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Ein Sonntag im April, mit Freunden an den Titicacasee

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Um neun Uhr am Morgen stehen wir am Abgrund und schauen 500m runter auf tausende Dächer von La Paz. Das Häusermeer scheint langsam die steilen Hänge hinauf zu kriechen und die ersten Wellblechdächer liegen dicht unter uns. Die riesenhafte Erdschüssel, in der diese Stadt liegt wird langsam voll. Der Ausblick ist grandios, drüben im Südosten thront der Illimani mit seinen drei Schneegipfeln über der Stadt und protzt seine über 6400m in den wolkenlosen Himmel hinein. Kleinlaut steigen wir in die Autos und wollen weiter, um das Ende der Regenzeit mit einer Fahrt an den Titicacasee zu feiern! Rechts von uns liegt La Paz im Kessel. Links El Alto, vor 20 Jahren noch ein kleiner armer Vorort auf dem Hochland, heute mit ca. 800.000 Einwohnern die eigentlich größte Stadt auf dem Hochland.

Nach etwa einer halben Stunde Fahrt gehen die letzten Gebäude der Stadt in die Weite des Hochlandes über. Es ist Mitte April und auf den Dörfern und Feldern fahren die Campesinos, die Bauern, die Ernte ein. Kartoffeln, Bohnen und Zwiebeln werden in derbe Wollsäcke eingenäht und am Straßenrand auf uralten LKWs und kaum jüngeren Bussen mit Lederriemen festgezurrt. Mit gefährlicher Schlagseite und wildem Abgasgequalme fahren uns diese Urmonster dann Richtung Stadt entgegen. Esel tragen rote und gelbe Bündel aus Quinoa und Weizen.

Wir befinden uns auf einer der landschaftlich schönsten und abwechslungsreichsten Strecken im bolivianischen Hochland, auf der Straße, die La Paz mit dem Städtchen Copacabana am Titicacasee verbindet. Im Nordosten taucht hinter einer vorgelagerten Bergkette die Cordillera Real, die Königskordillere auf. Zwischen dem Illimani im Süden und dem Illampu im Norden reihen sich auf einer Länger von 220km Schneegipfel und Gletscher aneinander. Der Titicacasee wird aus dessen Schmelzwassern gespeist und entwässert südlich über dem Desaguadero-Fluss den Süden des bolivianischen Altiplanos, wo das Wasser schließlich in den Salaren verdampft. Das Hochland ist eine riesenhafte, flache, abflusslose Wanne.

Beim Dorf Huarina erreichen wir das südwestliche Ufer des Sees. Im Totora-Schilf stehen Rinder und grasen. Kleine Fischerboote ruhen am Strand. Eine Straße zweigt nach Norden ab, in das Gebirge hinein. Aymaras und Collas, die Völker, welche zwischen See und Kordillere leben, standen in engem Kontakt mit den Völkern im östlichen Tiefland und mit denen am Pazifik. So ermöglichten sie den Austausch von Erzeugnissen aus verschiedenen Höhenstufen. Gold, Kokablätter und Holz gelangten in das Hochland und ans Meer, Quinoa und Wolle in das Tiefland. Ihr Netz von Pfaden und Wegen durch das Gebirge wurde von den Inka zu gepflasterten Straßen ausgebaut. Heute werden sie als Inka-Trecks von den Agenturen in La Paz touristisch angeboten, aber auch von den Aymaras nach wie vor genutzt.

Wir fahren nun in Serpentinen am Rande des Titicacasees entlang. Eukalyptusbäume und Totoraschilf säumen das Ufer und es sind immer öfters Restaurants, kleine Alojamientos (Unterkünfte) und am Strand Fischerboote zu sehen.

Es ist Mittag und im Ort Huatajata halten wir vor einem kleinen Restaurant, um uns eine „Trucha a la diabla“ zu gönnen. Diese „Teufelsforelle“ wird mit scharfer Chilisoße zubereitet. Ihr rosarotes Fleisch kann zwei Personen problemlos satt machen. Die Tische des Restaurants stehen hinter dem Haus direkt am Wasser, praktisch zwischen den Booten. Jan, ein guter Freund, sitzt im Schatten, ich in der Sonne. Der Temperaturunterschied auf unserem Quadratmeter Tisch ist so stark, dass Jan den zweiten Pulli anziehen muss während ich im T-Shirt schwitze und einen zweiten Krug Orangensaft bestelle.

Auf dem See sind zwei Inseln auszumachen: Suriki und Kalauta. Auf letzterer befindet sich die größte Nekropole der Gegend, die Insel steht voller vorkolumbinischer steinerner Grabtürme, „Chullpas“ genannt, die zur Zeit des Tiahuanaco-Imperiums errichtet wurden.

Suriki, die zweite Insel, wurde dank Thor Heyerdahl berühmt. Der norwegische Geograph und Antropologe versuchte 1969 mit einem Papyrusboot, der Ra I von Marokko aus Amerika zu erreichen. Die Ra I löste sich auf dem Weg auf, denn seine ägyptischen Erbauer hatten die Kunst des Schilfbootsbaus verlernt. Heyerdahl suchte nach Völkern, die diese Kunst noch beherrschten und wurde in Suriki fündig. Nach einem Wettbewerb, den die Totorabootsbauer Paulino Esteban und die Gebrüder Limachi gewannen, wurden sie nach Ägypten geflogen und bauten die Ra II, mit der Heyerdahls Fahrt über dem Atlantik gelang. An Estebans kleinem Privatmuseum sind wir vor fünf Minuten vorbeigefahren.

Zahlreiche Expeditionen haben seitdem von den Menschen dieser Region ihre Totoraboote bauen lassen.

Satt und mit leichtem Sonnenbrand geht unsere Fahrt weiter. Tiquina ist das nächste Ziel. Dieser Ort liegt an der Seeenge zwischen Huinay Marka und Chucuito, die ursprünglichen Quechua-Namen für den kleinen und den großen Titicacasee, welche zusammen seine 233 mal 97 Kilometer Fläche ausmachen. Über der 800m breiten Seeenge fahren etwa hundert hölzerne Fährpontons und Motorboote die Fahrzeuge und Passagiere über. Jeder Ponton trägt einen Bus und bis zu zwei Kleinwagen schwankend über das Wasser.

Kurz vor Tiquina steigt die Straße steil in Serpentinen den Berg hinauf. An der höchsten Kurve bietet sich auch der beste Ausblick über den tiefblauen See. Wir stehen unter dem wolkenlosen Himmel 300m über dem Wasser, blicken auf die dreieckigen Segel der Fischerboote in der Ferne und auf die Terrassenfelder der Berge, im Hintergrund die Königskordillere in ihrer ganzen Pracht.

Hier verabschieden wir uns von unseren Freunden, sie fahren über die Tiquina-Seeenge nach Copacabana und besuchen morgen die Sonneninsel, bevor sie über den Grenzübertritt Kasani nach Peru fahren und ihre Andenreise fortsetzen.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Wer auch am Titicacasee auf die Königskordillere blicken, die Schilfbootsbauer besuchen oder Teufelsforelle kosten möchte, erhält unter www.bolivien-erlebnisreisen.de weitere Infos zu unseren Rundreisen.

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