Südamerika Reisen mit viventura
030 6167558-0

wochentags 9-22 Uhr
Sprechen Sie mit einem Spezialisten

Kolumbien: Aller Träume Ende?

0 Flares 0 Flares ×

Rafael und ich sitzen vor seinem Haus. Wir trinken „cerveza“, essen ein Art Bierwurst und eines der typischen, süßlich schmeckenden Brötchen dazu und beobachten die Wolken. Wird es regnen? Hier in Manitas, am südlichen Ende Bogotas regnet es sehr selten. Oft sitzt du hier im Sonnenschein und kannst zusehen, wie dunkle Regenwolken das Zentrum der Stadt bedecken und sich irgendwann einmal abregnen. Aber heute hängen die Wolken tief und auch Rafael ist sich nicht sicher ob es trocken bleibt. Da bleiben wir zur Vorsicht doch lieber in der Nähe seines Hauses und nutzen die Zeit um über Wetter, Gott und die Welt zu reden.

Rafael ist fast 70 Jahre alt und lebt seit 20 Jahren in Manitas. Er gehört somit zu den Gründern dieses Viertels. Gemeinsam mit seiner Partnerin, Carmen, besitzen sie ein kleines Haus, gerade einen Katzensprung entfernt von dem kleinen Restaurant, welches Carmen betreibt. Das Restaurant serviert u.a. Mittagessen an die Bewohner des Viertels, die dafür eine Unterstützung der Stadt erhalten. Dieses Restaurant und die lange Zeit in dem Viertel machen Rafael und Carmen zu Prominenten und so werden sie auch immer mit Respekt „Don Rafael“ und „Doña Carmen“ genannt, auch von mir.

Don Rafael und Doña Carmen gehören zur großen Zahl älterer Menschen in Kolumbien, die trotz harter Arbeit über keine Rente und Altersschutz vefügen. Zwar müssen heute in Kolumbien Arbeitgeber und –nehmer zur Rentenkasse einzahlen, aber als Rafael und Carmen jung waren, war ein Altersschutz für Arbeiter so gut wie unbekannt. Sie sind ohne ausreichende Vorsorge alt geworden und müssen von kleinen Wohlfahrtsprogrammen der Stadt leben. Über die Rechte, die sie haben, sind sie schlecht oder gar nicht infomiert. Aber Armut ist nicht ihre Hauptsorge.

Rafael kam zum ersten Mal vor über 50 Jahren nach Bogota. Während seines Wehrdienstes wurde Rafael hierher verlegt. Es war die große Welt für ihn und so wollte er nach Beendigung seines Wehrdienstes nicht mehr in sein kleines, abgelegenes Dorf. Freunde erzähltem ihn, dass mit Goldwaschen im Cauca-Fluß viel Geld zu verdienen sei. Also machte sich Rafael auf den Weg um sich im Westen Kolumbiens eine Zukunft aufzubauen. Aber dieser Traum erfüllte sich nicht und Rafael erlebte zum ersten Mal, wie Gold und Geld die Menschen verändern; Misstrauen und Neid zwischen Freunden säen. Goldwaschen war nicht seine Welt und so nahm er das Angebot eines Rinderzüchters gerne an, um auf seiner abgelegenen Finca zu arbeiten.

Um dort hin zugelangen, hieß es vom nächsten Ort einen beschwerlichen Tagesritt auf sich zu nehmen oder mittels einer Seilwinde die hohe Schlucht zwischen der Finca und dem Ort zu überwinden. Eigentlich wollte Rafael die Abgeschiedenheit ja hinter sich lassen, aber es bedurfte Bildung und Geld um in einer Stadt „mit leben“ zu können.

Wegen seines Fleißes und seiner Kamaradschaft wurde Rafael schnell gemocht. Sein Chef vertraute ihm die Finca an, wenn er mal verreiste und seine Kollegen luden ihn – den Auswärtigen – oft zu sich nach Hause ein. Rafael arbeitete fast 7 Jahre dort und konnte in dieser Zeit auch etwas Geld sparen. Damit wollte er in Bogota ein Geschäft eröffnen, es fehlte ihm nicht mehr sehr viel dazu, vielleicht noch zwei oder zwei einhalb Jahre Arbeit.

