Südamerika Reisen mit viventura
030 6167558-0

wochentags 9-22 Uhr
Sprechen Sie mit einem Spezialisten

Abspülzwang

0 Flares 0 Flares ×

Angewidert schauen mich alle an, als ich die Teller ins Spülwasser tauche. Ich kann es spüren, da ist er wieder, dieser kleine deutsch-brasilianische Kulturkonflikt am Spülbecken.

Aber nein, ich werde nicht nachgeben. So wie es mir meine Mutter beigebracht hat, lasse ich mutig das Spülbecken vollaufen und spritze Spülmittel rein. Und dann wasche ich da drin, ja genau im selben Wasser, alles Geschirr. Angefangen mit den Gläsern, dann kommen die Teller und am Schluss die Töpfe. So hab‘ ich das gelernt, so hat das schon meine Oma gemacht und so werd‘ ich das auch machen!!

Die brasilianischen Reaktionen auf so ein revolutionäres Verhalten sind gemischt – je nach Temperament. Die mutigen sagen: „Wechselst du nicht zwischendrin mal das Wasser?“. Andere möchten so unhöflich nicht sein. Sie fragen dann vielleicht eher: „Soll ich dir helfen? Du brauchst doch hier nicht abspülen…“

„Wieso das denn“, denke ich: „Abspülen kann ich auch selber.“ Außerdem fühle ich mich moralisch dazu verpflichtet wenigstens dieses eine Mal die Welt zu retten. Ich weiß ganz genau: Wenn ich die anderen abspülen lasse, dann wird das Wasser mindestens eine halbe Stunde ununterbrochen laufen und für jeden Teller wird es einen neuen Schwapp Spülmittel auf den Schwamm geben, so viel wie ich für’s ganze Spülbecken brauche. Es tut mir in meiner deutschen Mülltrennungs-Seele weh.

Ich denke fest an die Schaumkronen auf dem Bach vor unserem Haus. Im Geiste male ich mir aus, wieviel Wasser ich spare, wieviel Seife. Das gibt mir Kraft, um dem subtilen Gruppenzwang, der sich in der Küche aufbaut, Stand zu halten. Ein harter Kampf, das gebe ich zu. Nirgends gibt es Stöpsel für’s Spülbecken. Eine Plastiktüte muss herhalten, manchmal eine umgedrehte Untertasse. Aber eins steht fest: Das Wasser bleibt!

Das war vor einem Jahr, als ich ganz neu hier war, sozusagen während meiner Kulturschock-Phase. Inzwischen ist von meinem Kampfgeist wenig übrig geblieben. Ich glaube man nennt das „Assimilation“. Ich will nicht sagen, dass ich meine kulturellen Wurzeln völlig aufgegeben habe. Nein, sicher nicht. Ich lasse das Wasser nicht dauernd laufen. Ich drehe es zu, wenn ich einen besonders verkrusteten Teller schrubbe oder einen eingebrannten Topf. Außerdem benutze ich vielleicht nur für jedes vierte Glas neues Spülmittel, immerhin.

Ich muss sogar zugeben, dass ich es inzwischen ein bisschen eklig finde, wenn ich in Deutschland zu Besuch bin und die vielen Essensreste in der Spülbrühe schwimmen sehe. Denn welcher von meinen WG-gewohnten Studentenfreunden macht sich schon die Mühe das Geschirr in klares Wasser zu tauchen oder sogar abzutrocknen. Ich frage dann (weil ich nicht ganz so höflich bin): „Willst du nicht zwischendurch wenigstens Mal das Wasser wechseln?“

Foto by qousqous

Share Button

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Viventura Reisen

viventura
viventura ist dein Spezialist für Rundreisen in Südamerika und bietet innovative Abenteuerreisen zu einem top Preis-Leistungs-Verhältnis. Dank einem Direktvertrieb und den exklusiven Büros vor ... weiterlesen

Folgen Sie uns!

Suche

Unsere bestbewertete Reise:

Patagonien XXL

Tweets von @viventura_de

viActive

Patagonien XXL

26 Tage, inkl. Flüge
Trekking, Iguazu & Rio
  • Trekkingklassiker W-Trail & Fitz Roy
  • Perito Moreno Gletscher
  • Seen- und Vulkanregion
  • Iguazu Wasserfälle

ab 4799 EUR