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Bildung am Titicacasee

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Peru hat in ganz Südamerika die höchste Analphabetenrate. 4,5% der Männer und 15% der Frauen auf dem Land können weder lesen noch schreiben. Obwohl in ganz Peru Schulpflicht herrscht, gehen 15% der Kinder auf dem Land nicht zur Schule. Aber warum ist das so? Liegt es an den Lehrern, am Staat, an der Armut oder an den verschiedenen Sprachen im Land?

Im Rahmen der Schulkampagne am Titicacasee von viSozial e.V., die ich im April durch die Spendengelder der Paten organisieren durfte, habe ich die Sache einmal analysiert.

Was verdient ein Lehrer durchschnittlich in Peru?

Das staatliche Lehramt gehört mit zu den am schlechtesten bezahlten Berufen im Land. Ein Lehrer an einer staatlichen Schule bekommt durchschnittlich 400 Soles im Monat. Das sind umgerechnet etwa 100 Euro, nicht wesentlich mehr als der Mindestlohn in Peru. Natürlich kann er von seinem Lohn keine Familie ernähren, deshalb muss er sich einen Nebenjob suchen. Darunter leidet wiederum die Unterrichtsvorbereitung, ihre Motivation und ihr Engagement. Die Lehrer kommen oft zu spät oder lassen den Unterricht ausfallen. Die jährliche Unterrichtszeit beträgt durchschnittlich nur etwa 226 Stunden. Der Schuldirektor eines unserer Projekte hatte mich gefragt, ob unser Volontär seinen Englischunterricht übernehmen könnte. Auf meine Frage, was er dann währenddessen machen würde, bekam ich keine Antwort.

Warum gehen die Kinder nicht zur Schule?

Auf dem Land haben die Kinder meist einen langen Schulweg. Ich habe Kinder kennengelernt, die fast 2 Stunden zur Schule laufen. Die ländliche Bevölkerung ernährt sich meist nur von Kartoffeln und anderen Knollengewächsen. Den Kindern fehlt es vor allem an Vitaminen und Proteinen. Das schränkt wiederum die Konzentrationsfähigkeit der Kinder ein. Sie sind unkonzentriert und unmotiviert. Wenn ich die Schulen auf Capachica besuche, kommt es mir vor, als wäre ständig Pause. Die Kinder verlassen mitten im Unterricht den Raum, die Tür zum Klassenzimmer ist immer geöffnet, die Kinder laufen im Klassenzimmer herum, verlassen das Schulgelände. Hinzu kommt, dass manche Eltern selber nicht viel Wert auf Bildung legen und die Kinder arbeiten lassen, statt sie zur Schule zu schicken. Die Muttersprache vieler Kinder ist Quechua, Schulsprache ist jedoch Spanisch. Mir fällt es oft schwer die Kinder zu verstehen, da sie sich halb auf Spanisch hab auf Quechua unterhalten.

Was tut der Staat?

Der Staat gibt nur etwa 2% seines BIP für Bildung aus. Der europäische Durchschnitt liegt zum Vergleich bei 5%. Staatliche Schulen sind für alle Kinder kostenfrei, jedoch können sich viele Eltern nicht einmal das Schulmaterial leisten. Die Schulen auf dem Land haben meist keinen Wasseranschluss und keine Kanalisation. Die Klassenräume sind auch meist nur spärlich eingerichtet. Zur Zeit spielt der Staat mit dem Gedanken die Bildung zu privatisieren. Jedoch können die Familien kaum die Kosten für die Schuluniform aufbringen, geschweige denn die Kosten für eine Privatschule.

Wie wir sehen, spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle. Das größte Problem sehe ich jedoch im Gehalt der Lehrer. Eine angemessenere Bezahlung der Lehrer würde für mehr Motivation sorgen. Die Lehrer bräuchten keinen Nebenjob und könnten sich somit auf ihren Hauptberuf konzentrieren.

Was denkt ihr? Was könnten mögliche Lösungsansätze sein?

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5 Antworten auf “Bildung am Titicacasee”

  1. Ines Sey sagt:

    Das Problem existiert nicht nur auf dem Land, wo die Schulen weit entfernt liegen und auf Bildung nicht so viel Wert gelegt wird. Wenn man nur einmal nach Lima in die Innenstadt fährt, erkennt man, wo viele Kinder eher sind als in der Schule… beim Verkaufen von irgendwelchem Krimskrams, der dazu beiträgt die Familie zu unterstützen. Im Idealfall gehen die Knirpse dann in die Abendschule, die recht verbreitet ist. Aber häufig bekommen sie keine Bildung, sondern müssen von früh bis spät arbeiten. Dies führt dann dazu, dass die Perspektive ihrer Familie, die sie dann später gründen, häufig nicht anders die ihrer Eltern. Ein Teufelskreis.

