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Ecuador: Ritt auf dem Amtslama

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Lamas_ecuIm letzten Monat hat Mathias aus Santiago sein Amtserlebnis in Bolivien vorgestellt. Nun ist Tom aus Quito an der Reihe, der uns seinen letzten skurrilen Behördengang schildert: Vor drei Monaten wurde unsere kleine Tochter geboren und ich damit zum strahlenden Vater, der überall voller Stolz sein kleines Glück vorstellt! Ich konnte es kaum erwarten meine Tochter im Gemeinderegister anzumelden. Es sollte ein erinnerungswürdiger Moment werden.

In meinen Träumen würde mir ein Beamter bewundernd auf die Schulter klopfen, eventuell gar eine Zigarre spendieren und mir Fotos seines Erben zeigen!

Doch der Traum bekam eine erste kleine Delle als wir bei der zuständigen Behörde erfuhren, dass Kinder ausländischer Eltern (ich) dort nicht eingetragen werden könnten. Nun gut, wir wurden mit einer feinen Liste auf den Weg geschickt, auf der wirklich alles erdenkliche stehen sollte um am nächsten Tag reibungslos meine Tochter eintragen zu lassen. So sah ich keinen Grund zur Unruhe und mich im Traum erst einen Tag später, aber immer noch mit dem lächelnden Beamten eine Zigarre rauchend und die Gratulationen zu meiner hübschen Tochter entgegen nehmend.

Am nächsten Tag fuhren wir strahlenden Eltern also nach Quito. Wir standen nur eine Stunde Schlange und erfuhren, dass der Vater, also ich, Ausländer sei und es daher unerlässlich sei, einen Auszug aller Ein- und Ausreisen nach und aus Ecuador vorzulegen um meine Tochter eintragen zu können. Verflixt, das stand nicht auf der feinen Liste!

Quito_2

Die nächsten Tagen und Wochen (ja, der versprochene Eintrag innerhalb eines Tages dauert nun schon Wochen) waren nicht nur ein Lauf durch die Ämter sondern auch eine Bewährungsprobe meiner Meditationskünste. Nicht nur, dass wir ganz Quito mehrmals in jede Himmelsrichtung durchquert haben, immer begleitet von einem beruhigenden: „Wenn Sie jenes Dokument haben, dann können wir morgen gleich den Eintrag ihrer Tochter vornehmen“. Wir wissen nun auch, wie man am besten Po und Beine belastet um die in der „Schlange-stehen-Marathons“ über Stunden in lockerer Körperhaltung zu überstehen.

Auch familiär gab es einige Veränderungen. Meine Frau ist nun mehr meine Ex, zumindest wenn es nach ihrem Ausweis geht. Gehen wird, muss ich korrekterweise sagen, denn noch ist der neue Ausweis nicht da, der den Familienstand meiner Frau mit ledig angibt. Die Angabe „Lebensgemeinschaft“, wie sie im alten Ausweis stand, sei nicht mehr zulässig. Ebenso kann ich berichten, dass meine (Ex-)Schwiegermutter nun nicht mehr Teresita, wie es in ihrer Geburtsurkunde stand, sondern dank beharrlicher Recherchearbeit der Ämter ( = 6 Stunden Fahrtzeiten, 8 Stunden Schlange stehen) zur erwachsenen Teresa geworden ist.

Da die Behörden sehr auf das Wohl ihrer Bürger achten, wurden wir nicht auf einmal, einem Schlag mit dem Hammer gleich, über alle notwendigen Dokumente, Stempel und Voraussetzungen informiert um unsere Tochter registrieren zu können. Nein, in homöopathischen Dosen bekamen wir bei jedem Gang zum Amt behutsam mitgeteilt, was noch alles zu tun sei. Sanft und immer mit der beruhigenden Zusage: „Wenn Sie dieses Dokument haben, dann können wir morgen gleich den Eintrag ihrer Tochter vornehmen!“

Meine Tochter ist immer noch nicht eingetragen, aber wir sind weiterhin sehr stolze Eltern, nun zusätzlich mit durchtrainierter Po-Beine-Muskulatur. Es besteht Anlass zur Hoffnung, dass der Eintrag in drei Stunden gemacht wird, sobald der neue Ausweis meiner (Ex-)Frau fertig ist. Ganz sicher steht jedoch, dass ich keine Zigarre mit dem Beamten rauchen werde, nicht mal als Friedenspfeife!

