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Wie meine alten Schuhe – Cartagena im Wandel

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Cartagena de Indias – Kolumbiens Kleinod unter den karibischen Städten trägt viele Beinamen: „La Heroica – die heroische“, „La Perla del Caribe – die Perle an der Karibik“, „La ciudad de los balcones y las flores – die Stadt der Balkone und der Blumen“ … um die Gängigsten zu nennen.

Wer die Stadt schon einmal besucht hat, wird diesen Bezeichnungen sicherlich zustimmen und sie mit der Stadt in Bezug setzen können.

Welchen Bezug aber haben alte Schuhe mit dieser Stadt? Nun, wenn es um Cartagena geht sind alle Kolumbianer auf einmal Cartageneros. Keine Stadt im Land ist den Herzen der Kolumbianer so nahe. Wie nahe? Na – so nahe, wie uns unsere alten Schuhe am Herzen sind. Alt, abgetragen und ganz bestimmt unbequem, bewahren sie vielleicht noch etwas vom Glanz ihrer jüngeren Tage. Ganz sicher erinnern sie uns aber an die Wege, die wir in ihnen gingen.

Wenn der Besucher durch Cartagena wandelt, wird er auch diesen Vergleich verstehen. Besonders im Viertel Getsemaní, Teil der Altstadt, wirken die alten, manchmal dem Abbruch nahen Häuser mit ihren hohen Fassaden, ihren Blumen geschmückten Balkons und den engen Gassen auf den Besucher ein. Wie die „Falten“ alter, fast abgetragener Schuhe erinnern die bröckelnden Fassaden an die Vergänglichkeit der Jugend. Ein Blick in die geschäftigen kleinen Läden und Werkstätten erinnert an 100 Jahre Einsamkeit.

„Barberia Imperial – kaiserliche Barbierstube“ steht in verblasster blauer Schrift über den Eingang des Geschäfts Igno Hoyos´. Im Zeitalter der „Beauty-Shops“ einen Barbier zu finden, der auch noch kaiserlich ist … das passt zu Getsemani. Auf dem betagten Barbierstuhl hat sicherlich irgendein Kaiser mal gesessen. Der restliche Putz an der Wand leistet immer noch heroisch Widerstand und hält sich irgendwie noch an der grauen Wand. Müde rotierende Ventilatorblätter hängen an der Decke und werden sich sicher an glorreiche Zeiten erinnern, in denen diese Wand und die Decke einmal weiß strahlten und seine eigenen Drehungen Erfrischung brachten. Igno Hoyos ist seit 50 Jahren im Geschäft, da geht es nicht mehr um Massenabfertigung oder frischen Wind. Er und sein Geschäft sind Institution dieser Stadt.

Einst hatte er ein Geschäft im renovierten Teil der Altstadt, dort wo heute Beauty-Shops, Modeboutiquen und Juweliere teure Mieten zahlen. Seine Kundschaft ist Igno bis nach Getsemani gefolgt. Hier sind die Mieten noch bezahlbar. Trotzdem teilt er sich den Raum seines Barbierladens mit einer Druckerei und einer Buchhalterkanzlei. Die beiden Computer der Buchhalter sind nicht richtig neu, aber verglichen mit dem Barbierstuhl und der fast so alten Druckmaschine stellen sie die Zeit auf dem Kopf … wie in 100 Jahre Einsamkeit eben.

Carlos, der Drucker, hört gerne Tangos. Das war die Musik seiner Jugend irgendwann in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, als der Putz dieser Wände noch frisch war und sein altes Kofferradio eine Neuheit. John, der junge Buchhalter, der geschäftig in seinen Bildschirm starrt und über Computer Lautsprecher seine Musik hört, begeistert sich an den harten Rhythmen des Reageton. Also hören alle mal Tango oder Reageton oder beides gleichzeitig, das stört hier niemanden.

Auch Ignos Konzentration nicht, der mit in fünfzig Berufsjahren errungener Geduld an sein Werk geht. Mit nur drei Werkzeugen meistert er jede Kopf- und Barttracht, auch modische wünsche deutscher Besucher bringen ihn da nicht aus der Ruhe. Igno hat schon erwachsene Kinder und ein kleines Haus in einem der Wohnviertel Cartagenas. Er könnte eigentlich von seiner Rente leben, aber wohin sollten seine Kunden gehen, wenn nur noch Beauty-Shops die Alternative sind? Bei Igno gibt es Tango, ja Reageton auch aber Rhythmus gehört nun mal nach Cartagena. Und den Kaffee bringt hier Esmeralda vorbei. Für 500 Pesos der kleine schwarze Tinto, frisch aus der Thermoskanne und dazu die Neuigkeiten der Straße, die Esmeralda auf ihren Weg von Geschäft zu Geschäft sammelt und heiß wie ihre Tintos serviert.

Den Wandel, den nun auch Getsemani durchmacht, weil die alten Häuser von reichen Investoren aufgekauft, restauriert und zu Hotels, Boutiquen oder Juwelierläden umfunktioniert werden, sieht Igno positiv. Er hat keine Angst davor, dass er irgendwann seinen Laden räumen muss. „Ich werde in dieser Stadt noch gebraucht!“ sagen er und die vielen kleinen Betriebe in Getsemani.

Cartagena wandelt sich vom alten, aufgetakelten Mädchen zur eleganten Dame.

Für Cartageneros und Kolumbianer werden aber die Risse und Falten dieser Stadt ewige Herzenssache sein, mehr als der schöne Schein – wie bei alten Schuhen eben.

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6 Antworten auf “Wie meine alten Schuhe – Cartagena im Wandel”

  1. Monika sagt:

    Toller Artikel! Da bekommt man gleich wieder Lust, nach Cartagena zu fahren 🙂

  2. Kristina sagt:

    Kann ich mich nur anschließen, toll geschrieben!!!

  3. Petra und Klaus sagt:

    Haben schon mit Spannung Deine Reportage erwartet, da wir ja das Ergebnis der 3/4 stündigen „Sitzung“ bei Igno bestaunen konnten. Genau, wie der Haarschnitt bei Rafaelo, ist der Artikel super geworden.

  4. Miguel sagt:

    Hallo Monika, vielen Dank für die netten Worte. Es freut mich sehr über diesen Weg wieder von dir zu wissen. Dann werde ich mal schön weiter schreiben, damit vielleicht eine Rückkehr nach Cartagena und Kolumbien unausweichlich werde. 😉

  5. Miguel sagt:

    Hola Kristina, muchas gracias por los cumplidos. Ich hoffe, ich konnte nahe bringen, wie viel Spaß es macht, durch Viertel wie Gethsemani zu laufen und mit den Leuten zu reden.

  6. Miguel sagt:

    Liebe Petra, lieber Klaus, auch euch vielen Dank für die netten Worte. Aber Rafaelos Haarschnitt ist nun mal Meilen besser als mein Artikel. Trotzdem danke für den Vergleich 🙂 Was macht die Yuca-Produktion in Saalfeld? Hoffentlich hat die frühe Sommersonne in Deutschland die zarten Triebe nicht aufgebrannt 😉

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Der Autor:

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