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Binnenflüchtlinge Kolumbien: Die Stadt, die nicht sein darf

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Sandra Ramos ist eine gewissenhafte Buchhalterin. Sie macht oft Überstunden, so lange bis die Tagesbilanzen stimmen. Oft gehört sie zu den letzten, die das Büro verlassen. Ihr Büro ist in einem modernen Hochhaus in der vierundneunzigsten Straße, im Norden Bogotas. Es liegt im Viertel „Chico“. Es heißt, wer hier wohnt oder arbeitet, gehört zu den gehobenen Gesellschaftsschichten. Doch der Schein trügt: Sandra wohnt in Cazuca. Viele, die in Chico oder anderen noblen Vierteln Bogotas leben haben diesen Namen nie gehört. Cazuca – das ist eine andere Welt. Eine Welt ohne richtige Straßen, ohne Wasser- und Stromversorgung, ja oftmals ohne richtige Häuser.

Cazuca liegt weit im Süden Bogotas, dort wo es weniger regnet und die Hochebene eher karg und sandig ist. Sandras Heimfahrt nach einem langen Arbeitstag dauert, wenn es gut läuft, eindreiviertel Stunden. Wenn viel Verkehr ist oder Regen die Straßen überflutet, so wie in den letzten Wochen, da kann sie auch mehr als zwei Stunden dauern.

Cazuca dürfte es eigentlich nicht geben. In der offiziellen Stadtplanung kommt Cazuca nicht vor. Fast über Nacht entstand diese Siedlung, in der heute geschätzte 6000 Menschen leben.

Hier geht’s weiter:
Menschen, die aus ihren Häusern und Orten, aus weit entlegenen Teilen Kolumbiens vertrieben wurden, waren auf einmal da. Als sich die Konflikte zwischen den Guerillas und den Paramilitärs verschärften, gerieten diese Menschen zwischen alle Feuer. Glücklich, wer mit seiner Familie und ein paar Habseligkeiten in die Städte fliehen konnte. Am Leben, aber: Die Städte hießen sie nicht willkommen und so reihten sich die Flüchtlinge in das wachsende Heer der Arbeits- und Zukunftslosen ein. Heute zählt Kolumbien nach Angola und Sudan weltweit die drittgrößte Zahl an Inlandsflüchtlingen!

Sandras Familie gehört dazu. Sie stammen aus dem Südwesten Kolumbiens, den Llanos. Ihre Eltern hatten eine kleine Finca und der Vater arbeitete als Cowboy bei einem Großgrundbesitzer. Dieser wurde von der Guerilla verfolgt und bedroht. Zu seinem Schutz heuerte er eine Privatarmee an. Mit den bekannten Folgen für die einfache Bevölkerung: Sie wurden von beiden Seiten verdächtigt, mit der jeweils anderen zusammen zu arbeiten. Sie wurden bedrängt, verfolgt, geschlagen und ein Bruder von Sandra wurde von der Guerilla zwangsrekrutiert. Er war damals 14 Jahre alt; das ist nun etwas mehr als drei Jahre her. Darauf beschloss die Familie weit weg nach Bogota zu fliehen. Von ihrem Bruder hört Sandra manchmal etwas über Freunde, die noch in ihrem alten Ort leben.

In Bogota fanden sie keine Unterkunft und so gingen sie nach Cazuca. Ihre Mutter konnte bei einer Wäscherei eine Anstellung finden, der Vater verkaufte Süßigkeiten in den Bussen, Sandra blieb mit ihrer kleineren Schwester zu Hause und unterrichtete sie.

„Kinder sind die größten Leidtragenden der Vertreibungen“, sagt Jairo Cruz, der die Schulstätte in Cazuca betreibt: „Sie sind unterernährt und finden den Weg in die Schulen nicht mehr zurück.“ Familien wie die Ramos sind selten. Aber sie sind ein Vorbild, das Mut macht. Sandra fand vor etwas mehr als zwei Jahren ihre Stelle bei einer schwedischen Telekommunikations-Firma. Sandra meint, kolumbianische Unternehmen hätten sie wegen ihrer Anschrift in Cazuca nicht berücksichtigt. Für sie und ihre Familie ist ihre Arbeitsstelle ein Lottogewinn. Sie konnten in den tieferen Teil Cazucas ziehen, dort wo die Häuser aus Stein und an die Wasser- und Stromnetze angeschlossen sind. Ihre Schwester macht im nächsten Jahr ihren Schulabschluss und möchte gerne Chemie studieren.

„Cazuca – das ist eine Welt der Verzweiflung und der Hoffnung“, erklärt Jairo. „Wenn man die finanzielle Not der Menschen erlebt, fällt es schwer etwas Hoffnung zu haben. Es fehlt an allem: Nahrung, Medikamente, Kleidung, Wasser, aber vor allem an Chancen und Bildung. Daher habe ich mich entschieden, etwas für die Kinder zu machen. Ich habe vor zwei Jahren mit dem Schulprojekt „Semillas de la Esperanza“ („Saat der Hoffnung“) begonnen. Während der Woche geben wir Kindern etwas an Schulbildung, damit sie den Anschluss nicht verpassen. Sie können bei uns die Grundschule abschließen. Außerdem bringen wir ihnen bei, wie sie ihren Alltag organisieren, Konflikte friedlich lösen und wie sie gegenüber Behörden oder der Polizei zu sprechen haben. Am Wochenende bieten wir den Eltern die Möglichkeit, sich im Lesen, Schreiben und Rechnen zu üben und wie sie Familienkrisen lösen. Allerdings kommen meistens nur die Frauen, die Männer halten nicht viel von Weiterbildung.“

Als Jairo mit dem Projekt begann, war das erste Problem ein Haus zu finden, das in eine Schule umfunktioniert werden konnte. Nachdem endlich das richtige Haus gefunden war, wurde es mit Hilfe der Lehrer und Kinder gestrichen und eingerichtet. Jairo ist hauptberuflich Pfarrer und konnte mit Hilfe seiner Gemeinde alte Schulbänke, die verschrottet werden sollten, auftreiben. Außerdem ist Jairo beim Polo Democratico, der sozialen Partei, die bei den Parlamentswahlen als zweitstärkste Kraft hervorgegangen ist. Mit Unterstützung seiner Partei kann er die 50.000 Pesos (17.85 EUR) Semestergebühr für diejenigen auftreiben, deren Eltern das Geld nicht aufbringen können. Und das ist fast die Hälfte der Kinder. Seit 10 Monaten bekommen die Kinder auch ein Mittagessen.
„Jetzt können wir den Kindern Nahrung und Bildung geben. Die Hoffnung kommt von selbst und bald gibt es hier viele Sandras!“, da ist sich Jairo sicher.

Seit kurzem unterstützt viventura Jairos Projekt. Weitere Sozialprojekte in Kolumbien sowie die Möglichkeit selbst zu Spenden findet ihr hier:
www.viventura.de/helfen/kolumbien/bog_strassenkinder.php5

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