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Bolivien: Präsidentschaftswahlen total anders!

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elecciones bolivia 2009Wusstet ihr, dass in Bolivien 2 Tage vor der Wahl kein Alkohol ausgeschenkt werden darf? Abgesehen davon sind bei einer Präsidentschaftswahl in Bolivien so einige Dinge anders, die mich letztes Wochenende zum staunen brachten.
Als ich mich am Sonntag mit einer Gruppe von Freunden in Richtung Plaza Murillo – der Platz in La Paz an dem die Wahlergebnisse verkündet werden – aufmache, bin ich schon sehr gespannt auf die Stimmung, die uns erwartet. Die Straßen in La Paz sind an diesem Tag wie leer gefegt.

Aufgrund der Wahl wurde in der ganzen Stadt für diesen Tag ein Fahrverbot ausgesprochen. Weder Minibusse mit ihren aus den Fenstern brüllenden Kassierern, noch die typisch bolivianischen Truffis (Sammeltaxis) sind zu sehen. Der Verkehr ist wie lahmgelegt und die Stadt bekommt durch die ungewöhnliche Ruhe auf den Straßen ein ganz anderes Gesicht.

Gemütlich gehe ich über die Straßen, ohne das mitschwingende Gefühl zu haben, dass ich bei Überquerung der Fahrbahn jederzeit von einem Auto angefahren werden könnte. In La Paz nehmen die Fahrer im Normalfall keine Rücksicht auf Fußgänger. Es herrscht fast immer Verkehrschaos und die Leute haben es eilig.

El Prado La Paz

Zum ersten Mal seit ich nach Bolivien gekommen bin, sehe ich ziemlich viele Fahrradfahrer auf den Straßen. Die meisten von ihnen sind Jugendliche oder Familien, die sich über diesen Ausnahmezustand freuen und es ausnutzen, einen Tag ungestört und ohne Gefahr auf ihren Rädern durch die Straßen La Paz zu heizen. Allerdings gibt es für einige Fahrzeuge Sonderfahrerlaubnisse wie Krankentransporte, Pressefunktionäre oder Parteimitglieder.

Am Wahltag ist in Bolivien so einiges anders als sonst. Zum Beispiel darf 48 Stunden vor Beginn der Wahlen kein Alhohol mehr verkauft werden, denn das ist in Bolivien per Gesetz verboten. Die Leute sollen bei ihrer Wahl einen klaren Kopf haben. Auch Kneipen sind nicht dazu berechtigt Alkohol auszuschenken. Wer trotz des Verbotes Alkohol verkauft und dabei von der Polizei erwischt wird, dem drohen saftige Geldstrafen. In der Nacht vor den Wahlen waren auch viele Polizisten auf den Straßen zur Kontrolle unterwegs.

Da die Wahlen auf ein Wochenende fielen, war es für die Bolivianer umso schwieriger, das Verbot einzuhalten, denn in Bolivien trinkt man generell gerne und manchmal auch viel. So ganz ließen Sie sich den Spaß nicht nehmen und es fanden in vielen Häusern private Feste an diesem Wochenende statt.

Auch die Regale der Supermärkte waren in der Woche vor der Wahl total leer. Die Leute kauften wie verrückt ein, um am Sonntag nicht mit leeren Mägen wählen zu müssen. Einige Bolivianer haben sich heute schon am frühen Morgen auf zur Wahl gemacht, da sich später vor den Wahllokalen lange Schlangen bilden und man mit einigen Stunden Wartezeit rechnen muss. Auch ein Freund, mit dem ich mich an diesem Tag treffe, verspätet sich fast um 2 Stunden aufgrund der langen Wartezeiten. In Deutschland wären Warteschlangen vor den Wahllokalen undenkbar, da dort die Teilnahme an den Wahlen nicht obligatorisch ist. In Bolivien hingegen herrscht für jedermann Wahlpflicht und so muss sich jeder Bolivianer an diesem Tag zu seinem Wahllokal aufmachen, um zu wählen oder zumindest seinen Wahlschein ungültig zu machen. Wer in Bolivien sein Kreuzchen nicht setzt, dem droht eine Strafe. Wer am Wahltag nicht zur Urne erscheint, darf die nächsten 3 Monate seine Gas-, Wasser oder Stromrechnung nicht bezahlen. Dies ist in keinstem Fall empfehlenswert, da nach spätestens einem Monat Zahlungsverzug der Strom abgestellt wird. Zudem ist man für die nächste Wahlperiode gesperrt.

