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Chile – Diskriminierung im Bildungssystem Puente Altos

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30561Wie man heißt und aus welcher Gegend man kommt, sind bei einem Kennenlernen in einer chilenischen Bar in Santiago die ersten Fragen. Bei der Antwort „Ich wohne im Stadtteil Puente Alto“ hat man keine guten Karten neue Kontakte oder Freund- schaften zu knüpfen. Für viele Chilenen ist die Person gegenüber nach dieser Antwort nicht mehr interessant. Oftmals habe ich solche Situationen schon erlebt und bin jedes Mal aufs Neue schockiert, wie man aufgrund der Herkunft von Menschen auf deren Charakter schließt.

Seit fünf Monaten bin ich in Santiago de Chile und arbeite als Sozialkoordinator für viSozial Chile und als Volontär im Casa de los Pinos in Puente Alto. Ich habe dabei nicht nur Formen der sozialen Arbeit kennen gelernt, sondern auch den chilenischen Alltag. Leider ist die Diskrepanz zwischen Arm und Reich enorm. Doch nicht nur in finanzieller Hinsicht ist der ärmere Teil benachteiligt, die Diskriminierung in den als arm geltenden Vierteln (wie Puente Alto) ist jeden Tag spürbar.

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Puente Alto ist einer der ärmsten und größten Stadtteile Santiagos. Die Menschen, die dort leben, sind tagtäglich mit gesundheitlichen Problemen, Gewalt, Drogen, und eben auch mit Diskriminierung und sozialer Benachteiligung konfrontiert. Die Gegend um Puente Alto verspricht Arbeitsplätze im Landwirtschaftssektor, die viele Menschen aus dem Norden und Süden Chiles anzieht. Sie versprechen sich eine höhere Lebensqualität und bessere Arbeitsmöglichkeiten um sich und ihren Angehörigen eine bessere Zukunft bieten zu können.

Die Menschen in diesem Stadtteil leben ein Leben am Rande der Gesellschaft. Die „Reichen“ wollen mit ihnen wenig zu tun haben und umgekehrt. Für die Meisten ist ein Leben außerhalb von Puente Alto ein Traum, der nicht verwirklicht werden kann. Die Wenigsten schaffen es, den Kreis zu durchbrechen und das liegt vor allem auch am Bildungssytem, dass die Unterschiede weiter schürt. Wie dieses Bildungssystem aufgebaut ist und was viSozial und Sie für eine Verbesserung tun können, möchte ich Ihnen nun erklären.

In Chile gibt es drei verschiedene Schulformen. „Colegios particulares“ (Privatschule), die „Colegios subvencionados“ (werden zur Hälfte vom Staat gefördert) und die „Colegios publicos“ (öffentliche Schulen für die der Staat komplett aufkommt). Die Kinder der Reichen besuchen die Privatschulen, wo das Niveau dem hohen Preis entsprechend gut ist. Die meisten Kinder aus Puente Alto erhalten ihre Schulbildung an öffentlichen Schulen. Dort sind die Klassen meist überfüllt, nicht selten befinden sich 40 bis 50 Schüler in einem Klassenzimmer. Dementsprechend gering ist auch der Lerneffekt und die Betreuung der Schüler.

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Da die Bevölkerung Puente Altos überwiegend vom Mindestlohn oder gar unter der Armutsgrenze lebt, kann an den Besuch von Privatschulen nicht gedacht werden. Das Einkommen aus Zeitarbeit, als Straßen- oder Marktverkäufer langt nicht aus. Zwar erhalten die Kinder die Möglichkeit eines Schulabschlusses, an einem gut bezahlten Job oder gar ans Studieren ist meißt nicht zu denken. Die Zulassungsvoraussetzung für die Universität wird auch mit dem Abschluss an der öffentlichen Schule erfüllt, die Vorbereitung auf das Studieren weicht aber deutlich von dem der anderen beiden Schulformen ab. Die Prozentzahl der Studenten mit einem Schulabschluss an öffentlichen Schulen liegt bei unter fünf Prozent.