    Ein großer Schritt wurde schon gemacht, indem Abendschulen eingeführt wurden. Schaut man jedoch in die Geschichte Deutschland, so erkennt man, dass die Schulpflicht sich erst dann richtig durchgesetzt hat, als Kinderarbeit verboten wurde. Ich denke, dass dies ein Ansatz sein könnte. Führt ja auch dazu, dass Arbeitskräfte weniger werden und dann die Eltern wieder eher Arbeit finden…

  2. Andrea sagt:

    Ich war in der Nähe von Cusco in zwei verschiedenen Schulen auf dem Lande unterwegs. Was mich überrascht und auch gefreut hat war die Tatsache, dass beide Schulen mehrere Toiletten hatten und aus den Wasserhähnen fließendes Wasser kam. Ich hatte nicht damit gerechnet. Wir haben in den Schulen Bücher, Schreibpapier, Stifte, Radiergummis u.s.w. verteilt. Die Kinder hatten sich sehr gefreut und ich denke, dass man auch mit äußeren Hilfen schon erheblich dazu beitragen den Schulalltag soweit als möglich zu verbessern. Die Kinder waren in beiden Schulen sehr lern interessiert und die Bücher die wir verteilt hatten, wurden sofort mit großem Interesse gelesen und durchstöbert.

    Wenn auch die Eltern erkennen, dass ihre Sprößlinge lesen und schreiben können und merken, dass sie dadurch eine wirkliche Chance haben, können die Kinder zur Schule gehen.

    Einige Eltern kamen auch zur Verteilung, als sie mitbekamen, dass wir kommen. Sie wohnten allerdings in der Nähe und nicht ca. 2 Stunden von der Schule entfernt. Aber alle waren positiv auf das Lernen ihrer Kinder eingestellt.

    Ich denke, dies ist ein Schritt in die richtige Richtung…

  3. Stefanie sagt:

    Ein kritisches und sehr wichtiges Thema.
    Klar, den Eltern geht es erstmal um die finanzielle Situation…
    Einige Ansätze, die möglich sein könnten (z.T. auch schon in den anderen Kommentaren erwähnt):
    – Verbot der Kinderarbeit
    – Den Kindern muss die Schule schmackhaft gemacht werden, evt. auch spielerisch. Aufgabe der Pädagogik. Unmotivierte Lehrer fühen auch dazu, dass die Kinder die Schule nicht ernst nehmen.
    –> Angemessenes Gehalt für Lehrer
    – Einsatz von Voluntären, die bei Eltern und Kindern ein Umdenken auslösen: Schule ist die Basis für eine gute Zukunft. Kinderarbeit mag kurzfristig finanziell unterstützen, ist aber auf Sand gebaut.

  4. Kristina sagt:

    Ich hatte 1999, als ich auf einer Insel im Titicacasee (Amantaní) bei einer Familie übernachtet habe, nur mitbekommen, dass die Eltern kein Spanisch konnten und die Kinder für uns immer übersetzen mussten. Diese waren aber offensichtlich auch gerne in der Schule, denn abends kamen sie zu uns ins Zimmer und wollten mit uns Hausaufgaben machen und zeigten uns stolz ihre Schulhefte.

  5. Sandra sagt:

    Durch mein 4-wöchiges Praktikum in einem Kindergarten habe ich erfahren, dass auch oft die schlechte Ausbildung der Lehrer sowie ein falsch verstandener Bildungsbegriff Ursache des Problems ist.
    In „meiner“ Klasse mit 2-5-jährigen wurde kaum gespielt und erst recht nicht spielerisch gelernt. Aus der Hoffnung der Eltern, durch Bildung ein besseres Leben für ihre Kinder zu ermöglichen, resultierte dort ein „Unterricht“, wo schon sehr kleinen Kindern z.B. das ABC regelrecht eingepaukt wurde. Das tollste war einmal als die Kinder den Blutkreislauf mit Knete schmieren sollten. Wo doch die meisten nicht einmal eine Kugel hinbekommen hätten! Meist gingen diese „Inhalte“ logischerweise spurlos an den Kindern vorbei. Sicher resultierte bei der Lehrerin daraus auch ein gewisser Frust. Leider kam es öfters auch dazu, dass gerade die Kleinsten (denen es besonders schwer fiel auf ihrem Stuhl sitzen zu bleiben) auch mal was mit dem Lineal auf den Hintern bekamen.
    Auch das ist ein Teufelskreis, den es besonders in den ärmeren Einrichtungen gibt: schlechte Ausbildung erzeugt eine schlechte Ausbildung!

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Der Autor:

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