Eines Tages begleitete er die Söhne seines Chefs in das Dorf auf eine Feier. Sein Chef hatte ihm immer abgeraten mit ihnen (den Söhnen) auszugehen, weil diese sehr streitsüchtig waren. Sie waren bekannt dafür, sich zu betrinken und Schlägereien zu beginnen. Aber dieses Mal fand Rafael keine gute Ausrede um die Einladung auszuschlagen und ging mit. Die Söhne wurden ihrem Ruf wieder einmal gerecht. Rafael erinnert sich, dass er schon Schlafen gegangen war, als einer der Söhne in sein Zimmer gerannt kam und ihn mit dem Ruf: „Weg, wir müssen weg!“ aus dem Schlaf riss. Doch aus dem Haus kamen sie nicht mehr, draußen warteten die „Anderen“ und stürmten es.

Der lange Ritt nach Hause liess Rafael jeden blauen Flecken und die gebrochene Rippe spüren. Er schätzte sich glücklich nicht schlimm verletzt worden zu sein, aber er wusste nun, dass er in dem Ort immer als Begleiter der beiden Brüder galt und damit nicht sicher vor Überfällen war. Also verließ Rafael die Finca und kehrte nach Bogota zurück.

Er ließ sich in Manitas nieder, ein Viertel das damals gerade entstand. Menschen, die auf der Suche nach Arbeit waren und in den etablierten Vierteln der Stadt keine Unterkunft fanden, besetzten die Hänge am südlichen Ende Bogotas und besiedelten sie nach und nach.

Die beginnenden Kämpfe zwischen den Drogenbanden, zu denen sich auch irgend einmal die Guerillas und die Para-Militärs gesellten, vertrieben viele Menschen vom Land in die Städte, speziell nach Bogota. Hier ließen sie sich ebenfalls in den neuen Vierteln wie Manitas nieder.

Rafael eröffnete seinen Laden in Manitas, erfüllte sich somit seinen Traum. Der Laden gab ihm genug zum Leben aber mehr auch nicht. Als in den späten 90er Jahren die FARC-Guerillas viele der wichtigen Überlandstraßen unsicher machten, litt auch Rafael darunter. Wie viele Klein-Unternehmer seiner Zeit, erhielt sein Laden kaum noch frische Ware aus dem Land, die Kunden blieben immer öfters weg und eines Tages musste Rafael seinen Laden schließen. Der Traum ging auch dieses Mal nicht glücklich aus.

Mit Carmen lebt er heute von dem bisschen Unterstützung, die sie von der Stadt erhalten, von dem Restaurant und von dem, was seine Söhne ihm geben können.

Das Bier ist alle, es hat nicht geregnet. Rafael und ich sitzen immer noch vor dem Haus und schauen den Wolken zu, wie sie sich über dem Zentrum entladen. Ich sage Rafael, dass ich ihn sehr bewundere, denn er ist kein verbitterter Mensch, obwohl er Grund dafür haben könnte. Rafael sagt mir, dass es ihm nichts bringt mit dem Schicksal zu hadern, denn am Ende des Tages muss er seine Alltagspflichten trotzdem lösen, also löst er sie gleich. Und schlimmer als wenig zu besitzen sei für ihn das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Deswegen engagiert sich Rafael in der Gemeinde.

Für die Stiftung Éxito Verde sind Rafael und Carmen wichtige Bezugspersonen im Viertel. Ihre regelmässige Teilnahme an den Veranstaltungen der Stiftung motivieren die Mitarbeiter der selbigen. Die Stiftung will älteren Menschen helfen, einen Sinn in ihrem Alltag zu finden, sie aktiv und beschäftigt halten, ihnen Hilfe in rechtlichen wie auch in Sachen der Gesundheitspflege und Ernährung geben. So finden alle 14 Tage Schulungen zu stand, die von den älteren Bewohnern Manitas gerne besucht werden. Immer dabei: Rafael und Carmen.

Ebenso erfreuen sich die Ausflüge oder spezielle Ereignisse wie Schönheitstage für Frauen großer Beliebtheit.

Wer Éxito Verde dabei unterstützen möchte, alten Menschen in Manitas zu einem aktiven und erfüllten Alltag zu helfen, kann das Projekt hier (http://visozial.org/spenden) finanziell unterstützen.

Share Button

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare

Der Autor:

Folgen Sie uns!

Suche

Unsere bestbewertete Reise:

Kolumbien 2016

Tweets von @viventura_de

viExplorer

Kolumbien 2017

21 Tage, inkl. Flüge
Top-Highlights Kolumbiens
  • Cartagena: Koloniales Schmuckstück
  • Kaffeepflücken in der Kaffeezone
  • Popayan, Tatacoa Wüste & San Agustin
  • Traumstrände im Tayrona Nationalpark

ab 3099 EUR