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Ollanta Humala – der „Mann des Volkes“?

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Die Plaza de Armas, der zentrale Marktplatz Arequipas, platzt aus allen Nähten. Die Menschenmassen reichen bis in die angrenzenden Straßen. Alle warten sie auf ihn: Ollanta Humala, den Spitzenkandidaten der „Partido Nacionalista Peruano“ (Peruanische Nationalpartei). Ganze Familien haben sich versammelt: Kleinkinder mit Ollanta-Stirnband, Fahnen schwenkende Familienväter und Großmütter, die sich freudestrahlend in die Fahnen ihrer Partei einhüllen. Tausende feiern in den Straßen rings um die Plaza eine lautstarke, feuchtfröhliche Fiesta, ein Volksfest mit improvisierten Essensständen. Auf Klappstühlen warten sie auf ihren Hauptdarsteller.

Was für ein Kontrast zu den Konkurrenzveranstaltungen von Humalas Gegenkandidaten Alan Garcia und Lourdes Flores, die wir noch vor wenigen Tagen besucht haben. Gekommen war nur eine Handvoll treuer Parteigänger. Ansonsten Standardprogramm: Ein bisschen Salsamusik und das war’s. Flores steht für eine Fortsetzung der wirtschaftsliberalen Politik einer Machtelite. Von Alan Garcia haben viele dessen korrupte und unbeständige Amtsführung während seiner Präsidentschaft in den 80er Jahren noch allzu gut in Erinnerung. Gerade die peruanische Unterschicht fühlt sich von der Politik Lourdes und Garcias nicht vertreten.

Humala hingegen ist der Überraschungssieger der Parlamentswahlen vom 09.04.2006. In der ersten Wahlrunde lag er mit über 30% der Stimmen vorn, was noch vor wenigen Monaten keiner erwartet hatte. Zwar wird es ein endgültiges Ergebnis erst bei der Stichwahl im Mai geben, doch Humala hat sich mit seinem Sieg in der ersten Runde eine hervorragende Ausgangsposition verschafft.

Wer ist dieser Mann, dem die Menschenmassen auf der Plaza de Armas bei jeder seiner klar und militärisch knapp verfassten Versprechungen zujubeln?

Ollanta Humala, dessen Name aus dem indianischen übersetzt „der Krieger, der alles überblickt“ bedeutet, stammt aus einem militärisch geprägten Elternhaus, das in den 50er Jahren einem kommunistischen Widerstandskreis angehörte. Obwohl Humala einen indianischen Namen besitzt und für die Vormachtstellung der Indios eintritt, ist er kein Indigena, sondern ein Mischling, ein sogenannter Mestiz. Nach seinem Politikstudium in Lima schlug er eine Militärlaufbahn ein. Der 43-jährige sieht sich in einer Linie mit Hugo Chavez in Venezuela und Evo Morales, dem neuen Präsidenten Boliviens, mit denen er gemeinsame Front gegen die neoliberale Politik der USA machen möchte.

Im Gespräch hören wir immer wieder dieselben Gründe, die die Menschen bewegen, für Humala zu stimmen. „Wir erhoffen uns einen Wandel in Peru, der nun endlich Gleichberechtigung bringen soll“, erzählt uns ein Wachmann. Gerade die ärmeren und gesellschaftlich benachteiligten Peruaner erhoffen sich von Humala eine gerechtere Machtverteilung: „Viele arbeiten, so wie ich, hart in Berufen, die für die Gesellschaft wichtig sind. Dennoch können Polizisten oder Lehrer ihren Kindern mit ihrem Minimallohn keine ausreichende Ausbildung finanzieren.“ Ohne Ausbildung könne man auch keinen besseren Beruf finden. „Wir stehen auf der Stelle“, fügt er noch hinzu, „Humala soll dies ändern. Außerdem haben wir in Peru alles, was wir brauchen.“ Deswegen solle sich das Land nicht global orientieren, sondern lieber innenpolitische Probleme angehen.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Stimmung auf der Plaza de Armas gerade dann ihren Höhepunkt erreicht, als die Nationalhymne angestimmt wird. Der ganze Platz hüllt sich mit einem Schlag in Schweigen. Die Anhänger Humalas legen sich ergriffen die Hand aufs Herz – in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Der nationalistische Unterton in Humalas Kampagne ist nicht zu überhören. Während des Wahlkampfs fiel Humala außerdem immer wieder mit rassistischen Bemerkungen aus der Rolle. Die linksnationalistischen Ideen Humalas stehen in deutlichem Kontrast zur wirtschaftsliberalen und konservativen Politik der herrschenden Machtelite. Für diejenigen, die täglich ums Überleben kämpfen, ist Humala ein Hoffnungsschimmer. Sein Sieg steht für einen markanten Richtungswechsel, in der Wirtschaftspolitik ebenso wie in der Außenpolitik, dem seine Anhänger freudig und die bisher regierende Machtelite skeptisch entgegen schauen.

Mancher hat durch die Erfahrungen mit den vorherigen Regierungen das Vertrauen in die noch junge peruanische Demokratie verloren oder nie aufgebaut. Menschen, wie unser Wachmann, setzten auf einen, von dem sie hoffen, dass er die Interessen des einfachen Volkes, und nicht die einer reichen Oberschicht vertritt. Dabei ist vielen nicht so wichtig, ob es sich um einen Demokraten oder einen „Kommandanten“, wie seine Anhänger Humala gern bezeichnen, handelt. Humala werden zahlreiche Menschenrechtsverletzungen zur Last gelegt, die er in den neunziger Jahren im Kampf gegen den Leuchtenden Pfad begangen haben soll. Im Jahr 2000 versuchte er zusammen mit seinem Bruder Antauro einen gewaltsamen Putsch gegen den Ex-Präsidenten Fujimori, wofür er kurzfristig inhaftiert wurde.

Unter Humalas Regierung soll das Land auf wirtschaftliche und politische Autonomie hinstreben. Das Land soll eine neue Verfassung erhalten und innenpolitisch mit starker Hand regiert werden. Die Ressourcen des Landes sollen geschützt werden, beispielsweise durch eine höhere Steuerlast für ausländische Unternehmen. Humala möchte mehr soziale Gerechtigkeit. Zwar distanziert er sich von Verstaatlichungen, doch er möchte das Privateigentum besser verteilen. Die Kleinbauern hoffen auf die Legalisierung des Kokaanbaus. Die Pflanze sehen sie als wichtigen Bestandteil ihrer Identität.

Was sich allerdings wirklich unter Humala als neuem Präsidenten Perus ändern wird, wenn er die Stichwahl gewinnt, lässt sich heute kaum sagen. Übernimmt er die Macht, wird er am 28. Juli 2006, dem Nationalfeiertag, in sein neues Präsidentenamt eingeführt. Was von den bejubelten Wahlversprechen auf der Plaza de Armas in der Realität übrig bleibt, wird sich erst dann zeigen.

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