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Jesus im Kunstschnee?

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Peru ist ein Land, in dem 90% der Bevölkerung katholisch sind. Eigentlich – so denken wir – müssten daher alle Peruaner, ja überhaupt alle Christen, Weihnachten ähnlich feiern, haben sie doch „dieselbe“ Religion. Aber ist das wirklich so?

Auf der Suche nach dem „richtigen“ Weihnachten habe ich zwei ganz unterschiedliche Regionen Perus besucht: Lima und Capachica am Titicacasee. Die Orte könnten unterschiedlicher nicht sein was ihren (wie man so sagt) „Entwicklungsstand“ – und ihr Weihnachtsfest – anbelangt. Was liegt also näher an Bethlehem? Berlin, Lima oder Capachica?

Hier geht’s weiter: Lima, 20. Dezember 2006

In der Hauptstadt Perus, der Stadt mit dem bei weitem größten Flughafen des Landes, findet sich in jedem Haus, ob arm oder reich, ein Fernseher. Einen Tag vor Weihnachten erwartet Lima das Weihnachtsfest im Kaufrausch. In den Straßen drängen sich die Menschen. Die großen Einkaufszentren machen Rekordumsätze mit den letzten Weihnachtseinkäufen.

Die Temperatur beträgt an diesem Tag über 27 Grad, gekühlte Getränke und Eis werden an jeder Straßenecke angeboten. Die dekorierten Schaufenster der Geschäfte erwecken den Eindruck, dass ein rauer Winter vor der Tür steht, Kunstschnee wohin man sieht. Hochgewachsene Weihnachtsbäume – natürlich aus Plastik – viele von ihnen ebenfalls mit Schnee bestreut, erfreuen die Käuferschar. Plüsch-Schneemänner, die niemals schmelzen, werben in den Straßen Limas. Daneben junge und alte Menschen in Weihnachtsmann-Kostümen. In ihrer warmen Verkleidung, mit Rauschebart und schweren Stiefeln, können einem die schwitzenden Konsum-Nikoläuse wirklich Leid tun. Ich frage mich, braucht der Weihnachtsmann in Peru nicht vielleicht eine kurze Hose?

Weihnachten wird in Lima inzwischen wie in Nordamerika und vielerorts in Europa begangen. Jede Familie hat ihre eigene Weihnachtsdekoration. Die Geschenke bringt pünktlich zum Fest der Weihnachtsmann und legt sie unter den schön geschmückten Baum. Nur wissen die Menschen in Lima, welche Bedeutung der Weihnachtsbaum eigentlich für das frohe Fest hat? Warum zeigt der überall erhältliche Weihnachtschmuck Motive des Winters, obwohl doch das Jesuskind überhaupt nicht im Winter geboren wurde?

Ich frage die 84jährige Señora Edita wie sie Weihnachten als Kind erlebt hat. Sie berichtet mir, dass zu dieser Zeit in Lima weder der Weihnachtsmann noch der Weihnachtsbaum Teil des Festes war. In den Häusern der Menschen roch es damals nach Weihrauch und die Kinder freuten sich auf die Hirten, die singend von Haus zu Haus gingen und Süßigkeiten verteilten.

Mit der Ankunft der Immigranten nach dem zweiten Weltkrieg und der ersten Weihnachtfilme europäischer und nordamerikanischer Produktion verwandelte sich das Weihnachten der Limeños und wurde über die Jahrzehnte zu dem, was ich heute in der Hauptstadt beobachten kann.

Aber werfen wir einen Blick in einen anderen Teil Perus, in eine Region ohne Anschluss an das Stromnetz, ohne moderne Infrastruktur.

Capachica, 23.Dezember 2006

Auf der Halbinsel Capachica, idyllisch am Titicacasee gelegen, vergeht der 23. Dezember wie jeder andere Tag auch. Die Menschen arbeiten auf ihren Feldern und kümmern sich um Kühe und Esel. Weihnachtliches Chaos suche ich vergeblich, von Weihnachtstress keine Spur. In dem kleinen Dorfladen fehlen die Weihnachtsangebote aus Lima.

Um zu erfahren, was hier Weihnachten für die Menschen bedeutet spreche ich mit Inocencio. Der 24jährige Katholik und dreifache Vater führt mich in sein einfaches Haus aus Lehm. Auch hier keine Spur von Weihnachten zu entdecken. Er berichtet mir, dass er und seine Nachbarn zwar wüssten, dass am 24. Dezember in der Welt Weihnachten gefeiert wird, für ihn und die anderen Dorfbewohner hätte dieses Fest aber nur wenig Bedeutsames. Er erlebt diesen Tag wie jeden anderen auch, erzählt er mir. Niemand würde auf die Idee kommen, sein Haus mit buntem Weihnachtschmuck zu verzieren. Der Weihnachtsmann ist Inocencio ebenso fremd wie das Aufstellen eines Baumes in seinem Wohnzimmer.

Die moderne Metropole Lima erweckt den Eindruck, dass es ein Weihnachten ohne Geschenke nicht geben kann. Hier am Titicacasee, ruhig gelegen weit ab der Konsumtempel, erzählen die Menschen ihre eigene Version der Weihnachtsgeschichte. Für sie hat diese nichts mit Geschenkbergen zu tun. In die meisten Dörfer der peruanischen Anden ist die heilige Konsumbotschaft noch nicht vorgedrungen.

Inocencio zeigt mir dagegen voller Stolz seine Errungenschaften für das Fest der Jungfrau der Candelaria. Die heilige Jungfrau wird während der Regenzeit gefeiert um im neuen Jahr die Menschen mit fruchtbaren Böden zu segnen. Für das dreitägige Fest hat sich Inocencio extra ein traditionelles Kostüm anfertigen lassen.

Wer über diese offensichtlich „heidnische“ Tradition lächelt, sollte sich überlegen, wieviel Schnee und Tannenbäume es wohl in Bethlehem gegeben haben mag. Denn wenn ich es mir recht überlege: Ein Baby zwischen Ochs und Esel auf Stroh gebettet kann ich mir hier in den Lehmhütten am Titicacasee viel besser vorstellen als unter den kunstbeschneiten Weihnachtsbäumen Limas.

Ich verspreche mir selbst, daran zu denken, bevor ich das nächste Mal im Weihnachtstaumel meine Kreditkarte zücke oder mir Weihnachtsglitzer im Fernsehen vermeintliche Weihnachtsstimmung vorgaukelt…

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