Sind es die ärmeren Teile der chilenischen Bevölkerung nicht wert zu studieren oder einen guten Job auszuüben? Man könnte tatsächlich annehmen, dass Firmen, Arbeitgeber und Universitäten dieser Meinung sind. Ein Kind aus dem „Casa de los Pinos“ erzählte, dass die Studienpost seines Bruders immer nach Providencia, einem wohlhabenderen Stadtteil Santiagos, zu einem Onkel geschickt werde. Ein Kind kann das Jahrgangsbeste an einer öffentlichen Schule sein, seine Chancen an einer Universität angenommen zu werden, wären trotzdem sehr gering. Das hat den Grund, dass sein Wohnort in Puente Alto liegt und er aufgrund seiner Herkunft nicht angenommen wird. Natürlich wird das nicht als offizieller Grund für die Nichtaufnahme angegeben, sondern es werden gar keine Gründe für die Absage genannt. Allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass die Nichtaufnahme in der Herkunft begründet liegt.

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Zusätzlich zu der Herkunft spielen auch Namen eine große Rolle. Hans, Oliver, Byron. Namen wie diese sind in ärmeren Regionen Santiagos keine Seltenheit. Eltern ziehen es vor, ihren Kindern in Chile eher untypische, deutsch oder englisch klingende Namen zu geben. Denn kommt zu der Herkunft auch noch ein zu chilenisch klingender Vorname, sinken die Chancen auf einen Arbeitsplatz nochmal gewaltig. Um dem vorzubeugen, wollen die Eltern durch ausgefallene Namensgebung eine europäische Herkunft vortäuschen, um die eigentliche zu verdecken.

Wir im „Casa de los Pinos“ steuern dem Ganzen entgegen. Wir haben eine stetig wachsende Bibliothek eingerichtet, in denen sich die Kinder und Jugendlichen über ein Thema informieren können. Dadurch bieten wir eine weitere Informationsquelle um sich selbst weiterzubilden. Durch Workshops wie Englisch und Literaturarbeit (Palabras de la vida) ermöglichen wir ihnen sich weiterzubilden und die behandelten Themen durch Literatur zu vertiefen. Wir passen unsere Workshops auf die aktuellen Bedürfnisse, Interessen und Zukunftsvorstellungen der Kinder an, um ihnen neben der Schule eine weitere Möglichkeit zu geben, sich auf das Berufsleben vorzubereiten. Durch andere Workshops wie Tanzen, Fußball und Zirkus sollen den Jugendlichen Abwechslung geboten werden, aber auch Teamgeist und gegenseitige Toleranz nahe gebracht werden. Wir achten sehr darauf, dass die Rechte der Kinder eingehalten werden und sie sich am Nachmittag in einer Umgebung ohne Benachteiligung und Diskriminierung aufhalten können.

Um dies weiterhin erfolgreich durchführen zu können sind wir auf jede Hilfe angewiesen.

Haben Sie weitere Ideen, wie man die Menschen und vor allem die Kinder in „Puente Alto“ unterstützen und fördern kann? Sie möchten Spenden? Alle Informationen zum Projekt in Chile sowie das Spendenformular finden Sie auf der viSozial Webseite. Wir freuen uns auf Ihre Ideen!

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2 Antworten auf “Chile – Diskriminierung im Bildungssystem Puente Altos”

  1. Angela Montenegro de Bähr sagt:

    Hallo Stefan, gratuliere für die fantastische Taten von viSozial und dass Du diesen Text publik machst. Leider ist diese Diskrimitation nicht nur in Chile, es ist anwesend in ganz Lateinamerika, ich hoffe eines Tages Menschen werden als Menschen überalle willkommen heißen und akzeptiert, aber an dem Tag kommen wir ganz bestimmt nicht bald oder?
    Auf jeden Fall hat mir dein Beitrag gut gefallen und dass die Kinder aus Puente Alto mindestens eine Bibliothek dank Euch haben und die Workshops die ich weiß sind herzlich gemacht.Danke Stefan,Danke viSozial.Gott segne Euch für all diese tolle Taten.
    Sommerliche Grüße.

  2. Stefan sagt:

    Vielen Dank für dein positives Feedback. Wir tun alles was wir können, damit unsere Kinder möglichst die gleichen Chancen bekommen wie andere auch. Viele Grüße, Stefan

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