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Mineros y Campesinos: Leben im Norte Potosi

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Habt ihr in La Paz und in den größeren Städten Boliviens die Indianerfrauen mit ihren Kinder gesehen?… Dunkle Röcke, Umhang in getragenen Farben, heller Hut? Sie sind den ganzen Tag auf der Straße, manche scheinen auch hier zu übernachten. Die jüngeren verkaufen Zitronen, Süßigkeiten oder Kamilleblüten. Die Kinder und die Alten betteln. Man kann fast darauf wetten: Diese Menschen kommen aus Macha, Toro Toro oder Acasio. Dörfer im Norte Potosí.

Und ihr habt wahrscheinlich in letzter Zeit gehört, dass im tropischen Tiefland Boliviens die Cocabauern politisch sehr viel zu sagen haben. Evo Morales, der neue Präsident, ist ihr Gewerkschaftsführer gewesen. Diese politische Kraft stammt von Bergleuten, die zu tausenden ins Tiefland zogen. Die meisten kamen aus Llallagua, Siglo XX oder Huanuni. Bergwerke im Norte Potosí.

Norte Potosí, dort wo das Hochland von Oruro ins Gebirge von Potosi übergeht, ist eine spannende, wilde, harte Gegend. Hier prallen Welten zusammen. Die hiesigen Campesinos – die indigenen Bauer – gehören zu den ärmsten des Landes. In ihren Dörfern gibt es kaum Strom oder medizinische Versorgung. Ihr Leben verläuft wie in vergangenen Jahrhunderten, was man auch an ihren bunten, reichbestickten Trachten und an ihren Bräuchen und Ritualen sieht. Es gibt kaum eine Region im Land, die so ursprünglich ist.

Die Bergwerke dagegen, vor allem die Minen in Llallagua, sind völlig anders. Sie gehörten zu den größten und reichsten Erzlagerstätten der Welt. Hier wurde das ganz große Geld gemacht, hier entstanden mächtige Gewerkschaften, die für bessere Arbeitsbedingungen kämpften. Hier steht noch die Technik des größten Bergwerkes Lateinamerikas. Hier spiegelte sich die Moderne wieder.

Während unserer Recherche für die erste viventura – Bolivientour besuchten wir diese Gegend und waren wegen dieses sehr starken Kontrastes tief berührt.

Edgar, unser lokaler Guide und guter Freund klärte uns während dieser Fahrt über die Zusammenhänge in dieser Region auf – lassen wir ihn erzählen:

„Das Leben der Campesinos hängt völlig von der Kartoffelproduktion ab. Es ist ein traditioneller saisonaler Anbau. Die Arbeit wird noch wie vor 500 Jahren erledigt. Mit einfachsten Werkzeugen und in Abhängigkeit vom Klima. Eine Dürre ist deswegen katastrophal. Ganze Dörfer müssen wegziehen und sich ein anderes Einkommen suchen. Die Leute hier sind schon so etwas wie Halbnomaden und Überlebenskünstler. In den Trockenzeiten sind die Männer vor allem in die nahen Bergwerke gezogen und haben dort als Mineros – als Bergleute – gearbeitet. Zur Saat und Erntezeit kamen sie in die Dörfer zurück.

In Llallagua dagegen, im Bergwerk, wurden während des zwanzigsten Jahrhunderts Milliardenvermögen gemacht. Simon Patino, der bolivianische Zinnbaron, brachte modernste Technik her und wurde einer der zehn reichsten Männer der Welt. Ihm gehörte praktisch die Regierung des Landes und so konnte er die Aufstände der Arbeiter mit der Armee niederschießen lassen.

Mit der Revolution von 1952 wurden die Bergwerke verstaatlicht und die Lebensbedingungen verbessert. Jeder wollte in den Minen arbeiten, weil es hier geregelte Einkommen und Sozialleistungen gab. Als ich noch zur Schule ging, gab es hier die besten Krankenhäuser und die besten Lehrer. Llallagua war fast die wichtigste Stadt im Land und wuchs wie noch nie. Ganz Bolivien lebte vom Bergbau und war weltweit der Zinnexporteur Nummer 1.

In den 80er Jahren kam die Katastrophe über das Land. Eine sehr harte Dürre vernichtete die Ernten auf dem Hochland und vertrieb tausende Campesinos in die Städte, ins Tiefland und ins Ausland. Gleichzeitig fielen die Preise für das Zinn. Der bolivianische Untertagebergbau war nicht mehr wettbewerbsfähig. Die Regierung zerschlug die Bergbaugesellschaft und entließ etwa 20.000 Bergleute. Die meisten zogen ins Tiefland, wo sie anfingen Coca anzubauen. Sie blieben aber politisch sehr aktiv und straff organisiert.

Das ist unsere Geschichte. Ich glaube, dass aus Llallagua das heutige Bolivien entstanden ist. Die politische Organisation der abgewanderten Bergleute und tausende Campesinos, die ebenfalls wegziehen mussten, haben sich im Tiefland und in den Städten wiedergetroffen und ihren Platz in der Gesellschaft verlangt. Mit dem ersten indianischen Präsidenten Lateinamerikas haben sie auch ein Signal gesetzt.

Bolivien kann man ohne Norte Potosi nicht verstehen.“

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