Südamerika Reisen mit viventura
030 6167558-0

wochentags 9-22 Uhr
Sprechen Sie mit einem Spezialisten

Die Dorfschule wächst – Abitur am Titicacasee

0 Flares 0 Flares ×

Am Titicacasee herrscht jetzt im November, mit Einsetzen der Regenzeit, landwirtschaftlicher Hochbetrieb. Alle Mitglieder der hiesigen Aymara-Dörfer, vom Großvater bis zu den Kleinsten, sind bei der Feldarbeit dabei.
In Santiago de Okola, einem kleinen Fischer – und Bauerndorf mit 350 Einwohnern sind auf den Feldern kaum Kinder zu sehen. Noch seltsamer ist aber dass die 15- bis 19 jährigen ebenfalls abwesend sind. Sie haben Wichtigeres zu tun, sie pauken für die Prüfungen. Santiago de Okola hat sich Großes vorgenommen: Im Dezember feiert die Dorfschule ihren allerersten Abiturientenjahrgang.

Für viele Bolivianer ist ein Schulbesuch keine Selbstverständlichkeit. Ein Schulabschluss für die meisten unerreichbar. Dazu kommt noch der riesige Unterschied der Schulbildung in den Städten und der auf dem Land.
Die Volkszählung im Jahre 2001 ergab zwar „nur“ eine zwölfprozentige Analphabetenrate unter den ca. 9 Millionen Bolivianern, aber innerhalb der indigenen Bevölkerung fernab der städtischen Zentren (2 Millionen Menschen) liegt dieser Wert bei 39 Prozent. Vierzig von hundert Indigenas haben noch nie eine Schule besucht.

Obwohl das Gesetz eine achtjährige Grundschulpflicht vorschreibt und keine Schulgebühren erhoben werden, brechen auf dem Land neunhundert von tausend Kindern die Schule vor der achten Klasse ab. Von tausend eingeschulten Kindern erreichen bisher nur 25 das Abitur. Die Familien, kinderreich und arm, können es sich nicht leisten ihren gesamten Nachwuchs zur Schule zu schicken. Entweder fehlt das Geld für das Schulzeug aller Kinder oder auf ihre Arbeitskraft auf dem Acker kann nicht verzichtet werden.

Hier geht´s weiter

Das Ackerland wird aber vererbt. Es reicht nicht für den gesamten Nachwuchs und geht in den meisten Fällen an das älteste Kind. Die jüngeren Geschwister ziehen in die Städte. Die Schulabbrecherquote in den Städten ist viel niedriger als auf dem Land und die Abiturientenrate wesentlich höher. Die Zuwanderer haben so immer die schlechteren Karten, kaum Aussichten auf lukrative Jobs und minimale gesellschaftliche Aufstiegschancen. Armut und Ausgrenzung der indigenen Bevölkerung pflanzen sich fort.

Die Gründe für den riesigen Qualitätsunterschied der städtischen und ländlichen Bildung liegen darin, dass Bolivien bis vor kaum 50 Jahren noch ein feudaler Staat war, in dem die Indigenas „Pongos“, also Leibeigene, waren und für wenige Landbesitzer Fronarbeit leisten mussten. Die Bildung der Landbevölkerung genoss weder eine soziale noch eine ökonomische Priorität und in den wenigen Schulen auf dem Lande wurde den Indigenas die Rolle der Diener und Menschen zweiter Klasse anerzogen. Erst eine Revolution im Jahre 1952 enteignete die Großgrundbesitzer, gab das Land an die Gemeinden zurück und den Indigenas dieselben Rechten und Pflichten wie der Stadtbevölkerung. Eine mangelhafte, zentralistische Verwaltung und eine fehlende Bildungspolitik haben aber bis weit in die 90er Jahre hinein wenig an der Lage der Schulbildung im ländlichen Raum verändert.

Das Bewusstsein für diese Probleme ist aber in den Menschen vorhanden und so haben die Bewohner von Santiago de Okola beschlossen den Teufelskreis von Abwanderung und beruflicher Chancenlosigkeit zu durchbrechen.
Als wir vom viventura-Partnerbüro in La Paz den Einwohnern des Dorfes eine touristische Zusammenarbeit vorschlugen und fragten wo wir mit unserer viSozial-Initiative am besten die Gemeinde unterstützen könnten kam die Antwort sofort: Die Schule braucht dringend eine Bibliothek mit Lehrbüchern und Nachschlagewerke für die Oberstufe.

Tomás Laruta, der Vorsitzende des schulischen Elternrates und Patricio Hilaquita, der Direktor der „Unidad Educativa Santiago de Okola“ – so der offizielle Name der Schule, stehen seit Anfang 2003 hinter dem Ziel den Kindern ihres Dorfes und der Umgebung das Abitur und damit eine Chance auf einen richtigen Beruf zu ermöglichen. Seit das Dorf beschloss, dass die Schule die Oberstufe mit Abitur anbieten soll, haben beide Männer in Vertretung der Gemeinde und der Schule die Behördengänge absolviert, um die nötigen Lehrerstellen vom Staat finanziert zu bekommen. Da die staatlichen Mittel aber nicht für den Ausbau der Räume und für Material ausreichten haben Don Tomás und Don Patricio mehrere Stiftungen und kirchliche Organisationen um Unterstützung angeschrieben. Sie waren so erfolgreich dass die Schule nun sogar ein eigenes Computerkabinett mit 10 Rechnern einweihen kann.

Wir freuen uns sehr, der Schule von Santiago de Okola mit Lehrbüchern für die Oberstufe geholfen zu haben und sind zur Abiturfeier eingeladen. Davon berichten wir gerne in einem anderen Artikel.

Share Button

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Viventura Reisen

viventura
viventura ist dein Spezialist für Rundreisen in Südamerika und bietet innovative Abenteuerreisen zu einem top Preis-Leistungs-Verhältnis. Dank einem Direktvertrieb und den exklusiven Büros vor ... weiterlesen

Folgen Sie uns!

Suche

Unsere bestbewertete Reise:

Peru Bolivien

Tweets von @viventura_de

viExplorer

Peru Bolivien Chile

24 Tage, inkl. Flüge
3 Länder, Machu Picchu & Salzwüste
  • 3 Metropolen: Lima, La Paz, Santiago
  • Auf Inkapfaden nach Machu Picchu
  • Übernachtung bei Bauern am Titicacasee
  • Uyuni: Die größte Salzwüste der Erde

ab 4099 EUR