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Wahlergebnis Peru: Ein Land – zwei Gesichter

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Selten zuvor war Peru so gespalten wie heute, zumindest bezogen auf das Wahlergebnis vom 4. Juni. An diesem Tag hatten sich 55% der 17,7 Millionen peruanischen Wähler für Alan Garcia (Mitte-Links) und gegen Ollanta Humala (linksnational) als Präsidenten ihres Landes entschieden.

Für Garcia haben fast ausschließlich die Menschen aus den Küsten-Regionen gestimmt, während in den meisten Anden- und Dschungelgebieten Humala als Wahlsieger hervorging. Garcia hält nur in 9 von 25 „Departamentos“ (Regionen) eine Mehrheit. Dies entspricht gerade einmal 25% der Gesamtfläche von Peru.

Diese Tatsache ist mindestens so bemerkenswert, wie der ohnehin unglaubliche Sieg von Garcia. Garcia gewann die Wahl, obwohl er Peru während seiner ersten Amtszeit in den 80er Jahren in die schlimmste wirtschaftliche Krise der peruanischen Republik geführt hatte. Am Ende seiner Präsidentschaft wurden ihm Fonds-Veruntreuung, Korruption und Mißachtung von Menschenrechten zur Last gelegt.

Peru ist derzeit demographisch und ideologisch gespalten. Die Anden sind ein teilweise schwer zugängliches Hochgebirge. Als natürliche Barriere mit rauhem Klima stellen sie sich zwischen ihre Bewohner und die Menschen aus den Küstenregionen. Was die Andenregion noch zusätzlich von der Küste trennt und teilweise sogar einen „Staat im Staat“ begründet, ist die goldene Geschichte der Inkas und die im Gegensatz dazu blutige koloniale Vergangenheit der Küstenbewohner.

Nach diesen Wahlergebnissen hat es uns hier in Arequipa, im peruanischen viventura-Büro, sehr beschäftigt, woran es wohl liegen mag, dass sich die Interessen der Küsten- und der Andenregion so sehr unterscheiden. Wir wollten uns klar darüber werden, ob tatsächlich die Geographie die entscheidende Erklärung für dieses gespaltene Wahlergebnis liefert.

Hier geht’s weiter:
Aus diesem Grund habe ich mich mit zwei sehr verschiedenen Menschen (und Wählern) aus beiden Regionen unterhalten:
Jose stammt von der Küste, aus einem typischen Garcia-Wählergebiet. Er ist ein 40-jähriger Unternehmer, lebt in Lima und stammt von italienischen Einwanderern ab, die seit Generationen in Peru leben. Seine Ausbildung war nie ein Problem, er besuchte eine gute Schule und studierte in Lima. Jetzt verdient er ungefähr 3000 US$ im Monat (15 mal mehr als ein peruanischer Mindestlohn), genießt ein angenehmes Leben und reist viel.

Bei seiner Wahlabstimmung war für Jose das Entscheidende, weiter eine demokratische Regierung zu gewährleisten. Auch wenn der Kandidat Garcia nicht 100%ig nach seinem Geschmack kam. Zu der Frage, warum es momentan eine solche politische Unstimmigkeit in Peru gibt, antwortete er: „Das Problem ist, dass die Leute aus den inneren Gebieten des Landes von sozialem Groll und Ressentiments angetrieben werden. Sie haben das Recht, dies zu fühlen, es ist verständlich, aber ihre Unwissenheit führt sie zum Selbstmord statt zur Lösung. Diese Leute haben leider keine Ahnung, was es in der Welt sonst gibt, und dass wir von dieser Außenwelt direkt abhängen, ob wir es möchten oder nicht. Die Welt beschränkt sich für sie nur auf einen Horizont, der bis zu den Bergen reicht. Niemand, niemand hat sich damit beschäftigt, dies zu ändern.“

Da mehr als zwei Drittel der ursprünglichen „Eroberer“ sich in den Tälern der Küstengebiete etablierten und auch Einwanderer wie Joses Vorfahren aus verschiedenen Ländern Europas und Asien sich später an der Küste niederließen, mischte sich die Bevölkerung stark. Dies half sehr bei der schnellen wirtschaftlichen Entwicklung des Gebietes. Ebenso befindet sich aufgrund der einfacheren Zugangsmöglichkeiten die Mehrheit der asphaltierten Strassen an der Küste. Infolge dessen entwickelten sich an der Küste überlegene Geschäftsgelegenheiten, Gesundheitsversorgung und Erziehungsangebote.

