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Treffen mit den Göttern im Altiplano Perus

24. Nov 2008Allgemein 5 Kommentare

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Als ich im September mein Praktikum hier in Puno am Titicacasee antrat, war mir schon bewusst, dass die Bevölkerung hier nahezu vollständig indigener Abstammung ist und deshalb einiges anders sein würde, als ich es kenne. Insbesondere von der Vermischung der Religionen hatte ich gehört.

So überraschte es mich nicht, als ich auf einem meiner ersten Streifzüge durch die Stadt entdeckte, dass das Kreuz an der Kathedrale an den Enden der Querstrebe Sonne und Mond trägt. Der Sonnengott Inti gilt als der Schöpfer der Inka. Etwas verwunderter war ich dann schon von der Vielzahl der Schamanenzelte, die sich vorzugsweise in der Nähe der Märkte befinden. Und jeder hat zu tun! Ein Schamane wird als Medizinmann und Zauberer angesehen, er gilt auch als Mittler zwischen den Welten. Zu seinen Aufgaben gehören u.a. Weissagung und Traumdeutung, Wettervorhersage (nicht zu unterschätzen!), die Abwehr böser Geister sowie Krankenheilung. Nicht alle, die ich auf der Strasse antreffe, besitzen jedoch die Qualifikation, die alten Rituale durchzuführen. Hierunter ist insbesondere die Huldigung an die Pachamama, die Mutter Erde, zu verstehen.

Kaum jemand hier wagt es, der Pachamama ihre Bezahlung („Pago a la Pachamama“) an ihrem Tag, dem 1. August eines jeden Jahres, zu verwehren. Aber auch an anderen Tagen kann ich ähnliche Rituale beobachten: Bei besonderen Wünschen wird ein entsprechend qualifizierter Schamane engagiert, der dann neben den Gaben die Wünsche an die Pachamama weitergibt. Diese Wünsche werden im Vorfeld aus Zuckerwerk nachgebildet (z.B. ein Auto, Kinder), dieses Zuckerwerkgebilde wird dann im Verlauf der Zeremonie verbrannt. Umfang und Form der Überreste geben Aufschluss, inwieweit die Wünsche in Erfüllung gehen werden. Der Gedanke an die Pachamama ist jedoch nicht auf besondere Tage oder Rituale beschränkt, sondern allgegenwärtig und das quer durch alle Generationen. So wird insbesondere bei privaten Feiern oftmals der erste Schluck aus einer Flasche auf den Boden gegossen, als Gabe an die Pachamama.

Neben der Pachamama spielen die Apus, die Berggötter eine große Rolle im alltäglichen Leben der Indigenas. Dies wird um so offensichtlicher, je weiter man aufs Land hinaus kommt. So würde kein Bauer auf Capachica (eine der beiden Halbinseln im Titicacasee, die die Bucht von Puno bilden) mit der Feldarbeit beginnen, ohne sich zuerst bei der Pachamama für die gleich zu erwartenden Verletzungen zu entschuldigen. Danach wählt er sorgfältig drei besonders schöne Coca-Blätter aus, die er in der Hand zerkleinert und dann in den Wind gibt – verbunden mit der Bitte an die Apus um eine gute Ernte.

Selbst auf Taquile, der Insel der strickenden Männer, stoße ich abseits der touristischen Darbietungen noch auf alte Bräuche. Wenn der Regen zu lang fern bleibt, fangen die Taquileños Frösche, an denen sie ziehen, bis sie quietschen. Dieses Quietschen soll die Apus dazu bewegen, den ersehnten Regen zu schicken. Den Fröschen passiert dabei letztendlich nichts, man sagt, dass routinierte Frösche schon zu quietschen beginnen, wenn sie hochgenommen werden 😉