Haben Sie ähnlich haarsträubende Erlebnisse mit Ämtern gehabt? Hatten Sie gar schon Erfahrungen mit Ämtern in Südamerika? Wenn ja, wie würden Sie diese im Vergleich zu den deutschen sehen?

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9 Antworten auf “Ecuador: Ritt auf dem Amtslama”

  1. Kalle Gottschalk sagt:

    Hallo Tom, erstmal Glückwunsch zu eurer Tochter und alles Gute für die Zukunft. Amtsschimmel habe ich schon immer gehaßt. Ich versuche auch oft dagegen anzukämpfen, nur manchmal muß man die Verhältnisse so hinnehmen und sich leider schweren Herzens danach richten. Den dicken Hals wird man trotzdem nicht los.
    Ich habe schon den Eindruck, daß der deutsche Amtsschimmel nicht so schlimm ist wie in manch anderen Ländern. Vielleicht liegt es aber auch daran, weil man hier mit dem deutschen Behördenkrieg besser vertraut ist als mit den ausländischen. In meinem Job als Sozialarbeiter habe ich desöfteren mit ausländischen Botschaften zu tun. Selbst relativ kleine Behördengeschäfte wie Paßverlängerung können zu streßigen und überaus aufwendigen bürokratischen Hürden werden. So verlangen einige Botschaften persönliches Erscheinen und dulden keinen Abwicklung auf dem Postwege. Man bekommt auch oft den Eindruck eines absoluten Obrigkeitsdenken. Ein Umdenken zu kundenorientiertes Servicedenken für den Bürger scheint in diesen Amtsstuben noch völlig unbekannt zu sein. Im Gebührenkassieren sind sie dafür wahre Meister ihres Fachs. Solange solches Gebahren noch in der Tagesordnung ist, darf der Kampf gegen zu viel Bürokratie nicht aufhören.
    Grüsse nach Ecuador Kalle

  2. Frieder sagt:

    Lieber Tom,

    Ich selbst durfte auch einige Behördengänge in Ecuador tätigen, das ich für ein Jahr dort lebte. Ich hatte wohl etwas mehr Glück, denn meine Listen der benötigten Unterlagen waren jeweils immer vollständig.

    Im Vergleich zu dt. Behördengängen erlebe ich da kaum einen Unterschied. Monierte Schwierigkeiten werden mal gelassener und mal rüppiger aufgenommen, sowohl in Deutschand als auch in Ecuador.

    Ein anderer Eindruck war, der sicherlich nicht wissenschaftlich geprüft ist (!!!), dass ein hohes Maß an Bürokratie und weniger Gelassenheit mit Ausnahmen für Ecuador ein Import-Produkt ist, das als Teil eines erstrebenswerten Fortschritts gesehen wird, da alles so organisiert erscheine. Dieses Maß an Bürokratie geht in meinen Augen auch einher mit sozialer Kälte. Wer Hartz4-EmpfängerInnen kennt, wird Ähnliches schon gehört haben. Je stärker das Regelwerk des Apparats, desto eher lassen sich Emotionen abwiegeln.

    Dementsprechend ist sicherlich die Entwicklung von Bürokratie interessant in Ecuador, wo eine Mitte-Links-Regierung an sozialen Reformen im Zuge der „revolucion ciudadana“ arbeitet.

    Allerdings können diese Gedanken auch kritisch betrachtet werden, da sie in die klassische Kerbe schlagen: Deutschland die moderne Industrienation & Ecuador das gemütliche Land oder gar das Land mit Hang zum unüberschaubarem Bürokratiechaos und Korruption

  3. jj sagt:

    Hi Tom,
    ganz herzliche Gratulation und meine allerbesten Wuensche euch zusammen! Viele Gruesse, J.

