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Bolivien: Fleischbomber – die Dschungelflieger

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Im Cockpit der alten DC3 riecht es nach Öl und heißem Metall. Mühsam kämpft sich das Flugzeug auf 5700 Meter hoch. Die verschneiten Berghänge der Königskordillere gleiten gefährlich nahe an den Aluminiumflügeln des Fliegers entlang und fast erleichtert nimmt der Pilot den Schub der dröhnenden Motoren zurück – der Landeanflug auf den Flughafen La Paz kann beginnen.

Wenn mein Freund Edgar, heute Gleitschirmflieger in Sucre, von seinen Flügen über den Bergen zu erzählen beginnt, hört er so schnell nicht auf.
Er arbeitete bis Anfang der 90er Jahre als Mechaniker an Bord der alten Weltkriegsbomber, die in Bolivien die einzige Verbindung zwischen dem kargen, kalten Hochland und dem immergrünen Dschungel Amazoniens war.

Bis vor kurzem führten kaum Straßen über die Kordillere, nur eine einspurige Serpentine, aus dem Andenfels gehauen, verband das Hochland mit dem amazonischen Dschungel. Durch permanente schlimme LKW Unfälle verdiente sie sich den Namen Todesstrasse. Den Warentransport – vor allem Obst, Holz und Rindfleisch, konnten LKWs allein nicht sichern.

Große Rinderherden finden sich in Bolivien nur im Tiefland, in den grünen Pampas Amazoniens und in den Abholzungsgebieten des Dschungels. Unser „Asado“ (Grillgut) kommt seit jeher aus diesen Regionen.

In den 70er und 80er Jahren benötigte allein die staatliche Bergbaugesellschaft für ihre Bergwerke im Hochland über 40 000 Kilo Rindfleisch pro Woche, La Paz etwa das Doppelte. Nur robuste Flugzeuge konnten diese Mengen in kurzer Zeit transportieren und einige gewagte Unternehmer und Rinderbarone kauften ganze Flotten von ausgedienten amerikanischen Bomber und Transporter. Vor allem DC 3, Curtiss C 47 und viermotorige Bomber des Typs C54 landeten in La Paz.

Edgar flog in den 80ern für Fri Reyes, mit 14 Flugzeugen die Firma mir der größten Flotte. Beladen wurde mitten im Dschungel: in den Haziendas in Reyes, Trinidad oder San Ignacio standen die Rinderställe direkt am Flugfeld, so dass die Schlächter – sobald die anfliegenden Maschinen zu hören waren – sich an ihr Werk machen konnten.

Während der Pilot ein Paar Zigaretten rauchte, hatte Edgar schwer damit zu tun, das Flugzeug fit für der Rückflug zu machen: Hydraulik, Flügelenteiser, Motore. Während er in den Maschinen steckte, hingen die Schlächter und Fleischer die Rinderhälften im Flugzeugbauch auf. Nach kurzer Zeit hoben die Flugzeuge träge über die Bäume ab und flogen westlich in die Berge hinein. Ständig zwangen Motoren- und Maschinenschäden die Piloten zu fliegerischen Husarenstücken, oft musste die Ladung hinausgeworfen werden, um die Höhe zu halten und über die Berge zu kommen. Das war jedes Mal ein Festessen für die Kondore. In La Paz warteten am Flugfeld die LKWs, sie fuhren das Fleisch sofort in die Märkte.

Jeweils drei der Fleischbomber-Flieger übernahmen eine Schicht und flogen zweimal am Tag ins amazonische Tiefland. Wenn eine Maschine ausfiel und am Boden blieb hatten die anderen umso mehr zu tun. Edgars stolzer Flugrekord liegt bei 9 Flugstunden 45 Minuten an einem einzigen Tag: fünf Mal über die Kordilliere.

Mit dem Ausbau der Strassen und dem Verfall der Erzpreise war die goldene Zeit der bolivianischen Fleischbomber vorbei. Ich frage Edgar ob er diesen Zeiten nachtrauert und er antwortet mit nein. Er fliegt jetzt Touristen mit seinem Gleitschirm über die Berge von Sucre – das sei genauso schön und weit weniger gefährlich.

In La Paz, Cochabamba und im Tiefland stehen sie noch im Hangar oder verlassen neben den Pisten, die alten Kämpfer. Viele sind von Sammler aus Amerika und Europa aufgekauft, restauriert und wiederbelebt worden – andere rosten vor sich hin.
Eine DC3 hat es gut getroffen. Sie fliegt heute, im Topzustand erhalten und gewartet, von Cochabamba aus täglich in den Salzsee von Uyuni hinein. Ein echtes Abenteuer!

Tomas Sivila – La Paz

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