Sehr lustig finde ich auch, dass alle Bolivianer nach der Wahl mindestens einen Tag mit einem blauen Zeigefinger durch die Gegend rennen. Mein bolivianischer Bekannter erklärt mir, dass das die Tinte sei, mit der die Wähler einen Fingerabdruck hinterlassen müssen, um sich zu identifizieren. Bei einigen Personen werden aber auch Ausnahmen gemacht. So kommt es des Öfteren vor, dass indigene Arbeiter nicht durch ihre Fingerabdrücken identifiziert werden können, da ihre Finger von der Landarbeit zu sehr abgenutzt sind. In diesem Fall werden Fotos zur Indentifizierung gschossen.

Am Abend machen sich viele Bolivianer auf den Weg zum Hauptplatz, dem Plaza Murillo, wo der Präsident seinen Regierungssitz hat und warten gespannt auf die Verkündung der Ergebnisse. Auch wir machen uns langsam auf den Weg dorthin. An der Plaza angekommen stehen schon viele MAS-Anhänger bereit, die Partei des momentan regierenden Präsidenten Evo Morales, um den angekündigten Sieg zu feiern. Auch die Presse aus aller Herren Ländern ist vor Ort und wartet gespannt auf die Verkündung der Ergebnisse.

Plaza Murillo

Bis das endgültige Ergebnis verkündet wird, hören wir schon einige Hochrechnungen, die belegen, dass die Partei von Evo Morales mit ca. 63 % vorn liegt. Die Menschen feieren schon jetzt seine Wiederwahl. Die Wahl des Vizepräsidenten Álvaro Linera, ebenso Parteimitglied der MAS, ist zu diesem Zeitpunkt schon bestätigt. Die Menschen feiern, singen und tanzen zusammen.  Ein Meer aus Fahnen der Partei MAS ziert den Platz, Trommelspieler heizen der Menge ein und Bierverkäufer gehen durch die Reihen und bieten, am Anfang noch leise später aber immer lauter und lauter, Bier zum Verkauf an. Die Leute scheuen sich jetzt nicht mehr Alkohol zu konsumieren. Die Stimmung ist unbeschreiblich. Ich bin überwältigt davon, wie emotional die Präsidentschaftswahl hier abläuft. Es ist eine richtige Welle ausgebrochen und alle warteten nur auf eine Person: EVO MORALES.

Mas Flaggen

Die Auszählung neigte sich dem Ende zu und es steht fest, dass Evo Morales mit 63 % die Wahl gewonnen hat. Kurz vor 22 Uhr taucht er endlich auf dem Balkon des Präsidentenpalastes auf und die Menschen auf den Platz flippen völlig aus.

In einer bewegenden Rede betont Evo, dass er in seiner zweiten Amtszeit vor allem die Industrialisierung unter Regie des Staates ausbauen möchte, um das Land Bolivien zu stärken. Danach wurde ein spektakuläres Feuerwerk gezündet und auf der Bühne standen schon die Bands in den Startlöchern, um gemeinsam mit den Menschen zu singen und zu tanzen.

Band aus Potosi

Für mich war die Präsidentschaftswahl in Bolivien eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte, denn sie war total anders und viel emotionaler wie die Wahlen, die ich aus Deutschland kenne.

Was denkt ihr? Haben die Bolivianer sich mit der Wahl einen Gefallen getan?

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3 Antworten auf “Bolivien: Präsidentschaftswahlen total anders!”

  1. javaan sagt:

    Echt schöner Bericht Lisa.
    Deine Frage ist wohl schwer zu beantworten. Durch seine Haltung und sein Vorhaben (Verstaatlichung der Industrie) verscheucht Evo Morales Investoren und in unserer globalisierten Welt sind es diese, die Geld in ein Land bringen.
    Wenn aber die Ölpreise weiter steigen und mehr Elektroautos gebaut werden, vorausgesetzt die Pläne für den Bau von lithiumverarbeitenden Fabriken am Salar Uyuni werden umgesetzt, dann hat Bolvien mit Evo Morales einen ehrlichen, solidarischen und angagierten Präsidenten, der das Land grundlegend, zum gunsten der Armen, reformieren kann.

    Ich wünsche Bolivien sowieso viel Glück

  2. Kristina sagt:

    Naja, Evo Morales ist ein Mann aus dem Volk. Wie schon oben gesagt, es wird sicher zugunsten der Armen sein, was so angeschoben werden wird in nächster Zeit. Und das ist gut so!

  3. manfred sagt:

    die beide Komentare sind bestimmt von 2 Touristen geschrieben ohne die Wirklichkeit in Bolivien zu kennen, sie sollen mal nach den Menschenrechten fragen wie es da mit steht in Bolivien und den politisch verfolgten, ich wuerde gern mal der beiden ihre Meinung hoeren wenn es politisch in Deutschland so zu ginge wie hier in Bolivien
    con muchos saludos
    mg

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Der Autor:

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