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Zeit ist Geld – eine venezolanische Direktübersetzung

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Zeit ist Geld!? Heute habe ich aber weder Zeit noch Geld – eins von beidem kann ich ja schnell ändern! Schnell? Mal sehen, was die Mittagspause hergibt… Puh, noch einmal tief durchatmen, Sonnenbrille abnehmen und in der Tasche verstauen, Handy ausstellen und dann Schritt für Schritt die Treppe hochgehen. Und schon stehe ich vor der gläsernen Tür, die sich nicht bewegen lässt. Drinnen eine Menge Menschen, sie schauen mich an, weil mein Türrütteln ein nicht überhörbares Geräusch hinterlässt. Souverän bleiben, ein wenig hin und her schaukeln, damit mich der Wächter sieht… DA, da ist es, das Gesumme, das mir den Weg in die klimatisierte Geldkammer ebnet. Banken nennen sie sich hier auch, das ist es dann aber auch bereits alles mit den Gemeinsamkeiten! Ach nein, Schalter haben sie auch, meist sogar viele, auch wenn die wenigsten davon besetzt sind. Und die Angestellten sitzen hinter Glasscheiben.

Ich lasse die Tür ins Schloss fallen und bahne mir den Weg zu einem Mann, der mit Mütze vor einem kleinen Apparat sitzt. „Epa pana, todo bien? Que necesitas?“ Hm, nicht dass mich informelle Begrüßungen noch überraschen, aber bei dem „Hey Kumpel, alles klar? Was brauchst du?“ in der Bank stutze ich doch ein wenig. Geld, was will ich wohl? Nun muss ich mich noch entscheiden, ob ich ein Konto habe oder einen Scheck einlösen will, Scheckhefte abholen oder etwas einzahlen möchte. Nach Klärung aller Fragen drückt mein Kumpel auf einen der sechs Knöpfe des kleinen Apparats und ein Zettel kommt hervor: Meine Wartenummer! Nagut, dann stelle ich mich mal an…

Hier geht es weiter:

Ich suche mir einen Platz neben einem Treppengeländer, wo ich am wenigsten im Weg zu stehen glaube. Ok, 27 Nummern „nur“ vor mir. Ich scheine Glück zu haben, denn die Anzahl der Menschen um mich herum ist mindestens zweieinhalb mal so hoch! So, und was macht man nun? SMS schreiben ist verboten, jedes Handy wird tatsächlich böse beäugt, auch wenn sonst überall im Land telefoniert werden darf… Ein Buch habe ich nicht dabei, ich wollte ja nur mal eben zur Bank in der Mittagspause. Ok, dann schaue ich mal auf die Anzeigetafeln und gucke, wie schnell es geht! Ich beobachte also die fünf nächsten Nummern, die gezeigt werden, um mir dann mithilfe des nützlichen Dreisatzes meine wahrscheinliche Wartezeit zu errechnen. Nix da, von den fünf Nummern sind nur zwei fortlaufend, die anderen drei haben entweder einen anderen Buchstaben davor oder befinden sich in ganz anderen Dimensionen. Aha, mein pana am Maschinchen teilt uns alle in verschiedene Klassen ein – ts, und sowas nennt sich Sozialismus!

Mal schauen, was die anderen so machen, um sich die Zeit zu vertreiben. Zeitung lesen, Nickerchen machen… Schlafen könnte ich bei diesem Lärm nicht. Lärm? Achso, die Menschen unterhalten sich hier! Kennen die sich alle? Unwahrscheinlich so ein kollektiver Bankgang.

„Hola mi amor, quieres un cafecito?“ – erst das landestypische Zischen (kssss ksss) lässt mich nach links schauen. Eine venezolanische Schönheit von etwa 1,55 Meter hält mir ein Tablett unter die Nase mit Plastikbecherchen! Hat sie mich gerade „mi amor“ genannt? Mein Schweigen lässt mich nicht souveräner wirken, deswegen krieg ich in einem geistesgegenwärtigen Augenblick noch ein „si, gracias, muy amable“ heraus. Wow, was für ein Lächeln! War mein „muy amable“ (sehr freundlich) wieder zu freundlich? Quatsch, das Lächeln ist einfach normal! Ich schaue hinterher, wie der nächste seinen Kaffee ergreift… „Es buena, no?“ Wieder von links. Was? Ein frech grinsender Mittvierziger zeigt mit seinem Mund (!!) in Richtung Kaffeetablett. Ich schaue auch. „No te gusta?“ (Gefällt sie dir nicht?) Wieder meine Nachdenksekunde… „Puessss si“ (Doch, klar). Und schon werde ich rot. Fragt mich tatsächlich der fremde, kaffeetrinkende Mann neben mir, ob ich diese Frau toll finde? Also ja, das tut er… Aber… Er lacht schon wieder. „Mira hermano, si te gusta entonces diselo!“ (Hör mal Bruder, wenn sie dir gefällt, sag es ihr gefälligst!). Hilfe, ich bin doch in der BANK! Ich stürze den Kaffee runter, um mich souverän aus der Affäre zu ziehen und mich auf die Suche nach einem Mülleimer für den Plastikbecher zu begeben!

