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Mit einem Klick über die Anden – Peru geht online

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Staubige Luft empfängt den Besucher in Alto Jesus, einem Armenviertel am Stadtrand von Arequipa. Die Sonne brennt über einfache Schotterpisten, verfallene Häuser und wenige Schulen. Zwischen all der Trostlosigkeit sticht mir als Eindringling in diese andere Welt sofort ein kleines Haus ins Auge. Ein Schild über dem Eingang zu diesem bescheidenen Ort verrät dessen große Bedeutung für das Viertel: „Internetcafé“.

Neugierig betrete ich dieses Haus, das so gar nicht in diese hoffnungslos anmutende Gegend passt. In dem kleinen, muffig riechenden Raum treffe ich Julio, einen Teenager, der sich wie viele seiner Freunde am Internet begeistert.

Julio stammt aus ärmlichen Verhältnissen, er lebt mit seinen Eltern und seinen sieben Geschwistern in einem kleinen Haus in Alto Jesus. Der Junge besuchte das Colegio Nacional, die nahegelegene staatliche Grund- und Hauptschule. Zu meiner Überraschung erfahre ich, dass der junge Peruaner in der Abschlussklasse bereits einige Unterrichtsstunden an den schuleigenen Computern absolviert hat. In einer Klasse bestehend auf 40 Kindern, ausgestattet mit drei Computern, war der Erfahrungsgewinn für den damals sechzehnjährigen Jungen jedoch sehr dürftig. Ohne Zugang zum Internet konnte den Jugendlichen lediglich die grundlegende Funktionsweise des Computers näher gebracht werden. Julio berichtet mir, dass die Umstände in seiner ehemaligen Schule sich bis heute kaum verbessert haben.

Nach der Schule entschied sich Julio wie sein ältester Bruder für eine Ausbildung zum Buchhalter. Jede dritte Stunde findet der Unterricht am Bildschirm statt. Anders als in Alto Jesus kann am Institut in Cayma, einem entwickelten Stadtviertel in Arequipa, jeder Schüler alleine an einem Rechner arbeiten. Textverarbeitung steht ebenso auf dem Lehrplan wie Tabellenkalkulation.

Heute, zwei Jahre nachdem Julio zum ersten Mal die Onlinewelt bestaunte, nutzt der junge Peruaner das Netz fast täglich. Für etwas mehr als 20 Cent pro Stunde chattet, spielt und lernt er online. Glücklicherweise kann er sich heute das Online-Vergnügen leisten. Der Cafébetreiber erzählt mir später, dass noch vor einigen Jahren nur wenigen privilegierten Peruanern der Zugang zum Netz möglich war. Gerade sucht der fleißige Schüler Informationen über politische Systeme im Ausland.

Hier geht es weiter:
Er weiß, im Internet findet er schnell und einfach was er braucht. Wenn der Neunzehnjährige mit seinen Hausaufgaben fertig ist, wird er sich über das Netz mit seinen Freunden über das letzte Fußballspiel oder die neuen Mädchen in der Klasse unterhalten. Seine Freunde sitzen dann auch in einem der vielen Internetcafés, eine eigene Leitung nach Hause hat keiner der Jungen.

In den ländlichen Gegenden Perus ist die Situation was den Zugang zum Internet betrifft, für viele junge Peruaner weitaus ungünstiger. Lernen Kinder aus wohlsituierten Familien in der Stadt bereits mit zehn Jahren und spezieller Lernsoftware, wie Maus und Tastatur funktionieren, sehen viele Kinder auf dem Land ihren ersten Computer erst fünf Jahre später.

Der peruanische Staat hat sich im Oktober 2001 diesem Problem mit der Einführung des „Proyecto Huascarán“ angenommen. Alejandro Toledo, der amtierende Präsident Perus, verfolgte zusammen mit dem Bildungsministerium ehrgeizige Ziele. Seine Vision war es, durch Huascarán bis 2006 tausende von Schulen, speziell in den ländlichen Regionen des Landes, an den Computer und an das Internet heranzuführen. Lehrer sollten das neue Medium in ihren Unterricht integrieren und sich somit eine stets aktuelle und günstige Informationsquelle erschließen. Toledo träumte darüber hinaus von einem schülerinternen Netzwerk, welches zu einem Regionen übergreifenden Wissensaustausch der jungen Auszubildenden führen sollte.