Ein Höhepunkt im Jahr ist sicherlich die Feier der „Salida de Manco Cápac“, die Inszenierung der Ankunft der ersten Inka (Salida = Abreise, Ausreise „aus dem See“). Im Gegensatz zu vielen anderen Festivitäten wie der Stadtfeier oder Mariae Lichtmess („Virgen de la Candelaria“) wird dieses Ereignis nicht publiziert. Allein das zeigt schon die tiefe Bedeutung, die diese Veranstaltung für die indigene Bevölkerung hat. Und Hotelzimmer sind genauso rar wie zu Zeiten der „Virgen de la Candelaria“. Ironischerweise sind es die Uros, die Bewohner der schwimmenden Schilfinseln in der Bucht von Puno, die die „ersten Inka“ an Land bringen. Ironischerweise, da die Inka zu Lebzeiten die Uros nie haben besiegen können. Ein später Sieg ? Wie auch immer, der Anblick der in einer langen Reihe sich nähernden Schilfboote ist unvergesslich. An Land stoßen dann weitere „Inka-Gruppen“ hinzu, und der ganze Tross bewegt sich Richtung Stadion. Wer hier einen Platz bekommen will, muss schon Stunden vorher da sein – und verpasst die Ankunft im Hafen. Im Stadion kommt es dann nach verschiedenen Tänzen zum letzten Höhepunkt, dem Sacrificio (= Opfer) – der Pakt mit dem Sonnengott wird geschlossen. Hierzu wird ein Alpaca getötet, ihm das Herz herausgenommen und dem Sonnengott als Opfer dargeboten. Das Blut, das dabei fließt, geht natürlich auf die Erde, als Gabe an die Pachamama.

Und was hat dies alles bei mir ausgelöst? Zum einen, dass ich gelernt habe, Dinge einfach zu akzeptieren, sie nicht zu be- oder verurteilen, auch wenn ich sie nicht verstehen oder nachvollziehen kann wie beispielsweise das Alpaca-Opfer. Zum anderen bewegt mich die tiefe Verbundenheit mit der Pachamama, auch wenn sie – für mich – im krassen Widerspruch zum Müllverhalten der Peruaner steht, hier wird einfach alles auf die Strasse geworfen. Womit wir wieder bei meiner ersten „Erkenntnis“ wären …..

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5 Antworten auf “Treffen mit den Göttern im Altiplano Perus”

  1. Nicole sagt:

    Liebe Angelika,

    ich habe deinen Artikel mit großem Interesse gelesen. er ist dir super gelungen: spannend, lustig und regt zum Nachdenken an.

    Wirklich super!

    Liebe Grüße
    Nicole

  2. Alois Fischer sagt:

    Hallo! Ich bin auch einmal zufällig einem Ritual für Mutter Erde in Puno begegnet. Es war super interessant, ich habe selbst an diesem Ritual teilgenommen und war der einzige Tourist. Leider erinnere ich mich nicht mehr an den Tag. Ich habe mir keine Notizen gemacht. Man hat mir gesagt, es wäre das Neujahrsfest Andino und man wolle wieder die alten Fetse zurückholen. Vieleicht wisst ihr ja etwas davon ? Alois

  3. Angelika sagt:

    Hallo Nicole und Alois,

    vielen Dank fuer Euer Lob und Euer Interesse an meinem Artikel. Im andinen Kalender beginnt das neue Jahr am 21. Juni, d.h. Alois, Du muesstest um diese Zeit herum in Puno gewesen sein. Es stimmt, gerade hier im Altiplano bemueht man sich verstaerkt darum, die Traditionen zu bewahren bzw. wiederzuleben, wobei dies auf dem Land groesstenteils noch gegeben ist, hier hat Puno Nachholbedarf. Aber es holt kraeftig auf ….. Angelika

  4. Sabine Lipp sagt:

    Hallo Geli.
    Habe Deinen Artikel gelesen und fand ihn sehr gut und interessant.
    Die Verehrung der Pachamama sollten wir uns auch mal wieder zuwenden!
    Gruß.Bine

  5. Hans Schmidt sagt:

    Hallo Angelika,
    Ich habe den Text interessiert gelesen und denke auch nach, nach Peru für 1 Jahr zu gehen.
    Mich interessiert, was das für eine Goldene Scheibe ist. Wenn du was darüber weist, schreib mir bitte.
    Gruß Hans

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