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Kleine bolivianische Streikkunde für euch Europäer

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Findet ihr nicht, dass in Europa Streiks immer total chaotisch ablaufen? Kaum streiken mal die Straßenbahnen schon gibt es Stau und alle ärgern sich. Irgendwie erscheint mir Europa streiktechnisch ein Entwicklungsland. Völlig unorganisiert läuft das da ab.

Bei uns in Bolivien sieht das ganz anders aus. Wir üben unsere Streikfähigkeit mindestens einmal im Monat! Da solltet ihr euch mal was abschauen, bei Feuerwehrübungen klappt das doch auch.

Na gut, für den nächsten Streik habe ich euch hier eine kleine Streikologie zusammengestellt. Erklären wir das Ganze einfach am Beispiel:

Zuerst einmal müssen Regierung, Präfektur oder Rathaus eine neue Steuer, Straßenmaut oder Fußgängerzone beschließen. Das kommt bei uns eben etwa einmal monatlich vor.

Klar, dass unsere hochmotivierten Transportunternehmer dies nicht zulassen können: Fußgängerzonen sind Verfassungsbruch und ein schamloser Überfall auf das Vermögen der kleinen Leute! (Nebenbei: eine klare Behinderung der angestammten Routen und damit eigentlich auch ein bisschen geschäftsschädigend.) Alle Taxifahrer gucken also erstmal böse und drohen die Stadt lahm zu legen.

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Im nächsten Schritt müssen öffentliche Beleidigungen professionell in den Medien platziert werden. Denn nur so lässt sich der Streit ausreichend eskalieren. In Europa scheitern viele schöne Streiks schon an dieser ersten Hürde und gehen durch frühzeitiges öffentliches Einlenken und unvorsichtige Besonnenheit der Gegenseite langweilig zu Ende.

Hier ein paar Vorschläge zum Anheizen für die Zukunft – Regierung: „Wir werden uns nicht durch einseitigen, egoistischen Druck einiger isolierter Elemente einschüchtern lassen! Keinen Zentimeter werden wir den Unruhestiftern nachgeben.“ Transportunternehmer: „Wir werden die Stadt bluten lassen. Morgen früh stehen alle Räder still, so lange bis ihr um die Rücknahme des Gesetzes betteln werdet!“ Beide Seiten rufen dabei die Bevölkerung (uns) auf sich mit der gerechten (ihrer) Sache zu solidarisieren.

Natürlich wissen wir, dass wir auch diesen schönen Streik nicht auslassen werden. Kein Problem, denn die Lösung ist so einfach: Wir stellen nur den Wecker zwei Stunden vor und schon brauchen wir uns um Staus nicht zu sorgen. Warum?
Wir wissen doch, dass kein Minibus- oder Taxifahrer es sich leisten kann einen Arbeitstag ausfallen zu lassen. Schließlich müssen die Rechnungen bezahlt werden.

Um nicht als Streikbrecher dazustehen reicht es ja, die Arbeit einige Stunden vorzuziehen. Transportiert wird eben von Sonnenaufgang bis 8 Uhr, danach kann immer noch gestreikt werden.

Die ganze Stadt steht also zwei Stunden früher auf, fährt eine Stunde früher zur Arbeit, Schule oder Uni und lässt Streikende und Regierung danach in Ruhe ihr Ding machen. Staus: Fehlanzeige. Bis zum Mittagessen halten die Blockaden an, die Straßen sind wie leergefegt und vor dem Regierungspalast finden beeindruckende Demos statt.

Weil Taxifahrer aber prinzipiell zu Hause essen und ihre Fahrzeuge niemals unbeaufsichtigt lassen, pausiert der Streik aus gastronomischen Gründen von Mittag bis 14 Uhr und die Blockaden sind zwei Stunden lang praktisch aufgehoben.
Die Bevölkerung (wir) nutzen die Zeit um (wie immer) dringenden Terminen nachzugehen: Banken, Läden und Büros wissen, dass jetzt Kundschaft kommt und haben sich entsprechend vorbereitet. Warum seid ihr Europäer nur immer so überrascht, dass die Arbeitszeiten sich ändern, wenn gestreikt wird…

Der Blockade zweiter Teil beginnt pünktlich halb drei: abermals Demos, Zähnefletschen und starke Reden. Natürlich steht die Regierung schon seit Stunden in Verhandlungen mit den Anführern der Bus- und Taxifahrer. Und natürlich weiß niemand davon (offiziell), denn sonst würden ja beide Seiten ihr Gesicht verlieren! Die Bevölkerung (wir) schätzen währenddessen mit geübtem Blick die Dauer des Streiks auf maximal einen weiteren Tag ein.

Mit dem Sonnenuntergang, gegen halb sieben, beginnt wieder die hektische Geschäftstüchtigkeit der Bus- und Taxifahrer. Sie arbeiten bis tief in die Nacht. Die Bevölkerung (wir) erledigen abends was am Tag nicht ging und warten die Aufhebung des Streiks in den Nachrichtensendungen ab. Am nächsten Morgen, spätestens übermorgen, klingelt der Wecker wieder später.

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