In einer komplett anderen Situation befindet sich Juvenal, ein 27-jähriger Jugendlicher aus Puno. Auf der Suche nach Arbeit kam er nach Arequipa. Heute verdient er sein Geld als Taxifahrer, 12 Stunden am Tag und für ungefähr 150 US$ monatlich. Juvenal wohnt in einem armen Vorort der Stadt. Sein Haus hat er selbst gebaut, aus dem für Arequipa so typischen, in Handarbeit behauenen, weißen Vulkanstein. Es gibt dort weder fließendes Wasser noch Strom. Sein Heimatdorf konnte er bis vor 5 Jahren mit dem Auto nicht erreichen. Seine Eltern gingen nie zur Schule und er wurde mit 17 Jahren zum Militärdienst verpflichtet. Dort machte er seinen Führerschein.

Aus seiner Perspektive, aus seinem kleinen gelben Taxi heraus, sieht die Zukunft nicht sehr rosig aus. Er weiß, dass er jeden Tag für seine Familie arbeiten muß, um den nächsten Tag zu überleben. Ihn interessieren nicht die demokratischen Angebote der Politiker oder der Weltmarkt. Die Vorschläge von Ollanta Humala waren für ihn viel überzeugender: Jeder Peruaner, der es braucht, würde ein Taxi geschenkt bekommen und die Preise des Benzins würden mittels Verstaatlichung der Erdöl-Ressourcen stark gesenkt.

Juvenal glaubt, dass „durch die Nationalisierung von großen Konzernen, die sich zur Zeit in der Hand der Chilenen befinden, mehr Arbeitsstellen generiert werden.“ Er ergänzt: „Mir sind die nationalen Investitionen lieber als die ausländischen. Ich habe den Eindruck, ich würde davon mehr bekommen.“ Natürlich sieht er sich nicht von Sozialneid oder Ressentiments getrieben. Vielmehr liegt es ihm am Herzen, seiner Familie eine gesicherte Zukunft bieten zu können und aus der aktuellen Armutslage zu befreien.

In den Anden- und Dschungelgebieten, die 75% des peruanischen Staatsgebiets ausmachen, sind die Zufahrten zu fast allen Städten und Gemeinden beschwerlich. Es gibt heutzutage immer noch eine große Anzahl von Dörfern, die nur nach stundenlangen Fußmärschen erreichbar sind. Ein Großteil der Bevölkerung hatte nie die Möglichkeit zur Sekundarschule zu gehen, weil es einfach in der Umgebung keine gab. Um in die Schule zu gehen, hätten sie täglich mehrere Stunden gehen müssen.

Jose und Juvenal, Küste und Anden, Demokratie und Nationalismus: Die Polarisierung ist offensichtlich. Peru ist ein Land, das nach 300 Jahren Kolonialzeit und 200 Jahren Republik, eine sehr inhomogene Bevölkerungsstruktur hat: ca. 5% sind afrikanische, arabische oder asiatische Minderheiten, 35% sind Indios und die restlichen 60% sind Mestizen (Mischlinge) europäischer Herkunft mit indianischem Einschlag. Der peruanische Zentralismus der letzten Jahren hat das Seinige zur weiteren Spaltung des Landes beigetragen. Für viele ärmere Peruaner haben sich die Eliten des Landes aus den Küstenregionen am nationalen Eigentum bereichert. Diese Wahrnehmung förderte die weitere ideologische und materielle Teilung des Landes. Beide Hauptregionen Perus haben heute kaum Interesse oder Verständnis für die Bedürfnisse der jeweils anderen Seite.

Trotzdem haben nach diesen Präsidenten- aber auch Kongreß-Wahlen beide Seiten gewonnen. Im Kongreß wurden zumindest Abgeordnete gewählt, die für alle Regionen repräsentativ sind. Die Küste und die großen Städte haben entschieden, wer der nächste Präsident sein wird. Der südliche Teil und die Andenregion haben jedoch zum ersten Mal in der Geschichte Perus ihre Stimme laut und deutlich hören lassen und konnten klar stellen, dass die Politiker des Landes in Zukunft auf ihre Stimmen zählen müssen.

Übersetzung:
Véronique Masingue und Roland Geng

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