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Der Para-Skandal in Kolumbien

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Dass die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr besonders ruhig sein sollen, merken wir Kolumbianer eigentlich nur an den Zeitungen. Bis Mitte Dezember kamen wir kaum mit, bei den sich überschlagenden Neuigkeiten über den so genannten Para-Skandal, welcher seit Wochen das Parlament und seine politische Arbeit lähmt. Täglich erfuhren wir neue Namen von Abgeordneten, die von der Staatsanwaltschaft über ihre Verbindungen zu den paramilitärischen Gruppierungen befragt wurden.

Aufmerksame Leser europäischer Zeitungen werden sich vielleicht fragen, warum gerade jetzt solcher „Presserummel“ ausbricht. Seit Jahren lebt Kolumbien mit dem international reproduzierten Vorwurf, dass es enge Verbindungen zwischen den paramilitärischen Kräften und verschiedenen Politikern gibt. Manchem Abgeordneten wird nachgesagt, dass er nur Dank der Unterstützung seitens der Paramilitärs zu seinem Mandat gekommen ist. Warum also gerade jetzt dieser Wirbel?

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Auch wir Kolumbianer „wissen“ seit langem, dass der Einfluss der paramilitärischen Kräfte auf unsere Abgeordnete sehr groß ist. Wissen in Anführungszeichen, weil wir (d.h. unsere Justiz) nie etwas beweisen konnten und auch nicht näher nachfragen wollten. Zu schmerzhaft könnten da die Antworten sein.

Mitte des Jahres fiel aber den ermittelnden Behörden der persönliche Laptop eines der Köpfe der so genannten AUC („Autodefensas Unidas de Colombia“, Vereinigte Selbstverteidigungskräfte Kolumbiens) in die Hände. Auf diesem befanden sich viele Namen von Politikern, und Hinweise auf deren Treffen mit den Führungskräften der AUC. Unter dem Namen AUC haben sich 1997 die vielen kleinen und großen illegalen, paramilitärischen Gruppen vereinigt, die in entlegenen Regionen die Guerilla bekämpften. Da traditionell Guerillas als politisch links angesehen werden, galten ihre Gegner vielen als rechtsextrem motivierte Kräfte. Diese Bezeichnung ist irreführend, haben doch die paramilitärischen Einheiten Kolumbiens keine politische Gesinnung oder Programme.

Dass die AUC gerade rechten Politikern nahe steht, hängt mit ihrer Entstehung zusammen. Und hier wird es für viele Kolumbianer persönlich schmerzhaft.

Ich denke an meine Nachbarn. Wir gehören derselben Generation an und sind zusammen aufgewachsen. Die Familie Diaz ist ein paar Monate vor uns in dieses damals neue Wohnviertel gezogen. Schnell wurden wir Kinder Freunde und bildeten mit den anderen Kindern der Straße eine richtige Horde, die spielend und lärmend durch die Straße zog und dieses Viertel hier so lebendig machte. Die Diaz lebten von der Viehwirtschaft. Ihre Rinder hatten sie auf riesigen Ländereien in den Llanos, ca. 4 Stunden östlich von Bogota entfernt. Die Llanos ist eine endlose Ebene zu Venezuela hin und wer sich dieses Flachland auf der Karte anschaut, wird vielleicht erahnen, dass es sehr schwer ist, dieses weite, kaum besiedelte Gebiet polizeilich zu schützen.

Wie der unzugängliche Amazonas und die dichten Urwälder am Pazifik liegen weite Teile des Llanos fern jeder staatlichen Regulierung und Einflussnahme. Daher sind die Menschen es hier gewohnt, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Es ist eine kolumbianische Version des amerikanischen Wilden Westens. Wir Kinder waren immer beeindruckt, dass Herr Diaz, der Vater unserer Freunde eine geladene Waffe im Auto hatte, wenn er zu seiner Finca fuhr. Meines Wissens hat er sie nie benutzt, aber ein Mann in den Llanos, zumal ein Viehzüchter, hatte einfach eine Waffe. Das war so in den siebziger Jahren.

Aus den Kindern sind Erwachsene geworden und aus der Wildwestromantik eine traurige Wahrheit Kolumbiens. Weil der Staat die Sicherheit in den entlegenen Gebieten nicht garantieren konnte, haben sich Ende der achtziger Jahre viele Kommunen oder große Viehzüchter ihre Privatarmeen zum Schutz vor den stark gewordenen Guerillas zusammen gestellt. Menschen, die in Bogota normale Nachbarn waren und sich der Ordnung ihrer Gesellschaft anpassten, waren auf ihren Ländereien ihre eigenen Herren. Was dies im Extremfall bedeuten konnte, das wagten wir nicht zu hinterfragen.

Die Privatarmeen entwickelten ihrerseits ein Eigenleben und übernahmen immer mehr Macht und Aufgaben. Um sich zu finanzieren suchten sie bald nach neuen Quellen. Der Söldnerlohn ihrer Auftraggeber reichte ihnen nicht mehr aus. Sie schlossen sich zu den AUC zusammen. Entführungen, Schutzgeld-Erpressung und Drogengeschäfte wurden rasch zur Haupteinnahmequelle. Mit ihrer Bedeutung wuchs auch ihr Einfluss auf die Lokalpolitik. Die AUCs gaben den Bewohnern ihrer Einflussgebiete „Empfehlungen“ bezüglich der ihrer Meinung nach idealen politischen Gesinnung eines Vertreters für das nationale Parlament in Bogota. Sie nannten keine Namen, aber ließen keinen Zweifel daran, wer ihr Wunschkandidat war. Diesen zeichnete vor allem aus, dass er sich für eine weit reichende Amnestie einsetzte, die den sich entwaffnenden Paras praktisch Straffreiheit garantierte und sie vor der Rückgabe der illegal angeeigneten Besitztümer sicherte. Unter dem heiß umstrittenen und endlich ratifizierten Gesetzt „Justicia y Paz“ – Gerechtigkeit und Frieden-, fielen die Amnestie-Garantien nicht so großzügig aus, aber für viele Kolumbianer gehen sie an die Grenze unseres Rechtsempfindens.

Heute nun hält die Justiz Beweismittel in den Händen, die es erlauben, haltbare Anklagen gegen die Günstlinge der AUC zu erheben. Wir Kolumbianer fühlen uns nicht wohl dabei, dass durch die weitreichenden Amnestie-Gesetze viele Paras, die ihre Waffen niederlegen, fast straffrei ausgehen sollen. Da ist es ein kleiner Trost, dass wir die Politiker, die mit ihnen zusammen gearbeitet haben aus dem Amt jagen können. Damit einher geht die große Hoffnung, dass wir uns von unserer Vergangenheit ein Stück weit befreien können.

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