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Wasser für Hilata – Ein Tropfen auf den heißen Stein?

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Als ich über die lange und vor allem staubige (mit Schlaglöchern übersäte) Landstraße von Puno nach Capachica fahre, schaue ich aus dem Fenster des überladenen Busses und kann überall die Bauern auf ihren Feldern sehen. Mitten im Nirgendwo taucht eine kleine Lehmhütte auf, vor der ein Esel und zwei Schafe oder Alpacas stehen. Weiter entfernt kann ich dann den Bauern oder die Bäuerin ausmachen, in ihrer traditionellen Tracht gekleidet, inmitten ihrer braun-roten Scholle.

Bei dem Stichwort „Felder“, denken wir Europäer zuerst an saftig grüne Felder, an hüfthohe Kornfelder oder weite Wiesen, auf denen Kühe weiden. Hier auf Capachica, der Halbinsel im Titicacasee, ist alles anders. Trotz der Nähe zum See sind gerade in der Trockenzeit die Felder karg, kaum etwas scheint hier wachsen zu können. Wasser ist hier ein kostbares Gut und wird sparsam verwendet. Jeden Tag muss es in mühsamer Arbeit aus Brunnen geschöpft oder aus dem See zum Haus getragen werden. So wird das Wasser hauptsächlich zum Bewässern der Felder benutzt. Die Idee, dass Wasser auch Sauberkeit bedeuten, Krankheiten vermeiden und die Lebensbedingungen verbessern kann, scheint hier weit entfernt.

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In Capachica Dorf angekommen, steige ich aus dem Bus und mache mich auf den Weg nach Hilata, ca. 30 Minuten zu Fuß von Capachica Dorf entfernt. Schon nach kurzer Zeit auf dem staubigen Weg zu der Grundschule überkommt mich das unstillbare Verlangen nach einer Dusche, um die Staubschicht, die sich auf mich gelegt hat, wieder los zu werden. In meiner Nähe entdecke ich zwei Kinder, die gerade mit Steinchen am Wegesrand spielen, und denen der Staub gar nichts auszumachen scheint. Die beiden hätten auch mal wieder eine Dusche dringend nötig, muss ich spontan denken. Mein Blick schweift über die kleinen Lehmhütten und mir wird klar, dass hier eine Dusche gar nicht existiert! Die Hütten verfügen schließlich noch nicht mal über einen Stromanschluss!

Capachica ist eine der ärmsten Regionen am Titicacasee. Die Menschen, die auf der Halbinsel wohnen, leben heute wie vor 100 Jahren. Die meisten von ihnen verfügen über kein fließendes Wasser, geschweige denn über einen Stromanschluss. Zur Zeit leben ca. 12.000 Menschen auf Capachica. Die Bevölkerung schrumpfte zwischen 1981 und 1993 durchschnittlich um jährlich ein Prozent. Ursache ist vor allem die Landflucht. Die Menschen erhoffen sich ein besseres und einfacheres Leben in den Städten und verlassen ihre Familien und Höfe auf Capachica.

Die Regierung unterstützt diese Region am Titicacasee kaum. Dadurch, dass der Großteil der Bevölkerung hier Selbstversorger ist und keinen Stromanschluss besitzt, sind die Einnahmen durch Steuern minimal, ebenso wie das Interesse des Staates den Menschen Hilfe zukommen zu lassen. Manchmal jedoch, stehen z. B. Wahlen an, besinnen sich die Kandidaten auch dieser Region und starten einmaligen (und meist nicht gut geplante) Kampagnen um sich die Stimmen der Bauern zu sichern. So stiftete die Regierung vor einigen Jahren kleine Toilettenhäuschen für die Bauern und diese (mittlerweile zerfallenen) Plumpsklos sieht man heute noch neben den Gehöften. Niemand hat den Bauern erklärt wie die Toiletten zu benutzen und zu pflegen sind, so dass das Projekt ins Leere verlief und heute nur noch die fremdartig wirkenden, knall-grün angestrichenen Plumpsklos als Erinnerung bleiben.

Heute habe ich mich auf den Weg nach Hilata gemacht, um die letzten Vorbereitungen für die Einweihung des Wasserprojektes der Grundschule zu treffen. Die Kinder konnten seit April 2006 zusehen, wie nach und nach ein Toilettenhäuschen für die Grundschule entstand, mit fließendem Wasser, Toiletten für Jungen und Mädchen und sogar einer kleinen Dusche. In 4 Tagen sollen die Sanitäranlagen eingeweiht werden und dann dürfen die Kinder endlich ihre Neugier befriedeigen und sich zum ersten Mal die Toiletten von innen anschauen. Zu der Einweihung sind auch die Eltern eingeladen, denn auch für sie sind die Sanitäranlagen etwas Neues, das sie erst mal kennen lernen müssen.

Als ich den Schulhof betrete, sind die Installateure in den letzen Zügen, das Häuschen fertig zu stellen. Noch während ich diese begrüße, kommt Jessica, eine der Schülerinnen der Grundschule auf mich zu und zupft an meiner Jacke. Verschüchtert schaut sie mich an und sofort wird mir klar, dass sie schon jetzt die Anlage gerne von innen sehen würde. Gemeinsam betreten wir den Raum der Mädchen. Hier bestaunt Jessica das fließende Wasser und ich muss ihr erklären, wie denn nun so eine Toilette funktioniert.

Vier Tage später, bei der offiziellen Einweihung der Sanitäranlagen, stürmen circa 40 Kinder auf einmal in die Räume der Anlage. Alle bestaunen die Neuerungen und wollen gleichzeitig alles ausprobieren. Die Eltern bleiben lieber noch draußen und warten darauf, dass sich der erste Ansturm legt. Besonders die kleine Dusche weckt die Aufmerksamkeit der Kinder, aber keiner traut sich so richtig diese auszuprobieren. Für Viele wird es das erste Mal sein, dass sie sich unter eine richtig Dusche stellen können!

Mit der Bereitstellung der Sanitäranlagen beginnt die Arbeit jedoch erst richtig. Im ersten Moment mag es aufregend für Kinder und Eltern sein, das Häuschen zu betreten und die Anlage auszuprobieren. Jedoch muss nun eine Hygieneerziehung für Kinder und Eltern beginnen, wenn dieses Häuschen nicht das selbe Schicksal ereilen soll wie die grünen Plumpsklos der Regierung. Die Lehrer der Schule werden immer wieder erklären, wie die Anlage zu benutzen ist und vor allem warum die Kinder sich waschen sollen. Was bedeutet Hygiene und warum werden dadurch Krankheiten vermieden? Für uns selbstverständlich, aber für die Kinder und Eltern der Grundschule Hilata fremd und zunächst unverständlich.

Nach und nach sollen die Kinder und Eltern lernen wie sie sich selbst pflegen und welche Vorteile Sauberkeit für ihren Alltag bedeutet. Zwar verfügen die Haushalte selbst noch nicht über fließendes Wasser oder eine „ordentliche“ Toilette. Trotzdem kann eine Grundidee der Hygiene geschaffen werden. Ansonsten wird jede Hilfe, z. B. in Form von Toilettenhäuschen für die Familien im Sande verlaufen.

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