Der Vergleich zwischen Theorie und Praxis relativiert Toledos Projekt. Heute bezeichnen Pädagogen und viele Politiker das bislang einzige Projekt dieser Art in Peru als gescheitert. Claudia, eine Lehrerin aus Arequipa, bezeichnet die computergestützte Bildungsinitiative Toledos eher als marketingpolitische Idee des Politikers, mit der er Pluspunkte bei der ländlichen Bevölkerung sammeln wollte. Als Konsequenz unzureichender Aus- bzw. Weiterbildung der Pädagogen, infrastruktureller Schwierigkeiten und verschwundener Fördergelder ist die heutige Situation in den ländlichen Regionen vergleichbar mit der vor fünf Jahren.

Sandro Marcone, der ehemalige Projektleiter, hofft, dass mit neuen Geldern, die teilweise vom amerikanischen Microsoft-Konzern nach Peru fließen sollen, das Projekt Huascarán zu neuem Leben erweckt wird. Der Erfolg ist jedoch mehr als fraglich. Ganze Landstriche Perus verfügen nach wie vor über keinen Strom. Viele Mitglieder des Lehrerkollegiums außerhalb der urbanen Zonen im Andenstaat saßen selber noch nie vor einem PC. Die Weitergabe von technischem Know-how an die Schüler ist daher zumindest mittelfristig nicht in Sicht.

Eigeninitiative bzw. persönliches Engagement ist gefragt. Beispiele wie die Abschlussklasse einer Schule in Villa Cerrillos belegen, was im Kleinen alles möglich ist.

Das Viertel, in dem die Schule liegt, erinnert ein wenig an Alto Jesus vor zehn Jahren. Es gibt keinen Strom, die einfachen Häuser verfügen nicht über fließend Wasser. An einem Mittwochmorgen breche ich dorthin auf – ich möchte die „PC-Kids“ aus Villa Cerrillos kennen lernen. Die Direktorin der Schule, Senora Lopez, führt mich in das hinterste Klassenzimmer. Darin erwarten mich 30 lärmende Zwölfjährige. Als sie hören, dass ich wegen ihrem Computerkurs gekommen bin, erscheint ein freudiges Funkeln in ihren kleinen Kinderaugen.

Gustavo dringt mit seiner lauten Stimme zwischen all den Bemerkungen seiner Klassenkameraden als erster zu mir durch. Er wird stellvertretend für die anderen über den Computerunterricht berichten. Im August letzten Jahres begann etwas Neues für Gustavo und seine Klasse. Alin, ein ehemaliger Programmierpraktikant von viventura, machte sich auf den langen Weg in den Außenbezirk , um die Schüler der fünften Klasse mit seinem Computer und dem Internet vertraut zu machen. Da es in der Nähe der Schule keinen Strom für Alins Laptop gab, wanderte die Klasse in das nächstgelegene Internetcafé. Zu Beginn erklärte der Programmierer den neugierigen Kindern die Einzelteile eines Computers. Nach und nach lernten die Schüler in dem fünfmonatigen Kurs einen eigenen Brief zu schreiben und sich selbständig Informationen aus dem Internet zu suchen.

Zum Schluss berichtet mir Gustavo stolz, dass er gelegentlich mit seinem großen Bruder das Internetcafé aufsucht, um sich die Welt jenseits der Anden anzuschauen. Alins Ziel, den Kindern den eigenständigen Umgang mit dem Computer zu lehren, hatte Erfolg und das ganz ohne politische Hintermänner.

Über diesen Link bekommt ihr weitere Informationen über das Computerprojekt in Villa Cerillos:
www.vilinks.net/e27c

Die teilnehmenden Kinder findet ihr mit Foto auf der Hauptseite des Projektes unter
www.vikiweb.org

Falls ihr die Idee von Alin gerne unterstützen und der nächsten Klasse in Villa Cerrillos einen Computerkurs ermöglichen möchtet, dann könnt ihr hier für das Projekt und die Schule spenden:
www.vilinks.net/471c

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Der Autor:

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