Ecuador: Ritt auf dem Amtslama

Von viventura 03.10.11 00:15

Lamas_ecuIm letzten Monat hat Mathias aus Santiago sein Amtserlebnis in Bolivien vorgestellt. Nun ist Tom aus Quito an der Reihe, der uns seinen letzten skurrilen Behördengang schildert: Vor drei Monaten wurde unsere kleine Tochter geboren und ich damit zum strahlenden Vater, der überall voller Stolz sein kleines Glück vorstellt! Ich konnte es kaum erwarten meine Tochter im Gemeinderegister anzumelden. Es sollte ein erinnerungswürdiger Moment werden.

In meinen Träumen würde mir ein Beamter bewundernd auf die Schulter klopfen, eventuell gar eine Zigarre spendieren und mir Fotos seines Erben zeigen!

Doch der Traum bekam eine erste kleine Delle als wir bei der zuständigen Behörde erfuhren, dass Kinder ausländischer Eltern (ich) dort nicht eingetragen werden könnten. Nun gut, wir wurden mit einer feinen Liste auf den Weg geschickt, auf der wirklich alles erdenkliche stehen sollte um am nächsten Tag reibungslos meine Tochter eintragen zu lassen. So sah ich keinen Grund zur Unruhe und mich im Traum erst einen Tag später, aber immer noch mit dem lächelnden Beamten eine Zigarre rauchend und die Gratulationen zu meiner hübschen Tochter entgegen nehmend.

Am nächsten Tag fuhren wir strahlenden Eltern also nach Quito. Wir standen nur eine Stunde Schlange und erfuhren, dass der Vater, also ich, Ausländer sei und es daher unerlässlich sei, einen Auszug aller Ein- und Ausreisen nach und aus Ecuador vorzulegen um meine Tochter eintragen zu können. Verflixt, das stand nicht auf der feinen Liste!

Quito_2

Die nächsten Tagen und Wochen (ja, der versprochene Eintrag innerhalb eines Tages dauert nun schon Wochen) waren nicht nur ein Lauf durch die Ämter sondern auch eine Bewährungsprobe meiner Meditationskünste. Nicht nur, dass wir ganz Quito mehrmals in jede Himmelsrichtung durchquert haben, immer begleitet von einem beruhigenden: "Wenn Sie jenes Dokument haben, dann können wir morgen gleich den Eintrag ihrer Tochter vornehmen". Wir wissen nun auch, wie man am besten Po und Beine belastet um die in der "Schlange-stehen-Marathons" über Stunden in lockerer Körperhaltung zu überstehen.

Auch familiär gab es einige Veränderungen. Meine Frau ist nun mehr meine Ex, zumindest wenn es nach ihrem Ausweis geht. Gehen wird, muss ich korrekterweise sagen, denn noch ist der neue Ausweis nicht da, der den Familienstand meiner Frau mit ledig angibt. Die Angabe "Lebensgemeinschaft", wie sie im alten Ausweis stand, sei nicht mehr zulässig. Ebenso kann ich berichten, dass meine (Ex-)Schwiegermutter nun nicht mehr Teresita, wie es in ihrer Geburtsurkunde stand, sondern dank beharrlicher Recherchearbeit der Ämter ( = 6 Stunden Fahrtzeiten, 8 Stunden Schlange stehen) zur erwachsenen Teresa geworden ist.

Da die Behörden sehr auf das Wohl ihrer Bürger achten, wurden wir nicht auf einmal, einem Schlag mit dem Hammer gleich, über alle notwendigen Dokumente, Stempel und Voraussetzungen informiert um unsere Tochter registrieren zu können. Nein, in homöopathischen Dosen bekamen wir bei jedem Gang zum Amt behutsam mitgeteilt, was noch alles zu tun sei. Sanft und immer mit der beruhigenden Zusage: "Wenn Sie dieses Dokument haben, dann können wir morgen gleich den Eintrag ihrer Tochter vornehmen!"

Meine Tochter ist immer noch nicht eingetragen, aber wir sind weiterhin sehr stolze Eltern, nun zusätzlich mit durchtrainierter Po-Beine-Muskulatur. Es besteht Anlass zur Hoffnung, dass der Eintrag in drei Stunden gemacht wird, sobald der neue Ausweis meiner (Ex-)Frau fertig ist. Ganz sicher steht jedoch, dass ich keine Zigarre mit dem Beamten rauchen werde, nicht mal als Friedenspfeife!

Haben Sie ähnlich haarsträubende Erlebnisse mit Ämtern gehabt? Hatten Sie gar schon Erfahrungen mit Ämtern in Südamerika? Wenn ja, wie würden Sie diese im Vergleich zu den deutschen sehen?

Tags: Quito, Kurioses

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