Puh, Mülleimer gefunden! Und was sehe ich? Eine Zeitung! Her damit! Meine Rettung für mein souveränes Auftreten! Dass sie aus dem Mülleimer ist, hat ja keiner gesehen! Ich gehe also zu einem Stehtresen mit Blick auf die Anzeigetafeln und fange an zu lesen. Nicht lange, und schon steht eine ältere Dame neben mir, die scheinbar einen der Artikel interessant findet. Den Titel hat sie richtig und schön laut vorgelesen, beim Untertitel hakte es langsam, aber beim „Kleingedruckten“ hört der Spaß auf. Nagut, ich habe ein großes Herz für Menschen, die ihre Brille nicht zur Hand haben, und fange an, den Artikel vorzulesen. Geht in dem Lärm ja eh unter. „De donde eres, mi hijo?“ (Wo kommst du her, mein Sohn?). Na toll, mein Akzent verrät mich wieder und ich habe noch ein weiteres Familienmitglied gefunden! Nun ist alle Hoffnung auf ein „ich geh mal eben zur Bank und löse den Scheck ein“ verloren! Ich werde also in ein Gespräch über Venezuela und seine Schönheiten verwickelt, nach ein paar weiteren Sätzen stoßen die nächsten Wartenden zu unserem Gespräch.

„F ochenta y cuaaaaaaatroo“ DAS BIN ICH! DAS IST MEINE NUMMER! Gesehen habe ich sie nicht, aber gehört! Deutlich! Höflich, aber bestimmt gehe ich auf den Schalter zu, reiche Scheck und Ausweis durch den schmalen Schlitz. Ein prüfender Blick. „Robin?“ – „Si, asi me llamo!“ (Ja, so heiße ich). Meinen Fingerabdruck möchte sie auch noch haben – ich bin inzwischen, nach 51 Minuten, zu fast allem bereit! Also Daumen in die Tinte und ab auf den Scheck. „Mira por aqui!“ (Schau hierher!). Ein silberner Kasten mit einem Aufsatz wie ein Türspion und einer kleinen Kurbel an der Seite. Sie dreht diese und es rattert ein wenig. „Ich muss bei dem Betrag den Scheckaussteller anrufen und fragen, ob das seine Richtigkeit hat!“ Ok. Tu, was du nicht lassen kannst, denke ich mir. „Nimm nochmal Platz, ich rufe dich dann gleich auf!“ NEEEEIIIINNN! Ein leidender Blick, aber keine Chance, sie ist schon unterwegs zum Telefon. Ich drehe mich um und gehe zurück in die wartende Menge. Da ist es ja auch schon wieder, das kleine Grüppchen, dem ich eben von meinem Leben und meinen Motiven in Venezuela zu sein berichtet habe. Sie lächeln. Nagut, ich gehe zurück.

„ROOOOBIN?“ DAS BIN ICH! DAS IST MEIN NAME! Nach weiteren Plauderminuten kann ich mich also wieder zum Schalter begeben. Ein gönnender Blick und die Info, sie könne mir das Geld nun auszahlen, es sei alles ok! JUHUU! Ich schaue auf die Uhr: Eine Stunde und elf Minuten sind vergangen, seitdem ich diese BANK betreten habe. Die Bankangestellte zählt das Geld, ich baue mich angesichts der Summe vor dem Fensterchen auf. „Tienes planilla de deposito?“ (Hast du ein Überweisungsformular?) – Dieser Satz wurde schon fast IN meinem Ohr gesagt, so kommt es mir jedenfalls vor, als ich meinen Kopf zur Seite drehe und dem jungen Mann ins Gesicht schaue, der wohl offensichtlich Urheber dieser Worte war. Meine Bankfee hält in der einen Hand meine Scheine, mit der anderen reicht sie meinem Schultergeist die Formulare… Er verschwindet. Hm, die Bedeutung der gelben Wartelinie scheint auch flexibel zu sein… Und da ist es soweit: Die Geldscheine wechseln die Seite, ich berühre sie, ich öffne meine Tasche, lasse das Geld hineinfallen, denke schon wieder ans Büro und die Arbeit und… DA, da ist es… aus MEINEM Munde!? „Gracias, mi amor!“

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2 Antworten auf “Zeit ist Geld – eine venezolanische Direktübersetzung”

  1. K. Friedrich sagt:

    Hat mir gur gefallen. Kenne Venezuela etwas, ist wirklich aus dem Leben gegriffen. Toll auch die spanischen Redewendungen, man kann seine Kenntnisse immer wieder auffrischen. Wie wäre es überhaupt mit einem (humorvollen) Sprachkurs, in den immer wieder Wissenswertes über Land und Leute „eingebaut“ werden? Wenn interessiert – würde mich über Antwort freuen! Bitte macht weiter so – und ein hola aus dem verregneten Tölzer Land (da, wo der Bulle haust!) von Knut Friedrich

  2. Andres Bernado Rohde sagt:

    Art.“Zeit ist Geld“

    Nachdem ich 17 jahre in Venezuela gelebt habe, kann ich nur folgendes zu dem Artikel sagen : Asi es !!!
    Genau so ist es, das Leben in Venezuela !!

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Der Autor:

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