganz begeistert. Er hoffe, dass die Lage der Blinden hier zu Lande bekannter würde, damit wenigstens die Kinder eine Hoffnung auf mehr Zuwendung und ein besseres Leben hätten.

So wie zum Beispiel die Kinder, die in den Blindenzentren in Puno, Cusco und Arequipa leben.

Das Blindenzentrum Puno besteht seit 17 Jahren. Heute leben dort etwa 40 Kinder. Dies wurde möglich, nachdem die mühselige Arbeit des Direktors Sir Henry (er ist selbst fast blind), immer wieder Anträge an die Regierung zu stellen, vor acht Jahren endlich Früchte trug:

Der Staat baute ein Zentrum für blinde und behinderte Kinder in Puno. Es gibt sogar einen Sport- und einen Musikraum mit Klavier. Aber die Lehrer werden vom Staat schlecht bezahlt und es herrscht Personalmangel. Zum Glück sind diejenigen, die vor Ort sind, überaus engagiert.

Sie wollen die Schule in Puno noch bekannter machen, damit noch mehr Familien ihre Kinder dorthin schicken. Sie lernen Lesen, Schreiben und auch wie man einen Haushalt führt. Außerdem gibt es eine Schreinerei und eine Weberei, damit die Kinder schon früh handwerkliche Tätigkeiten beherrschen, um später die Chance auf einen Beruf und ein eigenständiges Leben zu haben.

Allerdings ist die Schule immer auf Spenden von regionalen Firmen angewiesen. Denn die Familien sind zu arm, um einen finanziellen Beitrag leisten zu können. Oft brauchen die Lehrer Monate, um die nur zwei Soles (ca. 50 Cent) Schulgeld von den Eltern einzusammeln. Die Regierung glaubt, dass es mit dem Bau der Unterkunft und Klassenräume getan sei. Dabei fehlt es nicht nur an Geld für Reparaturen, sondern sogar für ganz alltägliche Dinge, wie Kleidung und vor allem Nahrung.

Aber das Team der Schule gibt nicht auf! Sie sammeln Spenden, organisieren einmal pro Jahr einen Unterhaltungsabend, wo die Kinder Tänze und Sketche aufführen, und auch wenn ihnen sogar die „Plakatwand“ der Schule geklaut wurde, bleiben sie mit Motivation am Werk. Das nächste Projekt ist dann eben eine Mauer, auf die der Name des Blindenzentrums geschrieben werden kann, damit die auf der Hauptstrasse passierenden Menschen auf die Schule in der Seitenstraße aufmerksam werden.

Denn in einem sind sich Marleni, Rosi, Jermi und Sir Henry einig: Die Hoffnung wollen sie nicht aufgeben. Auch wenn es kaum Hilfe vom Staat gibt, es gibt immer hilfsbereite Mitmenschen, die für Lichtblicke sorgen. Alleine schon, wenn sie einem durch den dichten und lauten Straßenverkehr über die Kreuzung helfen.

Wenn auch ihr mithelfen möchtet, die Lage der blinden Kinder in Peru zu verbessern, dann könnt ihr hier spenden:
http://www.viventura.de/helfen/peru/blindenzentrum.php

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Der Autor:

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