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Von drei auf acht Millionen in einer Generation

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Von den Höhen des Monserrate, dem Hausberg Bogotas, lässt sich die Größe dieser Metropole fast erfassen. „Knapp 8 Millionen Einwohner“ erzählt dann der Führer seinen beeindruckten Gästen und ihre Blicke sagen es: „Wow, das ist riesig!“. So ist es: die Hochebene ist ca. 50 km lang (Süd-Nord) und 40 km breit (Ost-West).

Auch hier oben, dreihundert Meter über der Stadt, ist ihr Pulsschlag deutlich hörbar: anfahrende Fahrzeuge, Autohupen und Brems-Geräusche. An Wochentagen trübt ab 9 Uhr morgens eine Smog-Glocke die Sicht – die Umweltsünden einer Millionenstadt. Unten erleidet die Stadt fast wieder einen Verkehrs-Infarkt. Menschen, Pferde-Fuhrwerke, Autos, klapprige Busse, wendige Motorräder – sie sind die Zutaten für den „Alltag-im-Gewühl-a-la-bogotana“.

Noch vor zehn Jahren waren das die Zutaten, derenwegen Bogota für mich ein Gräuel war. Zugegeben, ich bin kein Stadtmensch und so hatte Bogota auch keine echte Chance auf meine Gunst. Aber eine Stadt die so schnell wächst kann doch keinen Spaß machen, oder? Heute bin ich immer noch kein Stadtmensch, aber froh in Bogota zu wohnen. Woher dieser Sinneswandel?

Hier geht es weiter:

Die Antwort liegt in dem Satz: Bogotá sin indiferencia! oder frei übersetzt: Bogota geht Dich an! Dies ist der Slogan der derzeitigen Administration und setzt eine Kampagne fort, die vor 12 Jahren von der damaligen Stadtverwaltung gestartet wurde. Ziel war es, die Bewohner dieser Metropole für ihre Stadt zu begeistern. Die meisten Bewohner Bogotas waren Zugereiste und fühlten sich hier nicht zu Hause. Den Menschen schien es egal zu sein, ob die Stadt an ihrem Wachstum erstickt, sie den Verkehrs-Infarkt erleidet, es kein einheitliches Stadtbild gibt oder der Müll die Gehwege versperrt!

Die folgenden Zahlen sollen das gewaltige Wachstum dieser Stadt in den letzten sechsundfünfzig Jahren verdeutlichen:

1951 – 831.799 Einwohner

1965 – 1.877.972 Einwohner

1975 – 2.769.205 Einwohner

1985 – 3.922.205 Einwohner

1995 – 5.596.626 Einwohner

2005 – 7.881.156 Einwohner

Im Zeitraum einer Generation, von 1975 bis heute hat sich die Einwohnerzahl Bogotas fast verdreifacht.

Soweit die Zahlen.

Dahinter versteckt sich die faszinierende Geschichte einer ausufernden Stadt, geprägt durch die Vielfalt der Biografien ihrer Menschen, dem zum Teil chaotischen Wachstum und der damit einhergehenden Umwelt-, Sozial- und Gesellschaftsproblematik. Mehr oder weniger ungeschminkt zeigen uns die einzelnen Stadtviertel diese Geschichte und eine Fahrt durch Bogota ist immer Einblick in eine sich ständig neu definierende Stadt.

Eines dieser Viertel ist sicherlich Ciudad Bolivar. Eine Million Menschen leben in dieser Gemeinde Bogotas. „Ciudad Bolivar“ nach dem großen Befreier Südamerikas und vor allem nach dessen unbezwingbaren Willen.

Ciudad Bolivar – eine Gemeinde die in den offiziellen Bebauungsplänen so nie vorgesehen war. In den späten siebziger Jahren entstanden hier die ersten Viertel. Menschen die vom Land kamen um in der Stadt Arbeit und Wohlstand zu suchen. Menschen die gerade in den neunziger Jahren als Inlands-Vertriebene vor linken Guerillas und rechten Paras aus ihren kleinen Häusern und Gemeinden in den entlegenen Orten des Landes flohen. Die Landflucht war und ist immer noch der Hauptgrund für das rasende Wachstum der Städte. Die Neu-Ankömmlinge nahmen sich über Nacht kleine Parzellen an den kargen Osthängen um Bogota und bauten sich aus Kartons und Wellblech einen Wetterschutz, der dann in den nächsten Tagen von der Polizei niedergerissen wurde. Unbeirrt bauten die Menschen sie wieder auf, pflichtbewusst rissen die Polizisten sie wieder ein. Dies ging so lange, bis die Menschen sich aus Ziegelsteinen feste Behausungen bauten. Woher die Ziegelsteine kamen? Besser nicht fragen.

Miriam, eine der Kommunalführerinnen in Manitas, einem Viertel Cuidad Bolivars, erzählt: „Die Bürgermeisterei versprach über Jahre Licht, aber es geschah nichts. Irgendwann organisierten wir uns, fuhren nachts in die Stadt, nahmen einen Lichtmast mit und setzten den in unsere Straße. Natürlich hatten wir keinen Strom und der Mast war eigentlich nutzlos. Als die Polizei dann kam, wusste keiner woher der Mast war und alle behaupteten, es sei wohl der uns von der Stadt zugesagte. Die Polizei nahm den Mast mit, Tags darauf stand ein neuer an der gleichen Stelle. Die Polizei kam wieder und wir dankten ihnen, dass die Stadt uns wohl erneut einen schönen Lichtmast über Nacht hingestellt hatte. Leider habe es für den Strom wohl nicht gereicht.“ Miriams schelmisches Grinsen läßt mich spüren, wieviel Spaß ihr dieser Schabernack mit der Bürgermeisterei auch heute noch macht.

Irgendwann hatten sie ihr Licht und genau so haben sie sich die Kanalisation, die Straßen und die Müllabfuhr erkämpft. Ihre Beharrlichkeit siegte über den Amtsschimmel und machte der Stadt klar, dass diese Viertel eine Tatsache und fester Bestandteil der Stadt sind; dass diese Menschen in das Wachstum der Stadt einbezogen werden müssen. Die große Zahl der Zuwanderer stellt jede Stadtplanung vor enorme Herausforderungen. Aber sie zu ignorieren verschärft die Probleme nur um so mehr.

Der Name „Ciudad Bolivar“ wurde geboren, voller Respekt vor der Willenskraft der dortigen Bewohner. Wenn wir heute mit unseren viYoung- und viActive-Gruppen durch Manitas gehen, können wir nicht anders als diese Menschen und ihre Willenskraft bewundern und den Hut zu ziehen, vor dem was sie erreicht haben. Sie leben dieses: Bogota geht mich an.

Die Probleme Bogotas sind immer noch groß. Aber mittlerweile ist eine Generation heran gewachsen, die, anders als ihre zugereisten Eltern, sagt: „Dies ist meine Stadt!“ Sie identifiziert sich mit Bogota und sucht nach langfristigen, gemeinsam getragenen Lösungen. Viele davon erleichtern uns Bogotanern bereits den Alltag und haben darüber hinaus die Stadt auch richtig attraktiv gemacht.

Mein persönlicher Liebling unter den vielen Kampagnen ist die „Ciclovia“. Ciclovia heißt, dass jeden Sonntag zahlreiche Straßen oder Fahrspuren, auch Hauptverkehrsstraßen, für den Autoverkehr gesperrt werden. Dieses sportliche Volksfest zu genießen und ohne Zeitdruck die vielen Reize dieser Stadt zu entdecken, machen mich, der ich eigentlich kein Stadtmensch bin, zum begeisterten Bogotano.

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