  4. Tom sagt:

    Hola Kalle, Danke für die Glückwünsche! Behördengänge sind eigentlich immer sehr anstrengend in Ecuador. Ich habe noch nie erlebt, daß etwas so funktionierte wie angekündigt. Aber natürlich ist es hier für Ausländer auch nochmal schwieriger, was ich mir in Deutschland für Ausländer halt auch so vorstelle. Die wenigsten kennen halt die Situation wie es ist als Ausländer alle Amtsangelegenheiten zu erledigen. Es ist einfach anders. Auch dieses persönliche Erscheinen ist in Ecuador bei einigen Amtsvorgängen vorgesehen. Atemübungen sind da echt ne große Hilfe, weil ich will ja kein Magengeschwür bekommen 😉 Viele Grüsse nach Büren!

  5. Tom sagt:

    Hallo Frieder, schön, daß es scheinbar manchmal vorkommt, daß die Liste der benötigten Papiere vollständig sind. Das Glück hatte ich bisher noch nie, aber ich gebe die Hoffnung bestimmt nicht auf! Ich habe Ecuador bisher wesentlich Bürokratischer erlebt als Deutschland, aber ich musste mich hier auch mit einem anderen Status herumschlagen. Aber auch als Ecuadorianer ist es nicht einfach. Für fast alle Aktivitäten brauchst du den Nachweis, daß du bei der letzten Wahl teilgenommen hast, weil Wahlpflicht besteht. Falls du nicht wählen konntest musst du dir ein Papier besorgen, daß 34 USD kostet und bei Pech mit bis zu einer Stunde Wartezeit verbunden ist. Ich konnte bisher auch noch keine großen Veränderungen der Bürokratie feststellen. Reibungslos ging in den letzten 14 Jahren nie etwas, und dabei gab es bestimmt schon 5 verschiedene Regierungen. Aber wie gesagt, es ist kein Vergleich Deutschland – Ecuador, sondern einfach nur eine Episode, die ja vielleicht mit der Modernisierung zu tun hat und nach einer einmaligen Bereinigung und Korrektion aller Daten zu einer Verbesserung führen wird. Liebe Grüsse aus Quito

  6. Tom sagt:

    Hallo J.,

    Danke! Liebe Grüsse

  7. Kristina sagt:

    Hallo, auch von mir erst mal HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! Ich hatte erst kürzlich ziemliches Theater wegen meines Indien-Visums mit dem Konsulat. Ich hatte das eingereicht im Juni, will aber erst im Nov. fliegen. Nun hatten die Kanall auf Fall die Visa-Bestimmungen geändert. Nur noch mit Online-Formular, nur noch Passfotos nach US-am. Maßstab. Ein Theater und nat. erhöhte Kosten. Die Fotos haben p.P. 20 Euro gekostet. Ich hatte echt schon keinen Bock mehr, überhaupt nach Indien zu fahren!!! Jetzt haben wir die Visa, und mein Ärger ist verraucht, aber nervig war es trotzdem!

  8. Tom sagt:

    Hallo Kristina, Danke für die Glückwünsche! Da meine Frau Ecuadorianerin ist, weiss ich wie anstrengend diese ganzen Visum Prozesse sind. Leider dürfen Ecuadorianer glaub ich nur in Südamerika frei reisen, der Rest der Welt ist Visapflichtig. In England braucht es sogar zum Zwischenlanden ein Airport Transit Visum. Einfach nur um auf dem Flughafen zu sein. Das hat bei uns die Reisefreudigkeit durchaus etwas gehemmt, bzw. in andere Bahnen gelenkt. Weil irgendwie hab ich dann meistens das Gefühl nicht wirklich willkommen zu sein, wenn ich erst viele Visa Hürden überspringen muss. Da geb ich mein Geld doch lieber woanders aus.

  9. Yvonne sagt:

    Hi Tom,

    oje, wie vermisse ich diese Tramites 😉 Da muss ich schon sagen, dass wir bisher hier mit den deutschen Behörden und tramites für Ecuadorianer regelrecht Glück hatten. Zwar viel Papier, aber die Liste die einem überreicht wird ist immerhin komplett..

    Weiterhin viel Geduld..wir sollten mal ein Buch darüber schreiben…

    Viele Grüße
    Yvonne

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