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Brasilien: Flip-Flops, die Wald- und Bergschuhe

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Ich keuche Juvenal hinterher, der zügig über Stock und Stein durch den Urwald flitzt, um mir einen der letzten Riesenbäume zu zeigen. Ich bin zwar auch nicht mehr der Jüngste, aber ansich besser ausgerüstet – zumindest was das Schuhwerk angeht. Juvenal, auch in meinem Alter, wandert mit Flip Flops durch den Wald! Irgendwie sind die an seinen Füßen angeklebt, denn er rutscht nicht einmal damit aus. Flip Flops, das sind diese brasilianischen Plastiksandalen, die ihren deutschen Namen von dem erzeugten Geräusch bekamen. Bei mir wären die Flip Flops schon längst ausgerissen und ich hätte mir sicher schon die Zehen irgendwo angeschlagen oder aufgerissen.

Die Lieblingsschuhe der Brasilianer sind zweifelsohne die bunten, quietschenden Gummilatschen, die hier in allen Farben und Formen erhältlich sind. Ob mit Blümchen oder im Militärlook – Flip Flops gibt es in Unmengen.

Ursprünglich sollten sie einfach nur als Strandsandalen dienen, aber schnell haben sich diese Badelatschen zu Wald- und Wiesenschuhen entwickelt und besonders die Landbevölkerung hält große Stücke auf sie. Die Brasilianer gehen damit auf den Berg, in den Wald, aufs Feld und in den Fluss zum Fischen. Wenn die Flip Flops wirklich mal unangebracht sind, gehen sie Barfuß.

Es ist nicht so, dass die Menschen in Brasilien keine Schuhe haben – in jedem Haus steht ein schönes Paar Lackschuhe in der Ecke. Aber das wird nur benutzt, um in die Stadt, auf ein Amt oder zum Arzt zu gehen. Flip Flops hat aber jeder Brasilianer – vom kleinsten Kind zum ältesten Opa – mindestens zwei Paar.

Bei den in Brasilien so beliebten Abenteuersportarten Rafting, Abseilen und Trekking gilt das Gesetz möglichst teures und schickes Schuhwerk für genau den speziellen Zweck zu tragen. Also Raftingschuhe für Rafting, Canyoningsandalen für Canyoning und Abseilschuhe fürs Abseilen usw. Es soll ja schließlich auch zur Sicherheit beitragen.

Meine Abenteuersportschüler in den abgelegenen Gemeinden Taboquinhas oder Nilo Peçanha können sich aber keine teuren Canyoningsandalen kaufen. Erstens haben sie kein Geld für solch einen „Schnick-Schnack“ und zweitens fühlen sie sich sicherer, sich mit Flip Flops oder Barfuß am kleinen Wasserfall abzuseilen oder die Raftingboote über die Stromschnellen zu steuern.

Ich muss mir dann schon mal von den städtischen Touristen anhören, wie ich es denn zulassen kann, dass die einheimischen Guides ohne adäquates Schuhwerk abseilen oder raften. Dies entspricht doch nicht den Sicherheitsnormen! Das muss ICH mir anhören, der ja einer der Autoren der brasilianischen Sicherheitsnormen für Abenteuertourismus ist. Ein schönes Dilemma!

Ich habe einmal am selben, kleinen Wasserfall mit teuren Markenwassersandalen abgeseilt und mir den Nagel vom großen Zehen abgerissen. Den Einheimischen, die in ihren Gummilatschen abseilen, ist in acht Jahren Tätigkeit noch nie was passiert. Auch mit Flip Flops durch den Wald und über Steine haben die noch nie eine Verletzung davongetragen. Ich sollte es doch auch mit den Gummilatschen versuchen und diese dann als adäquates Schuhwerk in die Sicherheitsnormen aufnehmen. Ob die Behörden dies akzeptieren?

Ja, die Evolution macht ihren Kreislauf und so langsam kommen wir zu unserem Ursprung zurück. Von Barfuß zu Sandalen…, zu Schuhen…, zu Hightech Schuhwerk… und nun wieder zu Sandalen. Bald laufen wir wieder Barfuß – ist auch gesünder!

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Eine Antwort auf “Brasilien: Flip-Flops, die Wald- und Bergschuhe”

  1. Peter Schües sagt:

    Hallo mein lieber Otto,

    ich kann mich einfach nicht vor Begeisterung zusammenreissen…dein Beitrag zu den „Havaianas Flip-Flops“ ist einfach genial und trifft genau mitten rein. Humorvoll und lebendig geschrieben.

    Abraços

    Peter Schües

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