Südamerika Reisen mit viventura
030 6167558-0

wochentags 9-22 Uhr
Sprechen Sie mit einem Spezialisten

Chile: Die Revolution der Pinguine

0 Flares 0 Flares ×

Polizisten, die auf Schüler einprügeln… Die Bilder von den chilenischen Schülerrevolten im Frühjahr und Herbst diesen Jahres sind um die ganze Welt gegangen.

Tausende „Pinguine“ (so werden in Chile die Schüler wegen der meistens weiß-dunklen Schuluniform genannt) in ganz Chile gingen auf die Straße und machten ihrem Frust und ihrer Enttäuschung Luft. Drei Wochen lang waren über dreihundert Schulen in ganz Chile „en toma“ (von den Schülern eingenommen).

Die noch junge Regierung von Präsidentin Michele Bachelet reagierte mit äußerst harter Gegenwehr. Fast 1500 Schüler wurden vorübergehend festgenommen. Schlagstöcke und Tränengas – der unnötige Einsatz staatlicher Gewalt brachte bald die Medien und einen Großsteil der Bevölkerung auf die Seite der Schüler.

Die Regierung Bachelet hatte die gut organisierte Schülerbewegung unterschätzt. Die meist noch jungen Führer der Bewegung, allen voran die Abiturienten Cesar Valenzuela und María Jesús Sanhueza gaben sich während der Verhandlungen sicherer und selbstbewusster als mancher Minister und Subsekretär Bachelets.

Aber was war eigentlich los? Gegen was oder wen richteten sich die Demonstrationen?

Hier geht’s weiter:

Streng genommen kämpfen die „Pinguine“ gegen eines der letzten Gesetze der Diktatur Augusto Pinochets. Im März 1990 wurde als eine der letzten Amtshandlungen Pinochets das „Organische Konstitutionelle Bildungsgesetz“ (LOCE) verabschiedet. Dieses Gesetz liberalisierte und privatisierte die Bildung fast vollständig und wies dem Staat nur eine regulierende Rolle zu. Private Bildungseinrichtungen können seither mit sehr wenigen staatlichen Vorgaben „Bildung“ verkaufen.

So kommt es, dass die Mädchen an den Kreuzungen Santiagos derzeit ausnahmsweise keine Supermarktwerbung verteilen, sie bieten keine supergünstigen Kredite und preisen keine neuen Wohnungen an…

Nein – an Ampeln, Supermärkten und vor den riesigen Einkaufszentren rühren fast ausschließlich die privaten Universitäten des Landes massiv die Werbetrommel. Sie sprechen die Abiturienten an, die jetzt entscheiden müssen wo, wie und was sie studieren wollen.

Vor den Rektoraten der Universitäten bilden sich lange Warteschlangen von Studenten, die sich zur „prueba de selección universitaria“ (PSU) einschreiben möchten. Anders als Europäer erwerben Chilenen mit dem Abitur nämlich nicht automatisch die Hochschulreife, sondern erst mit der ungleich schwierigeren PSU.

In den wenigsten Fällen reicht die Schulausbildung, um die PSU zu bestehen. Aus diesem Grund hat sich über Jahre eine weitere äußerst lukrative Industrie von sogenannten „Preunivesitarios“ etabliert, die den gestressten Schülern für viel Geld in kürzester Zeit das noch fehlende Wissen einprügeln.

Ein Großteil der Schulen in der Hauptstadt Santiago ist also privat organisiert. Gleichzeitig fließen jedoch üppige staatliche Subventionen in den Bildungssektor. Diese Konstellation hat in den letzten 20 Jahren dazu geführt, dass staatliche Gelder veruntreut wurden und sich das Bildungsniveau bei Grundschulen und Gymnasien rasch verschlechterte.

Ungleiche Bildungschancen, das schlechte Ausbildungsniveau der Schulen, die nicht ausreichend auf die PSU vorbereiten und die Korruption im Bildungswesen bilden schon länger ein explosives Gemisch. Gezündet wurde dieses Gemisch dann dieses Jahr durch die langwierige öffentliche Diskussion über die Milliarden, die der hohe Kupferpreis in die Staatskasse gespült hatte. Denn die Schüler wollen, dass diese Einnahmen für die Reform des Bildungssystems genutzt werden.

Die „Pinguine“ haben sich als oberstes Ziel die Abschaffung des LOCE-Gesetzes gesetzt. Ob sie es erreichen werden, steht noch nicht fest. Ihr Problem: Dieser Tage hat keiner der „Pinguine“ mehr Zeit zum Demonstrieren. Jetzt müssen sie erst einmal für die PSU büffeln und hoffen, dass sie eine Uni wählen, die nach der erhofften Bildungsreform überhaupt noch Hochschulbildung anbieten darf.

Share Button

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Viventura Reisen

viventura
viventura ist dein Spezialist für Rundreisen in Südamerika und bietet innovative Abenteuerreisen zu einem top Preis-Leistungs-Verhältnis. Dank einem Direktvertrieb und den exklusiven Büros vor ... weiterlesen

Folgen Sie uns!

Suche

Unsere bestbewertete Reise:

Chile

Tweets von @viventura_de

viComfort

Chile Patagonien Argentinien

19 Tage, inkl. Flüge
von Wüsten und Gletschern
  • Atacama Wüste inkl. El Tatio Geysir
  • Santiago de Chile & Valparaiso
  • Buenos Aires inkl. Tangoshow
  • Ushuaia & Feuerland

ab 4499 EUR