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„Volksschwitzen“ – kolumbianische Sonntagstradition

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Sonntagmorgen. Es ist wirklich früh, gerade mal 8 Uhr. Für einen Sonntag einfach zu früh, um so wie ich in Sportklamotten vor der Haustür zu stehen. Frühstück hatte ich auch noch keines. Frühstück am Sonntag heißt in Kolumbien: Tamal. Wenn es so etwas wie eine kolumbianische Pizza geben sollte, dann ist es diese in ein Bananenblatt gewickelte Spezialität. Der Mais- oder Reisteig ist je nach Region mit unterschiedlichen Zutaten gefüllt. Wie auch immer: Ein Tamal ist ein halbes Mittagessen und vor meinem Gang auf der „Ciclovia“ bestimmt das falsche.

Was ist eine Ciclovia? Wörtlich übersetzt ist es ein Fahrradweg. Aber in Kolumbien steht Ciclovia für Fitness, Familie, Eitelkeit, Flanieren, Sehen und Gesehen werden, ein bisschen Schweiß und ganz viel Schauen. Eben kolumbianisch: Aktiv genießen! Ciclovia ist das Sonntagsprogramm in den meisten Großstädten. Von 8 bis 14 Uhr werden viele Straßen oder Fahrspuren, auch Hauptverkehrsstraßen, für den Autoverkehr gesperrt. Dann gehören sie den Joggern, Skatern, Radfahrern, Familien, Hundebesitzern und natürlich den Kleinhändlern, die ihre Stände entlang der Strecke aufbauen. Radfahrer können einmal um Bogota fahren, also etwas mehr als 50 km. Eine schöne, sportliche und entspannte Art, die Stadt aus und in einer anderen Perspektive zu sehen.

Vor allem Sehen, denn wie erwähnt dreht es sich auch um das Sehen und Gesehen werden.

Hier geht’s weiter:

Um 8 Uhr seht ihr die richtigen Sportler. Das sind die hageren Läufer, deren rhythmische Atmung keinen Zweifel daran lässt, dass sie dieses scharfe Tempo noch einige Kilometer ohne Mühe durchhalten. Ich bin realistisch und lasse die Läufergruppe ohne mich weiterziehen. Mein sonores Keuchen war für ihren lahmen Atemrhythmus ohnehin zu lebendig! Auch die passionierten Radfahrer sind um diese Zeit unterwegs. Ihre bunte Kleidung und die äußerst professionelle Ausstattung ihrer Fahrräder lassen erkennen, dass diese Jungs auf der Jagd nach persönlichen Rekorden sind. Wäre ich mit dem Fahrrad unterwegs, würde ich auch diese Gruppe abziehen lassen müssen.

Die Skater zu dieser frühen Stunde gehören ebenfalls der Schweiß-Fraktion an. Wahrscheinlich durch die jüngsten Erfolge der kolumbianischen Skater-Auswahl bei der WM in Korea motiviert, legen sie noch einen weiteren Zahn drauf. Auch hier geht es um Rekorde. Mein persönlicher ist es heute, mal ohne Stopp, die 4 km von mir bis zur Calle 80 hin und zurück zu machen.

Dass die Schweißfraktion schneller ist, daran habe ich mich ja gewöhnt, aber was mich nun doch wurmt, ist, dass ein Guanabana-Verkäufer seinen Karren fast genauso schnell schiebt, wie ich jogge. Seinen vollen Guananbana-Karren wohlgemerkt! Ich denke mir, dass er wohl gestern mal wieder bis spät unterwegs war und heute von seiner „Alten“ aus dem Haus gejagt wurde. So wie der es eilig hat, kann es keine andere Erklärung geben! Geschieht ihm recht! Da muss der Mensch ja schnell sein, ist fast wie Doping!

Auf den Bürgersteigen bauen die ersten Händler ihre Tische auf. Da gibt es frischen Obstsalat, die selbstgemachte Limonade, das belebende Fitness-Getränk und auch: Tamales! Natürlich darf nicht die Auslage mit Fahrrad-Ersatzteilen fehlen. Bunt gemischt liegen sie da und von einer 5-Gang-Zahnradkrone bis zur Vorderradgabel findet sich alles, was so an einem Fahrrad repariert werden kann. Du kannst auch dein Rad für ein paar Pesos flicken und aufpumpen lassen. Während dieser Wartungsarbeiten ist genügend Zeit um am Nachbarstand schnell einen Fruchtsalat zu essen – oder auch einen Tamal. Ich verstehe langsam warum manche meiner Bekannten trotz Ciclovia ständig an Gewicht zulegen. Und über den neuesten Tratsch in Bogota bestens informiert sind, denn an den Ständen gehört das Gespräch über Tagesaktualitäten einfach dazu.

Sie gehören zur „Sehen-und-Gesehen-werden-Fraktion“. Das sind die, die nach 10 Uhr unterwegs sind. Schwitzen ist da nicht erwünscht, denn das Make-Up verwischt und die roten Köpfe stehen im unvorteilhaften Gegensatz zu den Designer-Trainingsanzügen. Nach 10 Uhr sind die Straßen aber auch zu voll um auf Rekordjagd zu gehen. Dann wird die Ciclovia zur „Begegnungspiste“. Gleichgesinnte treffen sich und trinken einen Fruchtsaft, unterhalten sich eine Stunde um festzustellen, dass es ja so viel zu sagen gibt und sie unbedingt telefonieren müssten um mal richtig zu reden.

Jetzt sind die Familien unterwegs. Entweder können die Kleinen schon selbstständig Rad fahren oder Skaten oder die Eltern laufen nebenher und helfen mit dem Gleichgewicht. Die ganz Kleinen werden in ihren Kinderwagen gerollt. Auch die Senioren sind jetzt mit flottem Schritt unterwegs. Das ist Bogota, das ist Kolumbien: Keine Generationengrenzen und jeder macht mit.

Diese Ciclovias gibt es schon seit Beginn der neunziger Jahre und sie sind heute nicht mehr weg zu denken. Sie sind genauso zu einer Tradition für die Sonn- und Feiertage geworden, wie das Frühstück mit Tamal. Und daher radeln wir mit unseren viActive und viYoung Gruppen ab sofort am Sonntag zum Flohmarkt nach Usaquen. Tradition ist schließlich Tradition!

Jetzt, da ich den sportlichen Teil der Tradition hinter mich gebracht habe, widme ich mich auch gerne dem zweiten, dem Tamal. Buen provecho!

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Der Autor:

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